§ 77. Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. 253
Werke im Mhd. der Fall ist. So wurden Anlagen, die in der antiken A.sagevorhanden waren, benutzt, um ein m.alterliches Fürstenideal aufzustellen.Das Al.lied ist ein Fürstenspiegel. Schon im Prolog spricht Lampr. seinemAI. die beiden Grundeigenschaften eines Königs zu: er war weise und einHeld (er gewann viele Reiche 7 f. in V, entsprechend der Charakterisierung,die Alberich von ihm gegeben hatte; vgl. ferner 35—60, spez. 54. 57. 165.167, auch 223: 563. Von zwei moralisierenden Partien ist das ganze Gedichtumrahmt: am Eingang steht die Erziehung Als 1 ) als eines vornehmen Jüng-lings, die ihn für seine hohe gesellschaftliche Stellung vorbereitet. Er wirdin" den sieben Künsten unterrichtet, im Trivium 171—176 und im Quadri-vium 177—196, dann in der Waffenkunst 197—214 und in der Rechtskunde215 -220 (die Quelle Jul. Valerius hat nur eine trockene Namenaufzählung).In eine Regentenlehre im Anschluß an die Deutung des Wundersteins läuftdas Gedicht aus 7153 — 7246: 1. Zwei Warnungen werden gegeben, vor derHoffart 7159—62 (vgl. 3839 ff. 6176—86. 6613 ff. 6913 ff.), vor der Habgier(d.i. der unersättliche Ehrgeiz) 7163—78 (vgl. 6667—84); und eine Mahnung:der Vergänglichkeit des Irdischen (vanitas) zu gedenken 7179—7201. —2. Pflichten der Untertanen 7207—7234 und die Pflichten des guten Fürsten7235 — 46. — 3. Die Ausübung dieser Pflichten durch den guten Fürsten7247—69, AI. befolgt die Lehren des jüdischen Weisen: er erfüllt seinePflicht gegen die Untertanen (nicht tyrannisieren) 7258 f., ist bereit zu allemGuten 7260—62, er hielt die mäze ein 7263, gab Krieg und Habgier auf7264 f., er war hochgemut mit Sitten (mit zuhten gemüt) 7266. Das Themades Epilogs 7279—7302 wiederholt die Warnung vor der Habsucht undschließt mit einer Aufforderung zur Buße.
So hat der Weltbezwinger eine Läuterung in christlichem Sinne durch-gemacht. Ehrgeiz und Ruhmsucht haben ihn bis zu den Pforten des Paradiesesgetrieben, und der Fortsetzer Lampr.s nennt den gefeierten Heldenkönigeinen tobenden Wüterich, der in seiner Gier der Hölle gleiche, dem un-ersättlichen Loche 6667—84. Aber er hat die Lehre des alten Weisen insich aufgenommen und pflog fortan guter mäzen 7263 (vgl. 3436 ff. 4871 f.).Hier wird zum erstenmal in der ritterlichen Moiallehre die mäze alsGrundwert des sittlichen Verhaltens aufgestellt, die Kardinaltugend derTemperantia, Piatos omcpQoavvrj, die Bezähmung der Leidenschaften und desEigenwillens.
Am Anfang und am Schluß ist die Geschichte des antiken Helden unterden Eindruck der herrschenden m.alterlichen Weltstimmung gestellt, das istder mönchische Geist der Weltverneinung. 2 ) Mit vanitas vanitatum vanitas
: ) Hertz, Aristoteles als Lehrer Al.s, Ges. sie nicht (in V: 473 ff. 601 f. 693 f. 696.
Abh. S. 1—33; Alw. Schmidt S. 6 f.
2 ) Die vereinzelten geistlich gelehrten Be-merkungen in V sind Erklärungen im Pre-digerstil, eine religiöse Stimmung erwecken
1015 ff. 1262-64. 1396 ff. 1461 f. 1470-72;in S: 2305—7 und gewichtiger 4024—57.2987—97. Vgl. Harczyk S. 21 f ; Kinzel,ZfdPh. 10, 53; Reblin S. 35 f.; HampeS.58L