§ 78. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad.
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das Maifest in Paderborn abhielt, erschienen vor ihm arabische Gesandte,um ihn gegen die Herrschaft des Emirs Abderrhaman, den letzten Spröß-ling der Kalifen, zu Hilfe zu rufen. Karl drang bis zum Ebro vor (788),die mohammedanischen Fürsten stellten ihm Geiseln, er eroberte Spanienbis an den Ebro (die spanische Mark). Da wurde er plötzlich in seinemSiegeszug unterbrochen durch einen Aufstand der Sachsen, der ihn zurUmkehr zwang. Auf dem Rückmarsch durch die Engpässe der Pyrenäenwurde seine Nachhut von räuberischen Basken (Wascones, Gascogner), diesich auf den bewaldeten Bergen in Hinterhalt gelegt hatten (positis insidlis),überfallen und bis auf den letzten Mann vernichtet. In diesem Kampfe fielenEggihard, des Königs Truchsess, Anshelm der Pfalzgraf und Hruodland, derStatthalter der britannischen Grenzmark (das ist = Markgraf der Bretagne). 1 )Von Eggihard ist eine poetische Grabschrift erhalten, wonach er am 15. Aug.starb. Demnach wäre der 15. August 778 der Tag der Schlacht gewesen. 2 )Dieser Vernichtungskampf ist der Kern der Sage und einer der gefallenenFührer, Roland, wurde ihr Held. 3 ) Sie ist rasch zum Nationalgut geworden.Schon vor der Mitte des 9. Jhs. waren die Namen der Gefeierten so be-kannt, daß ein Biograph Ludwigs des Frommen, der sog. AstronomusLimosinus, nicht für nötig hielt, sie zu nennen. In epischen Liedern wurdebald, wohl unmittelbar nach dem Ereignis, die Heldentat verherrlicht, unddiese, die in mündlicher Überlieferung manchfache Wandlungen durch-machten, auch neue, verwandte Züge aufnahmen, wurden später zu größerenEpen erweitert. Aus solchen Chansons de Geste schöpfte im erstenDrittel des 12. Jhs. die Chronik des Pseudoturpin, die dem im Jahre 800gestorbenen Erzbischof Turpin von Rheims zugeschriebene Historia CaroliMagni, ihre Erzählung von Karls Zug nach Spanien (Cap. 21—30).
] ) In quo proelio Eggihardus regiae mensaepraepositus, Anshelmus comes palatii [etHruodlandus Briltannici limitis praefectus]cum aliis conpluribus interficiuntur, berichtetEinhard in seiner Biographie Karls, der VitaKaroli Imperatoris Kap. 9. Vielleicht ist Hruod-landus allerdings erst aus der Sage in Ein-hards Grundtext hineingekommen, da die ihnbetreffenden Worte in einer Klasse der Hss.fehlen, aber auch diese Hss. reichen bis ins9. Jh. zurück, so daß sie doch eine unmittel-bar auf die Begebnisse zurückgehende Ueber-lieferung voraussetzen.
■) Hgb. von E. Dümmler, ZfdA. 16, 279 f.u. 436.
3 ) Das tragische Ende macht die Begeben-heit zu einem echt volkstümlichen Stoff. DerUntergang des Helden durch Hinterlist undVerrat ist ein beliebtes poetisches Motiv inden Volkssagen (Sigfrid, Die Burgunden),bes. aber in den Verräterepen der franz.Heldendichtung, wie denn auch die wirklicheGeschichte der Völkerwanderung voll vonTaten der Untreue ist. Aehnliches erzähit
Einhard im 13. Kap. seiner Biographie vondem Ende des Herzogs Erich von Friaul inKarls Avarenkrieg: Duo tantum ex proceribusFrancorum eo bello perierunt, Ericus duxForojulianus in Liburnia juxta Tharsaticammaritimam civitatem insidiis oppidanorunsinterceptus usw. Den Tod jenes HerzogsErich beklagt ein lat. Gedicht (Du Meril,Poesies pop. lat. ant. XII.s S. 241—244),das gewiß nicht viel später entstand. Es istaber sehr wahrscheinlich, daß Einhard ausdem Grund gerade jene Helden, Hruodlandusund seine Gefährten und ebenso den Ericus,mit Namen anführte, weil sie durch Liederberühmt waren. Die Gestalt des Verrätersgehört schon der frühen Ueberlieferung an:nach einer Urkunde Karls d. Kahlen v. J. 845leitete Herzog Lupus v. Aquitanien den Ueber-fall der Wasconen und wurde zur Strafe dafürhingerichtet. Der Name Genelun kehrtwieder in dem des Erzbischofs Wenilo v. Sens,der im J. 859 von Karl d. Kahlen wegen Ab-falls zum Tode verurteilt wurde.