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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad.

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Veronica- 1 ) und die Silvesterlegende, 2 ) die überhaupt schon die Tradi-tion an Tiberius und Constantin knüpfte, werden zum hauptsächlichen In-halt in der Geschichte dieser Kaiser. Der vorbildlichen Bedeutung wegenwurden die Novellen von Lucretia 3 ) und von Crescentia 4 ) aufgenommen,wodurch der König Tarquinius in die Reihe der Kaiser kam, und im Nar-cissus eigens ein solcher ersonnen und dem vorhergehenden Heracliusals Bruder beigesellt wurde. 5 ) Die Faustinianus-Legende 6 ) nahm derVerfasser auf wegen der Lebensgeschichte des Apostels Petrus und seinesSchülers Clemens, die als Gründer des römischen Christentums und alserster Papst am Eingang der Kirchengeschichte stehen. Damit wurde Fau-stinianus zum Kaiser gemacht und zum Bruder des Claudius, denn beidiesem mußte die Legende eingeschaltet werden, weil die Ereignisse unterseiner Regierung stattfanden. Die altlat. Sagen von Marcus Curtius undMucius Scaevola (Odnatus) 1 ) schöpfte er wohl aus derselben lateinischenSammlung, die auch die Lucretia enthielt, alle drei stehen nahe zusammenziemlich am Anfang des Werkes. Mit der deutschen Sage von Adelger, dieer wahrscheinlich einem Spielmannsgedicht entnahm und willkürlich unterden Kaiser Severus einschob, huldigte er seinen bairischen Landsleuten undderen Fürstenhaus. 8 ) Die aus lat. Quellen entnommenen Erzählungen sindvom Dichter selbst ohne deutsche Vorlagen unmittelbar aus der betr. lat.Quelle in den Text hineingearbeitet worden. Adelger 9 ) hat noch manchesvom Charakter des zugrunde liegenden deutschen Liedes bewahrt, dieCrescentialegende aber, die sich durch ebeneren Rhythmus und sorg-fältigere Reime, auch durch häufige Verlängerung der Strophenschlüsse, vondem Eigentum des Dichters abhebt, 10 ) ist ein ursprünglich deutsches selb-ständiges Gedicht gewesen, das ohne große Änderungen eingeschoben wurde.

düng von Regensburg 687689; Wilhelm,Die Namen von Regensburg, Münch. Mus.-3 232' ') Siehe oben S. 128 ff.

2 ) Siehe oben S. 152f.; Scherer, QF. 7, 33.38 f; Rödiger, ZfdA. 22, 181209; Vogt,ZfdPh. 27,145148; RöhrscheidtS. 65-81;Prochnow, Mhd. Silvesterlegenden u. ihreQuellen, ZfdPh. 33,145-212; Burdach, VomMA. zur Ref. 1,217 ff

3 ) Scherer, D. Slud. 1, 61 u. QF. 12, 86;Schröder, Einl. S. 63 f.

4 ) Scherer, QF. 12, 86; Schröder, Einl.S. 52.58 f.; Röhrscheidt S.82111; Teubert,Crescentia-Studien; Hilka, Archiv 133, 135141; Panzer, Sigfrid S. 37 ff.

6 ) Bei den unechten Kaisern Faustinianusund Narcissus sind, abweichend von der üb-lichen Technik, keine Regierungszahlen an-gegeben, bei Tarquinius sind sie falsch, beiAchilleus natürlich erdichtet.

«) Massmann 3, 635 ff.; Scherer, QF. 7,33 ff.; Schröder, Einl. S. 63; RöhrscheidtS. 164; Teubert S. 124. Quelle ist

Deutsche Literaturgeschichte. II.

der von Rufinus (f 410) lat. bearbeitete, unsverlorene spät griech. RomanRecognitionesDementis" mit dem echt hellenistischen Motivder Trennung und Wiedervereinigung sichnahestehender Personen. Die Abenteuererzäh-lung ist zugleich die poetische Einkleidungfür kirchengeschichtliche und theologischeThemata. Ueber das Verhältnis von der Cres-centia zum Faustinianus s. Teubert aaO.

7 ) Jellinek, Anz. 16, 139 f.

s ) Die historischen Volkslieder werdendemnach nicht alsLügen" betrachtet wiedie alten Heldensagen.

9 ) Scherer, ZföG. 21 (1870), 41 ff. u. Kl.Sehr. 1, 181 ff.

10 ) Siehe Lachmann, Kl. Sehr. S. 465;Schade, Crescentia, Berlin 1853. Qeistl. Qed.S. L11ILXXV (Seh. sucht den Text der Cres-centia, des Adelger, von Julian und der Witwe,Justinian und Tharsilla in 6 zeilige Strophenzu bringen); Scherer, QF. 7, 31 f. 38; DeboS. 814, dazu Schröder, Einl. S. 5 u. 43;Röhrscheidt S. 93 ff; Schröder, Gott. Nachr.1918, 426 f.; Saran S. 265.

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