258 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Heide wird erschlagen, dann folgt oft noch ein allgemeiner Kampf); 2. 5191—5423, 3. 5424—5630, 4. 5631—5968: allgemeines Kampfgetümmel, dazwischen Ansprachen der Feldherren.Die Schar der Christen schwindet zusammen, von überirdischer Kraft beseelt halten die drei*Heergesellen Roland, Olivier, Turpin die Wehr um die ringsum sinkenden Getreuen bis zurresieghaften Ende, dem Märtyrertod. Das ganze Interesse drängt nun auf den Abschluß zu, der»Heldentod der drei Gewaltigen 5969—6949, hier steigert sich die Darstellung zu großer dichte-rischer Kraft und erreicht ihren Höhepunkt im Ende Rolands. In der höchsten Gefahr setzt erdas Hörn Olivant an den Mund, weit gellt es in die Lande und der Kaiser hört den Notschrei;seiner letzten Getreuen, aber es ist zu spät. Olivier erhält den todbringenden Schlag, bitterlichweint Roland um den liebsten Gesellen, zur Erde sich werfend spricht jener sein letztes-Gebet, für den Kaiser, für Roland, für die süßen Karlinge. Auch der Bischof bricht tot zu-sammen, Roland ist allein noch übrig, an einem Felsen will er sein Schwert zerschmettern,,es bleibt fest. Dann spricht er sein Gebet, neigt sein Haupt und stirbt. Da geschahen Zeicher»wie beim Tod Christi, es war als ob die Welt untergehen und Gott zum Gericht kommen sollte.
c. Die Paliganschlacht 6950—8672. Der Kaiser eilt zurück, er findet keinen Leben-den mehr, überwältigt von Schmerz bricht er in die Totenklage aus 6950—7127. NeuerKrieg: der Perserkönig Paligan kommt Marsilie zu Hilfe 7128—7442, die Racheschlachtbeschließt den spanischen Feldzug 7623—8672. Karl erschlägt den Paligan (8439-8570),Marsilie fällt vor Leid tot nieder (8595 f.); seine Frau, die Königin Brechmunda, läßt sich,taufen (8617—8630).
C. Das Nachspiel, Geneluns Bestrafung 8673—9016. Die Geschichte Rolands-ist abgeschlossen, jetzt findet die Geneluns ihre Entscheidung. Hoftag zu Aachen. Alda,Oliviers Schwester, Rolands Verlobte, fällt auf die Nachricht von dessen Tod leblos zuBoden (8685—8728). Ober Genelun wird das Gottesgericht gehalten (8729): im Zweikampfbesiegt der junge Tirrich, Rolands nächster Verwandter, den starken Binabel aus Geneluns-Sippe, wie David den Goliath. Genelun wird von wilden Rossen zerrissen. Ende desLiedes (9016).
III. Epilog 9017—9094. Im Eingang und Ausgang des frommen Liedes richten sich dieGedanken nach der Ewigkeit. Das Schlußwort ist dem Seelenheil des Veranlassers unddes Dichters gewidmet. Danach zerfällt es in zwei Teile: a) die Fürbitte für den Ver-anlasser 9017—9076, zugleich eine Verherrlichung desselben als Urheber des Godichtes-(9017—9038) und als tugendhafter Herrscher (9039—9076); b) die Fürbitte für denDichter 9077—9094. Dabei ergeben sich folgende literarisch-historische Tatsachenüber die beiden Persönlichkeiten und über das Werk: Herzog Heinrich hat die Vorlage(daz buoh), die in Frankreich (ze den Karlingen) geschrieben ist, herbeigeschafft, die edleHerzogin, eines mächtigen Königs Kind, hat es gewünscht (9020 — 9025); sie haben ver-anlaßt, daß es in deutscher Sprache herausgegeben wurde (9031—9033). Der Dichterheißt der phaffe Kuonrät, er hat den französischen Text zuerst ins Lat. übertragen unddann ins Deutsche, er hat nichts dazu getan und nichts übergangen (9077—9085). Der Herzog.Heinrich ist Heinrich der Stolze von Baiern (1126—1139), seine Gemahlin, di edele her-zoginne, eines riehen kuninges barn, Gertrud, die Tochter Kaisers Lothar.
Als frühster Termin für die Abfassungszeit 1 ) (terminus a quo) ergibt siebsomit das Jahr 1127, in welchem die Vermählung der beiden stattfand; als End-
') W.Grimm S.XXXI-XXXIV; Massmann,Eraclius S. 559—561 (dazu W. Grimm, ZfdA.3, 281—288) u. Giesebrecht, Gesch. 4, 499,hielten Heinrich den Löwen für den in demGedichte erwähnten Herzog, also ca. 1170—1180 für die Zeit der Entstehung, aber dieSprache und die Verskunst setzen ein höheresAlter voraus. Mit Recht erhob Goedeke, D.Dicht, im MA. 1854 S. 683 (2. Ausg. 1871)
Widerspruch gegen diese frühe Datierung:(s. auch Goedekes Grdr. Bd. 1, 1. Aufl. 1862,S. 22, 2. Aufl. 1884, S. 65); eingehendere u.für Heinrich den Stolzen beweisende Unter-suchungen brachten dann Schade, DecasS.63--66;MÜLLENHOFFinMSD. 2 ,S.XXXV,3.AufLI S. XXXIX; Bartsch, Ausg. S. XI f. • Scherer,D. Stud. 1, 13 f., ZfdA. 18, 303-305; Wald-S. 1 ff.; Schröder, ZfdA. 27, 70-82 u. Kehr.