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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
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256 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

Der Dichter ist der Pfaffe Konrad von Regensburg, der auch dieKaiserchronik verfaßt hat, Zeit der Entstehung: bald nach 1131.

Inhalt. Das Rolandslied ist eine poetische Verherrlichung Karls desGroßen und seiner Ritter im Feldzug gegen die spanischen Mauren. ImMittelpunkt steht die gewaltige Gestalt des Kaisers, der Dichter selbst kündigtihn im Prolog, nach der Anrufung Gottes, als Helden seines Werkes anund verkörpert in ihm den geistlichen Grundgedanken, der alle Handlungbewegt: er hat das Gottesreich errungen, weil er die Heiden überwand unddas Christentum zum Ruhm brachte. In kurzen Sätzen wird im Prolog(130) der Ertrag seines Lebens zusammengefaßt: Ehre und Vorteil hat ererworben, denn er hat die grimmigen Heiden zum wahren Lichte bekehrt,daß sie ihren Schöpfer erkannten, und ist von der Jugend bis zum Alter insteter Vervollkommnung fortgeschritten, bis ihn Gott in sein Reich, in dieewigen Wohnungen aufnahm. Eine Stufe in diesem ununterbrochenen Strebenzu Gott ist die Bekehrung der Heiden in Spanien.

In Karl ist das Idealbild des christlichen Herrschers dargestellt: 1 ) er istkräftig und zugleich milde, ein gerechter Richter, fromm, demütig, gehorsam(697708. 1154 ff. 1354 ff. 1404 ff. 1487 ff. 1534 ff. 3133 ff. 3216 ff.). Ersteht im besonderen Schutz des Herrn, Engel wachen über ihm (7080), er-scheinen ihm (52 ff. 7000 ff. 7443. 7477), in Träumen läßt ihn Gott die Zu-kunft voraus ahnen (30303082. 70847127). An seinem Hofe herrschtein glänzendes Leben. Im Lager gibt es große Lustbarkeiten, da sind Tier-kämpfe, Fechtübungen und Waffendienst, Singen, Sagen und Saitenklang,Falkenbeize und schöngeschmückte Frauen, viel Weltwonne und die größteHerrscherpracht seit Salomo. Der Kaiser aber sitzt still beim Schachspiel.Sein Antlitz war wonnesam, seine Augen leuchteten wie der Morgenstern;man kannte ihn von ferne, die fremden Gesandten brauchten niemand zufragen, wer der Kaiser sei, denn keiner war ihm gleich, ein strahlender Glanzging von ihm aus, die Augen der Anschauenden blendend wie die Sonne amhohen Mittag (641696). Als engere Vertraute hat er um sich die zwölfPairs, die weisesten im Rate und Führer des Heeres. Sie sind geschmücktmit den Tugenden chiistlichen Rittertums: sie sind treffliche Helden, keuschund rein, freudig geben sie den Leib hin um die Seele, ihr höchstes Sehnenist, für Gott zu sterben und als Märtyrer das Himmelreich zu erwerben (65 ff.).Die angesehensten unter ihnen sind Karls Neffe Roland, dessen BlutsfreundOlivier, der Erzbischof Turpin, Typen dreifachen Heldentums, der Kampf-leidenschaft, der besonnenen Tapferkeit, des geistlichen Kriegertums. Einerder Paladine aber wird zum Verräter, Genelun.

Der Grundplan des Gedichtes trägt ein architektonisches Gepräge, er

') Oboedientia, humilitas, justitia sind diewichtigsten Fürstentugenden nach der vonAugustin begründeten Lehre von der weltl.Obrigkeit. Karls Krieg ist ein bellum justum,

vgl. Bernheim, M.alterl. Zeitanschauungen,und die Greifsw. Diss. von Krüger 1910,Hammler 1912, Frederich 1914, Herzfeld1914, Fiebach 1914, Tiralla 1916.