§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad. 275
Christen gescaiden 6045 f.), aber sie durchzieht nicht, sie beherrscht nichtdas Ganze. 1 ) Die Menschheit ist nicht so einfach gespalten, daß nur dieGläubigen auch trefflich, die Heiden verabscheuungswürdig sind. Denn auchheidnische Kaiser können tüchtig und moralisch gut sein: Tiberius, Titus,Nerva, Trajan, dessen Seele später durch den Papst Gregorius erlöst wurde6019—6082; böseaber sind unter allen Umständen die Christenverfolger.
Überhaupt ist in den Biographien ein besonderes Gewicht auf die sitt-liche Persönlichkeit gelegt, die Könige werden in gute und böse unter-schieden : von den chunigen, baidlu guoten unt ubelen berichtet das Gedicht19 f. In ihren Handlungen offenbart sich ihr moralischer Wert, aber auchunmittelbar charakterisiert sie der Dichter durch Epitheta oder kurze Be-merkungen. Besonders ausgeschmückt mit ehrenden Bezeichnungen werdenTitus 5367. 90. 416. 51. 93. 549—52; Nerva 5685. 93. 705. 55.79.96.837; Trajan 5859 f. 69. 6091; Constantin 7638. 809. 41. 8306. 474. 9854.10477; Tiberius vereinigt Weltruhm und Seelenheil 673f., vgl. 13f. 5681 f.und ebenso Constantin 11140 f. Auch für die bösen Fürsten, besonders fürdie Christenverfolger, hat der Dichter allgemeine Merkmale: Domitianus istain gotes widerwarte 5559, der grimmige man 5576, der verworhte 5647';Decius der grimmige man 6151, der vil grimme 6171, ain fraislich man6115, vgl. 6249.52; Diocletian und Maximian: die grimmigen wuotertche 6612,die ubelen wuotgrimmen 6453; vgl. ferner Gallienus 7458, Julian 10637. 938.11000, des laiden välandes man 10813. Mit besonderer Heftigkeit wirdDietrich v. Bern angegriffen: der übel wuotgrimme, den Papst stieß er vonSt. Peters Stuhl und legte die Christgesinnten in den Kerker; dafür warfenihn die Teufel in den Vulkan (Vesuv), wo er bis zum jüngsten Tage brennt14154 ff. : das ist das Bild, das die Kirche von dem Nationalhelden, demLiebling des Volkes, aufgestellt hat gegenüber der Verherrlichung der Spiel-leute, die für Lüge erklärt wird 14187 (vgl. 27 ff.). 2 )
Charakteristisch sind auch die Todesarten. Die meisten Herrscher werden er-schlagen : Gajus, Tarquinius, Galba und Piso, Otto, Philippus, Gallienus, Decius,Diocletian, Pertinax, Adrian, Accomodus, Achilleus, Gallienus, Justinian, Con-stantinus (Porph.), in der Schlacht fallen Severus und Julianus, vergiftetwerden Augustus, Tiberius, Claudius, Alarich, Vitellius wird lebendig begraben,Domitian ertrinkt, den unchristlichsten Tod, den Selbstmord, tun sich an Neround Maximian. Nur we'nige sterben eines natürlichen Todes an Krankheit:Vespasian, Titus, Nerva, Trajan, Constanti(n)us (Chlorus), Constantinus Leo,Zeno, es sind besonders die „guten" Kaiser, Nerva und Trajan erhaltennoch außerdem den ehrenden Zusatz, daß sie beklagt wurden. Besondershervorgehoben aber wird der Gegensatz zwischen Gotteskindern und Teufels-dienern, indem Nero, Domitian, Decjus und Julian von den Teufeln geholt
') Die augustinische Trennung der Mensch-heit in eine civitas Dei und eine civitas ter-rena ist nicht der geistige Leitgedanke in
den von Hieronymus ausgehenden Chroniken.2 ) Vgl. Vogt, Breslaucr Festschr. S. 513 f.
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