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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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254 B- Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

beginnt Alberich sein Heldenlied, 1924 V, und der deutsche Dichterschließt mit der Erkenntnis, daß auch der Weltbeherrscher ein sterblicherMensch ist, der am Ende nichts sein eigen nennt als sieben Fuß Erdeim Grab 72747278.')

Diese Ethik der Entsagung, die Warnung vor dem Übermaß und dieMahnung an die Vergänglichkeit, gehört nicht zur ursprünglich heroisch-klassischen Auffassung des historischen AI., sie wurde erst durch orienta-lischen, semitischen und indischen, Einfluß hineingetragen.

Die Quelle für den Zug nach dem Paradies und für den Wunderstein 2 )ist das Iter ad Paradisum, die Sage ist hebräischen, talmudisch-rabbinischenUrsprungs. Es ist auch die Weisheit, welche dem Welteroberer die Brahmanenentgegen halten, die indischen Büsser in dem Lande Occidratis 47624889. 3 )In jenen heiligen Männern Indiens ist das Ideal des kynischen Weisen ge-zeichnet, die kynische Askese in ihrer Verachtung aller menschlichen Be-dürfnisse. 4 ) Der kynische Philosoph des Altertums aber ist nach dem Unter-gang des Heidentums in dem christlichen Mönche wiedererstanden, auchdieser findet seine Lebensaufgabe und seine Seelenharmonie in der Los-lösung von der Welt, im Verzicht auf die irdischen Güter. 6 ) Der philosophischgerichtete griechische Geist erblickt also in der weltgeschichtlichen Erschei-nung Als den mächtigen, zugleich nach Weisheit strebenden König, in dembettelarmen indischen Büßer den diese Weisheit besitzenden Kyniker. Sinddies nicht auch die Grundlagen des theologischen Geschichtsbildes im christ-lichen MA.? Hier als Herrscher des Weltstaates der gute Fürst, der aberdoch immer in den Banden des Vergänglichen befangen ist, dort der erden-flüchtige Mönch, der heilige Bürger des Gottesstaates? Auch hier also einechristliche Idee, vorbereitet im Altertum, stark geworden in der Spätkulturdes Hellenismus. Und hier auch die beiden Pole der menschlichen Willens-beschaffenheit: das in rastlosem Handeln ringende Streben und das imQuietismus sich beseeligt fühlende Beharren.

In der äußeren Einkleidung trägt auch noch das deutsche Al.lied dasursprüngliche Gewand, das dem Roman in der hellenistischen Zeit verliehenwurde, durch die vielen eingeschalteten Briefe, besonders in dem langen

') Das Grab als letzter Besitz des Menschen: zwischen AI. u. d. Brahmanenkönig Dindy-

643752. 719196. 7233 f. 727478; vgl mus und in den diesen verwandten Schritten

Liebrecht, Das Grab und seine Länge, Germ. , niedergelegt, im Pseudokall. vgl. Ausfeld,

4, 374 f.; R. Köhler, ebda 5, 6466 u. Kl. ' griech. Al.roman S. 88 f, auch S. 9 und 89

Sehr. 2, 2427; Zinoerle S. 4; Burdach,Ackermann S. 270.

2 ) Kinzel, Ausg S. XLVIII-LI; StrauchS. 361 Anm 5; Hertz, Aristoteles und derWunderstein, Ges. Abh. S. 73-130.

') Oxidraces. Lieber sie berichtet schonOnesikritos, ein Begleiter des Königs, inseinem nur in wenigen Bruchstücken erhal-tenen philosoph.-hist. AI roman. Die gleicheweltverachtende Lebensauffassung wie hier

ist, viel ausführlicher, in dem Briefwechsel 1907, bes. S. 19 ff

Anm., Weismann 2, 154188; Jul. Val. III,10 ff. (KObler S. 119 ff), III, 44 (S. 151 f.);Hist. de prel. BM III, 4-6 (Landgraf S 106108), erweitert § 90102 (Zingerle S.214236); Pfister aaO.; Heinr. Becker, DieBrahmanen in der AI.Sage. Progr. Königsb.1889

') Schwartz S. 8285, s. auch S. 4245;Reitzenstein S. 43.

6 ) Ad. Harnack, Das Mönchtum, 7. Aufl.