270 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
fangenschaft (Buch 17), 5. von da bis auf die Geburt Christi; im sechsten findet dieAusbreitung des Christentums statt. In den Gottgehorsamen, den Patriarchen und Propheten,lebt die civitas Dei auf Erden weiter. Die civitas terrena wird gebildet von den heidnischenStaaten, den verschiedenen Weltreichen, deren ältestes das der Assyrer und jüngstes dasder Römer ist. Ihre Geschichte, beginnend mit Ninus, zur Zeit Abrahams, ist kurz in diedes Judentums eingeflochten (bes. Buch 18); der Stoff dieser Partie entspricht in allgemeinenZügen der Chronik des Hieronymus. Die letzten Bücher Augustins, Buch 19—22, -behandelndie Fragen des ewigen Lebens.
Das deutsche Kaisertum ist dem MA. die Fortsetzung des Imperium rornanum, in derKehr, ist die Geschichte dieses römischen Reiches entfaltet bis auf die Gegenwart, d. h. bisauf die Zeit des Verfassers. Seit Suetons (ca. 75—150 n.Chr.) Kaiserbiographien ist dieGeschichte des Reichs eine Geschichte der Regenten. Die einzelne Persönlichkeit stand imMittelpunkt der Ereignisse. Die römische Geschichtschreibung hatte eine stark epischeFärbung. Schon ihr Begründer, Livius, der die Kunst lebendiger Veranschaulichung inhohem Maße besaß, wirkt gerade dadurch so fesselnd, daß er eigenartige und bedeutendeEreignisse in einzelnen abgeschlossenen Bildern plastisch und kräftig heraus gearbeitet hat.Diese novellistische Erzählungsweise überwucherte aber in der Historiographie der Kaiser-zeit ganz die Tatsachen der Wirklichkeit, der Hauptzweck war, zu unterhalten, zu ergötzendurch Anekdoten, durch interessante und pikante Histörchen. Die Geschichte besteht inGeschichten-Erzählung.
In dieser spätrömischen, fabulierenden Gestalt hat das MA. die römische Kaisergeschichteüberkommen, ein solches, uns aber verlorenes, Werk, war auch Hauptquelle für denrömischen Teil der deutschen Kehr. Diese Sagen gehören zum Teil zu den beliebtestenErzählungsstoffen des MA.s, 1 ) manche finden sich außerordentlich häufig in Erzählungs-büchern mit Geschichten anderer Herkunft zusammen. Die reichhaltigste derartige Samm-lung ist die weitverbreitete der Gesta Romanorum aus dem Anfang des 14. Jhs. Die Kehr,ist in ihrem ersten Teile (A) weniger ein Geschichtsbuch als ein Geschichtenbuch. Ge-schichte ist hier nicht die Wiedergabe der Wirklichkeit, sondern eine Sammlung von Sagen,Novellen, Legenden, Anekdoten. Wahrheit und Dichtung verflechten sich in buntestemWechsel, unbeschränkt schaltet die Phantasie, aber ihr leichtes Spiel wird für Ernst gehalten.Was daz buoch, daz liet, saget, die lateinische Quelle, das ist gewiß wahr, und je aben-teuerlicher es ist, um so lieber wird es geglaubt.
A. Die römischen Kaiser.Die Gliederung der einzelnen Stücke. Der Eingang der Kaiserbiographienenthält die Nennung des Namens, gewöhnlich in der Formel Daz buochkündet uns sus, daz riche besaz dö lyberius 671 f., desgl. Gajus 1115,entsprechend ferner ein Reim auf lat. Nom. us: 1219. 4301. 5099. 5557.5839. 6097. 6622. 7426. 7452. 7604. 10634. 11138. 11352. 12813. 13067.14194, vgl. auch 6451. 7212; im Reim auf lat. Nom. ö: daz riche besazdö .Galbä unde Pisö 4835, ferner 4847. 13825, stärker abweichend 4083.4861. 7136; dem Inhalt entnommene Einsätze sind seltener: 603. 5365.6115. 7244. 7806. Nach dem Eingang folgt nicht selten eine kurze Charak-teristik des betreffenden Herrschers wie z. B. bei Tiberius: der gewanRömceren michel ere, die wisen redent, er behielte die sele 673 f., vgl.Heraclius 11140f., oder Nero: der was der aller wirste man der vonmuoter in dise werlt ie bekom 4085f., vgl. Tarquinius 4303f., oder kürzer:
') Siehe Massmann 3, 395 ff.; Schröder, Einl. S. 58 ff. und in den Anm. zum Texte.