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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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264 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

die die Chanson nicht enthält, mag er auch Andeutungen der Art in einerfranz. Vorlage gefunden haben. Zum Kreuzzug hat den Heidenkrieg erstKonrad gestempelt (167. 246ff. 3447f. 4979f.), im franz. Liede findet sichnichts davon. In der Vorgeschichte (17ff.) ist der Grundton für die ethischeStimmung des deutschen Gedichtes angeschlagen.

Ein gutes Beispiel für die Arbeitsweise Konrads bietet die Behandlung der Botschaftdes Blanscandiz (709838), wo er gegenüber den 35 Fünftaktern der Chanson (122156)130 Reimverse braucht. 1 ) Klar und kräftig legt die franz. Chanson die Friedensbedingungendar: Tributzahlung 127133, Huldigung 136. 151154, Geißelstellung 147150, Annahmedes Christentums 155, dafür Karl das Land verlassen soll 134 f. Der eine Vers aber vonder Christwerdung (155) ist im deutschen Lied zum Grundgedanken der Verhandlung, derpolitische Vertrag ist zu einer Heidentaufe geworden.

Überall wird das Tempo der Erzählung verlangsamt. Auf 3 Versammlungen wird dieBeratung über das Verhalten gegen Marsilie ausgedehnt, 2 ) (Lied 8911537 = Chanson168341); eine neue Person, der greise Bischof Johannes, wird zur Verstärkung des religiösenElementes eingeführt; alle Edelsteine an den Gewändern von Geneluns Rittern werden auf-gezählt, seine Ausrüstung umfaßt in der Chanson 6 Verse (343348), im Lied 68 (15681634, 1648 f.), sein Abschied (16681749) 82 gegen 17 in der Chanson (349365).

In der darauffolgenden Szene von Geneluns Verrat (17502760) hat der deutscheDichter die Methode der Verbreiterung auf die Vorgänge des inneren Lebens angewendet(sog.psychologische Vertiefung"). Er hat sich zu entscheiden zur Treue oder zur

bono animo Ben. Reg. Kap. V; mit guotenwerken 271 = ebda Kap. IV; wir sculen imeallez näh varen, Christus nachfolgen 256 =ut sequatur Christum ebda Kap. IV Aus demMönchsleben stammt auch die Aufforderung,die 7 Tagzeiten zu halten 260264, Ben.Reg. bes. Kap. XVI, wo der 'propheta' alsAutorität zitiert wird: Septies in die Länderndixi tibi, das ist Ps. 118, 164, und daraufzielt der Dichter 262. Dagegen wird nichtdie sündentilgende Wirkung der Kreuzfahrtverheißen, die sonst hervorgehoben wird,z. B. Bernh. v. Clairvaux aaO.; Thomasin11613 ff.; Wolfr. aaO. S. 101 ff.; auch imLudwigslied 1318 ist der Kampf gegen dieheidnischen Normannen ein verdienstlichesWerk. Miles Dei: vgl. Burdach, AckermannS. 213217.

') Dieser geistliche Zusatz hat den Inhaltdes Taufritus: Blanscandiz, der zu taufendeHeide, leistet das Bekenntnis des Christen-glaubens (confessio, vgl. LG. I Reg. S. 458)(714721) und bittet um Aufnahme in dasChristentum (722730); Karl, der hier dieStelle des Priesters vertritt, spricht ein Dank-gebet und nimmt die Meldung zur Aufnahmean (775782); Taufe bewirkt Reinigung vonSünden (778); der Täufling soll die Heiden-götter verwerfen, was der abrenuntiatio ent-spricht (801811), und soll dagegen anChristus glauben (812814); in den Schluß-worten Karls (820838) klingt die Entlassungmit dem Segenswunsche des Friedens an(vade in pace, durh got sculet ir vride hän834, Dominus sit tecum, got läze iuh sinehulde gewinnen 838).

2 ) In einfachem übersichtlichen Plane undin kräftigen Zügen entwickelt sich der Ver-lauf der Beratung in der Chanson, das deutscheGedicht dagegen ist umständlich und er-müdend durch die weitläufigen Reden undWiederholungen und durch die Zerreißungin drei Teile: in der Chanson ist die Be-ratung nur ein politischer Akt über die gegen.Marsilie zu ergreifenden Maßnahmen, dasLied dagegen macht das weltliche Geschäftzu einem religiösen Bekenntnis und nähertden Verkehrston dem einer geistlichen Synode.Dort schließt Karl seine Eröffnungsrede mitdem Mißtrauen gegen die Heiden (Ch. d. Rol.191), hier mit dem Zielstreben, Gottes Huldzu gewinnen (908910); Rolands Ergebnisist dort Aufforderung zur Rache (Chans. 210213), hier die Erringung des Seelenheils durchGottesdienst (934936). Turpin hält einePredigt über das Thema von den Arbeiternim Weinberg (Matth. 20, 116), die den Textfür den Sonntag Septuagesimae bildet, nachGregors Homilie 19: die Kreuzfahrer sindArbeiter im Weinberg des Herrn, die als Lohndas Himmelreich erwerben, vgl. Operarii invinea sudantes sunt omnes electi in Ecclesiabona operantes Honorius Aug. Spec. Eccl.,Dom. in Sept., Migne 172, 858), vgl. auchSchönbach, Ad. Pred. 2, 4750. 3, 44 f.;Grieshaber, D. Pred. 2, 4551; K.Roth,D. Pred. S. 37 f. Mit den Waffen des heil.Geistes will Turpin die Heiden bekehrendurch die Lehren der Propheten des altenTestaments (dieselbe Beweisführung wie inder Silvesterdisputation der Kehr.).