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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 78. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad.

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punkt das Jahr 1133, da Lothar noch König tituliert wird, am 4. Juni 1133 aberwurde er zum Kaiser gekrönt. Im Jahr 1131 machte Heinrich eine Reisenach Frankreich und es ist möglich, daß er bei dieser Gelegenheit dasfranz. Rolandslied kennen gelernt hat. Somit wäre bald nach 1131 dasGedicht abgefaßt. Der Dichter stand offenbar mit Heinrich in näherenBeziehungen: vielleicht war er auf jener Reise nach Paris in des HerzogsBegleitung. Eine Vorliebe für die Baiern spricht aus dem Gedichte: siezeichnen sich im Kampfe besonders aus, ihr Herzog Naimes wird auffallendbevorzugt, unter den Personennamen finden sich mehrere bairische Ge-schlechter, Regensburg 1 ) speziell wird genannt bei der Schilderung von Naimes'kostbarem Schwert: der Schmied hieß Madelger, der es in der Stadt Regens-burg verfertigte (15831609). Die Sprache stimmt zu den in dem Ge-dichte gegebenen bairischen Anhaltspunkten, damit ist Konrad näher alsRegensburger" Geistlicher zu bestimmen. 2 ) Der Umweg bei der Über-tragung, indem er die franz. Verse zuerst ins Lat. übersetzte, 3 ) d. h. in lat.Prosa, war doch eine Erleichterung für den Dichter, da die unmittelbareUmgießung franz. Verse in deutsche große Schwierigkeiten bot, währenddie Übertragung sowohl des Franz. ins Lat. wie auch die der lat. Prosa indeutsche Verse ihm, dem lat. geschulten Geistlichen, leicht fallen mußte.Einigemale sind ihm Mißverständnisse begegnet, besonders in Eigennamen. 4 )Quelle des deutschen Gedichtes ist das altfrz. Rolandslied, 3 ) dieChanson de Roland. Dieses kostbarste Denkmal der altfrz. nationalen

S. 51; Kraus, D. Ged. S. 116 Anm.; Wil-manns, ZfdA. 50, 137145 (das R.lied setztden Straßburger AI. voraus); OTTMANN, AL-lied S. XIXXXIII. Welzhofers Hinweisauf Heinrich Jasomirgott, Untersuchungenüber d. Kehr. S. 5766, hat mit Recht nir-gends Anklang gefunden. V. 9046 wirdHeinrich als Heidenbekehrer gefeiert {diehaiden sint von ime bekeret). Darunter sinddoch wohl die Normannen Unteritaliens zuverstehen, die auch Kehr. 17149 gerade beidem Kriege Lothars und Heinrichs gegenRoger II von Sizilien haiden genannt werden.Mit Heiden konnte dieser Feind des recht-mäßigen Papstes, gegen den der heilige Bern-hard zum Kriege aufforderte und der als Ab-trünniger und Ungläubiger geschmäht wurde(Giesebrecht S. 116), wohl bezeichnet wer-den. So klagt in der Kehr. 15860 ff. der Papst,daß die Mailänder, seine Anhänger, Christenfingen und wie Heiden mit ihnen verführen.Dann würde diese Stelle, 90399049, denNormannenkrieg 1136 und 1137 voraussetzen(vgl. Scherer, ZfdA. 18, 304 f.) und erst nachdieser Zeit in den Epilog eingefügt sein, zu-gleich damit wohl auch 90629076, dennnach dem ze gerichte er im [Gott]Stat 9070 (W. Grimm 309, 33) muß Heinrichbei der Abfassung dieser Stelle schon ge-storben gewesen sein, vgl. W. Grimm, ZfdA.

aaO. Durch den Ruhmestitel eines Heiden-bekehrers bringt der Dichter seinen GönnerHeinrich mit dem Inhalt seines Gedichtesund dessen Helden Karl in nähere Beziehung:wie der mächtige Kaiser Karl, so hat auchdieser Herzog Heinrich die Heidenschaft über-wunden, wie jener ist er ein Gottesstreiter.Auch er ist damit ausdrücklich zum christ-lichen Ritter gestempelt und in die Reihe derKreuzritter gestellt.

1 ) Wilhelm, Die Namen von Regensburg(Kehr. 671689), Münch. Mus. 3, 232.

2 ) Schröder, Die Heimat des deutschenR.liedes, ZfdA. 27, 70-82, Kehr. Einl.S 5256; Leitzmann, R.studien, Beitr. 43, 2635,dagegen Schröder, Gott. Nachr. 1918, 427Anm. Der Pfaffe Konrad zugleich Verfasserder Kehr: s. unten.

3 ) Vgl. Baumgarten, Stilist.UntersuchungenS. 99.

4 ) Wald S. XIII f; Golther S. 143145.

5 ) Gröbers Grundr. II, 1, 463465 u. Reg.S. 1280: Voretzsch, Einführung s. Reg.Bearbeitung der Sage: W. Grimm S. XXXIVCVII. CXVICXXVIII; W. Masing, Balt.Monatsschr. 53 (1902), 299329; Ammann,Strickers Karl u. R.lied.; Th. EiCKE, Zur neuerenLG. der R.sage in Deutschi, u Frankr., Leipz.1891, dazu H. Varnhagen, DLZ. 1892,1618 f..LC. 1892, 882.

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