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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 78. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad.

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für den Feudalritter, sind die selbstverständlichen Vasallentugenden imdeutschen wie im französischen Rolandsliede, aber die treibenden Ideensind verschieden: die franz. Helden, fromm in dem Bewußtsein, für dasChristentum zu kämpfen, sind doch am stärksten erfüllt von der Liebe zum"Vaterlande, dem süßen Frankreich, la doulce France. Diesen nationalen.Zug hat der Pfaffe Konrad zurückgedrängt, seine Recken sehnen sich nachder himmlischen, nicht nach der irdischen Heimat; in ihnen herrschen alsideale Mächte nur Tapferkeit und Frömmigkeit, nicht auch die Liebe zurHeimat. Der franz. Roland ist der Nationalheld, in dem Gottes- und Vater-landsliebe zusammenwirken, der deutsche ist ausschließlich der christlicheRitter, aus dem volkstümlichen Epos ist ein christliches geworden, 1 ) dieSinnenwelt hat die Bedeutung eines Symbols angenommen. Diese Ent-wicklung zum geistlichen Typus hat der Stoff schon vor Konrad in Frank-reich selbst genommen, in Pseudoturpins Chronik. Auch mit dieser Um-wendung der Idee hat Konrad nicht gegen seine Behauptung, wahrheits-getreu übersetzt zu haben, verstoßen, da er nicht die eigentliche Handlungdes Stückes angegriffen hat.

Mit allem Nachdruck hat der deutsche Dichter in der Anlegung desStoffes kund getan, daß er sein Werk zur religiösen Begeisterung be-stimmt hat. Dieses Programm entwickelt er in der Vorgeschichte (17360), 2 )

') Vom modernen Standpunkt aus wirdoft das franz. Gedicht wegen dieser glühen-den Vaterlandsliebe höher geschätzt als dasdeutsche. Dieses Urteil mag subjektiv be-rechtigt sein, ist aber unhistorisch, als Vor-wurf gegen den Verfasser jedenfalls un-begründet; denn der deutsche Geistlichekonnte doch die Vaterlandsliebe nicht be-stimmend mitwirken lassen, da sie sich ja.auf das fremde Frankenreich bezog.

2 ) Golther S. 114-119. Die vier An-sprachen in dieser Beratung, die von Karl«7106. 181221, Roland 146156, Turpin243272, sind Kreuzreden und haben dietypischen Grundgedanken derselben, vgl.dazu G. Wolfram, Kreuzpredigt und Kreuz-lied, ZfdA. 30, 89132; Wolframs Willehalm297,5299,30.303,130; Thomasin Welsch.<3ast 1134711830. Die werbende Idee ist«die Verheißung des Lohnes im Himmel,also der Grundsatz des jenseitigen Eudai-«nonismus, welcher das Wertmaß der christ-lichen Ethik bildet. Ein Musterbeispiel einerKreuzrede ist die Karls an das Heer 181'221: sie enthält die üblichen MotiveLohn, Schandtaten der Heiden (vgl.Bernhardsv. Clairvaux Epist. 322, Wolframs Willehalm297, 14 ff.; Thomasin 11356 ff.), Pflichtender Kreuzfahrer. Turpin hält, seinem geist-lichen Stande entsprechend, eine ausgespro-chene Kreuzpredigt, schon die formelhafteAnrede an die Gemeinde mine vile liebenMute 260 ist dementsprechend gewählt. Der

Gegenstand dieser Predigt ist das heiligeKreuz und die Nachfolge Christi (die Erinne-rung an den Kreuzestod Christi auch Willeh.303, 17 ff.; Thomasin 11607 ff.), sie schließt,wie auch die vorgenannte Rede Karls, miteiner Ermahnung zu christlichen Pflichten.Die geforderten Tugenden gehören zu demBestand der Vorschriften für Kreuzfahrer:weset deumuote 216 humiliato spiritu Wolf-ram, Kreuzpred. u. Kreuzl. S. 104; mit guotenwerken 271 bonis operibus adornatus ebda;sele und llp sind als der bessere u. schlech-tere Teil einander gegenübergestellt 268 f. =des libes tot, der sele ein iemerleben Wolfr.S. 107, vgl. cum enim abnegatis desideriiscarnis ebda S. 104; iuwer spise si gemeine265 = et tarn in victu quam in vestitu medio-critatem servantes ebda; daz herze machetreine 266 puro corde ebda S. 104 Anm. 1,darunter ist die Reinigung von Sünden durchdie Beichte verstanden. Die Pflichten, die derPfaffe Konrad für die Kreuzritter aufzählt,sind zusammengefaßt speziell Mönchsgeboteund sind in der Benediktinerregel enthalten.Der Geistliche kann sich die stttliche Voll-kommenheit nur als mönchisch denken, aberauch der Mönch ist ein Kämpfer, ein Streiterfür Christus mit den Waffen des Gehorsams(Ben. Reg. Prolog), Demut und Gehorsam(weset iuwer meisterscefte Untertan 218)sind Grundgebote der Ben. Reg., zuht mitguote 215 ist die Lebensweise der Kloster-leute; etwas willehl'ichen tuon 213 = cum