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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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276 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

und gepeinigt werden, während die Seelen Constantins, des Narcissus,Theodosius von den Engeln in Empfang genommen werden.

Weisheit lehren ist das hohe Ziel des Gedichtes: wtstuom unt ere werdendie Hörer davon haben und ihrer Seele wird es zum Nutzen sein, so lautetdas Programm des Verfassers in den Eingangszeilen (13); Wahrheit wirdhier geboten, nicht Lüge, wie sie die Spielleute erdichten, daß davon dieSeelen in der Hölle brennen werden. 1 ) Die Novellen, Fabeleien, Abenteuer-lichkeiten, an die selbst die blühende Phantasie der Spielleute nicht heran-reicht, hier sind sie bare Wahrheit, sie sind, wenn sie auch auf die Unter-haltungslust berechnet sein mögen, doch im Hauptgrunde zu dem höherenZweck der Belehrung und Erbauung bestimmt als Beispiele für die Ein-richtung eines sittlichen Lebens, sie stellen im Bilde dar, wie man handelnund wie man nicht handeln soll. Der Dichter selbst will seine Gestalten alsVorbilder aufgefaßt wissen, 2 ) er sagt vonTrajan: Nu suln alle werltkunlgeda bi nemen pilede, wi der edel kaiser Trojan dise genäde umbe got gewan60836086, umgekehrt Domitian als abschreckendes Beispiel: von diu sulnalle kunige bi im iemer nemen pilede, behuoten ir sele, behalten ouh werlt-lich ere 56795682. In Trajan wird ein weltliches Fürstenideal gezeichnet:er ist der gerechte Richter, ein Beispiel dafür ist die Erzählung von Trajanund der Witwe 58415872. 58875996, 3 ) der im gerechten Kampfe tapfereKrieger 5873-5884. 59976006, und der Friedensfürst 60136018. Theo-dosius ist, wie Constantin, der Typus des frommen Herrschers (Tugend-lehre 13601625) mit dem Lohn der himmlischen Krone. Der Gegensatzzwischen dem christlichen und dem heidnischen Regenten ist dargestelltan Philippus und Decius 6133 ff. Die Pflicht gegen die Untertanen lehrtTharsilla ihren Gemahl Justinianus 1282512998, vgl. auch 1367213682.Grundsätze der Jugenderziehung entwickelt Faustinianus 13751403. 4 ) Bei-spiele für opferfreudige Glaubensstärke geben die Helden der Märtyrer-legenden, weibliche Tugend verherrlichen die moralischen Erzählungen vonden keuschen Frauen, die demütig und geduldig in allen Leiden ihre Ehrebewahren, Mähthilt in der Faustinianuslegende, Lucretia, Crescentia.

Alle diese Lehren und Erzählungen sind Zeugnisse praktischer Moral.Aber meistens äußert sich der didaktische Charakter des Werkes in derAufnahme theologischer Spekulation. DieSilvesterlegende ist eine Apologiedes Christentums in der Form einer Disputation, eingekleidet in novelli-stisches Gewand, ihr Inhalt ist die Glaubenslehre und der Sieg des Christen-tums über das Heidentum. Widerlegt werden 12 jüdische Einwände. Diese

') Vgl. Ekkehards Chron. aaO. S. 99, 4 ff.Conradus Hirsaugiensis bestimmt in seinemDialogus (12. Jh.) den Unterschied zwischeneinem historiografus und einem poeta dahin,daß jener ein Schreiber von gesehenen Tat-sachen sei, dieser ein Erdichter, der für WahresFalsches sagt und dem Falschen zuweilenWahres beimischt (ed. Schepss S. 24 f.); vgl.

auch Isidors Etymol. I, 40, 1.

2 ) Siehe Schröder, Anm. zu 5889; Bur-dach, Vom MA. zur Ref. 1, 68 ff.

3 ) Massmann 3, 349353. 366371.

*) Die Fürstenlehren,Fürstenspiegel", bil-den einen wichtigen Teil in der m.alterlichenEthik und Pädagogik, vgl. die oben S. 256Anm. 1 angeführten Arbeiten.