274 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Eine von der Kehr, unabhängige Fassung ist erhalten in der KolmarerCrescentia, 1 ) ebenfalls aus der Mitte des 12. Jhs. 2 ) Als sichere Entlehnungenlassen sich nur die Stücke aus dem Annolied 3 ) und aus Priester ArnoldsSiebenzahl nachweisen, weil hierfür die Quellen unmittelbar vorliegen, unddie Crescentia, denn das Kolmarer Gedicht setzt eine gemeinsame Vor-lage mit der Episode in der Kaiserchronik voraus. 4 )
Innerhalb des römischen Reiches entwickelt sich die christliche Kirche,mit der Geschichte des Kaisertums geht Hand in Hand die des Papsttums,die Einleitung selbst betont, daß das Buch uns chundet von den bäbesenunt von den chunigen 18f.; die politische Geschichte ist also verbundenmit der Kirchengeschichte. Sie beginnt mit dem Erlösungstode Christi, demBilde der Veronica und dem Fall Jerusalems unter Tiberius (Veronica-legende 690—1104). Petrus ist der erste Apologet des Christentums inder Disputation mit dem Magier Simon, dem goukelcere 2058—2590.Unter des Claudius (Faustinianus) Regierung kommt Petrus nach Rom4035; Clemens ist der erste Papst 1320; durch Nero erleiden Petrus undPaulus den Märtyrertod 4155—4264; Domitian ist der erste Verfolger derChristenheit 5561; Philippus, bezw. sein Sohn, getauft vom Papst Sixtus,ist der erste christliche Kaiser, Papst und König arbeiten für das Gottes-reich 6097 ff.; unter Decius, Diocletian und Maximian häufen sich die Christen-verfolgungen mit Märtyrertaten, anch Gallienus ist Christenfeind 7458 ff.Aber mit einem Mal ist die Macht des Heidentums gebrochen: Constantin,von schwerer Krankheit genesen, läßt sich durch den Papst Silvester taufen7938ff., die Einführung des Christentums durch den frommgläubigen Kaiserund der Preis des heiligen Papstes Silvester ist der Höhepunkt in derGeschiche der römischen Herrscher, ein neues Reich beginnt. Julianus istder letzte Gottesfeind; sein Nachfolger Heraclius gewinnt das heilige Kreuzzurück; unter dem frommen Theodosius werden die Anhänger des IrrlehrersArius bekehrt 13479 ff. Christentum und Heidentum stehen im Kampfe, dieMärtyrer sind die Sieger, auch wenn sie den Todesqualen erliegen, denn siehaben die Krone und heißen Könige, während ihre Peiniger der immer-währenden Not verfallen sind 6408—6416. Die Christen haben die sittlicheMacht, sie sind die Trauten Gottes, die Heiden sind Feinde Gottes undSöhne des Teufels. Der Dualismus zwischen Christentum und Heidentumist die stärkste ethische Idee des Gedichtes (ja slnt die haiden von den
') Bruchstücke des 12. Jhs. im Bezirks-archiv zu Kolmar i. E., hgb. von Martin,ZfdA. 40, 305—331, dazu Collation vonSchröder, ZfdA. 41, 92 f.; Leitzmann, Kl.geistl Ged. S. 3—5.30. UeberdieUrcrescentiavgl. Röhrscheidt u. Teubert.
v ) Eine minderwertige Umarbeitung deralten Legende ist das mhd. Gedicht vom Endedes 13 Jhs. in der Heidelberger Hs. 341 u.dem Koloczaer Kodex, s. Schröder, Einl.S. 26; Röhrscheidt S. 82—111.
3 ) Ueber das Verhältnis der Kehr, zumAnnolied s. oben S. 147 f.
4 ) Außer der Crescentia hat sich bis jetztkein selbständiges, in ursprünglicher Formerhaltenes Lied mit Sicherheit aus dem um-gebenden Text ausscheiden lassen. Zu denVersuchen von RÖD1GER. ZfdA 18, 157—159(dazu Scherer, QF. 7, 32 f.) und Schröder,Einl. S. 62, vgl. Vogt, ZfdPh. 26, 554-560;s. ferner Welzhofer S. 19 f., dazu Schröder,Einl. S. 67.