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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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252 B. Weltliche Literatur, aj Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

In erster Linie ist das deutsche Al.lied ein Heldenepos und die kriege-rischen Darstellungen überwiegen trotz der vielseitigen Stoffelemente dieandern Interessen. Die Kämpfe sind im m.alterlichen Sinne aufgefaßt unddem Stil der französischen Chansons de geste angepaßt. 1 ) Der Charakterdes im griechischen Roman und in den darauffolgenden lat. Quellen ge-zeichneten Helden ist im deutschen Liede nicht in den Grundlinien ge-ändert. 2 ) Macht und Größe ist hier wie dort der Zentralbegriff seiner Persön-lichkeit. Ein Wunder ist der Siegeszug dieses jugendlichen Eroberers, derim dreiunddreißigsten Jahre seines Lebens, im dreizehnten seiner Regierung(72587270) verschied, nachdem er die Welt umgestaltet hatte. In derstehenden Bezeichnung der wunderliche Alexander ist das Staunen aus-gedrückt, das seine glänzende Erscheinung hervorrief: ein titanischer Held,der Wunder vollbracht hat, unerhörte Taten als Gründer eines Weltreiches,der Wunder geschaut hat, die jedem anderen verschlossen waren. Seine vorallen hervorgehobenen Eigenschaften sind Tapferkeit, die durch Ritterlichkeitund Edelmut den Helden verehrenswert macht (1091 ff. 2547 ff. 2772 ff.2817. 2824 ff. 2896 ff. 2915 ff. 2978 ff.); Klugheit (1105 ff. 2063 ff.), die alsSchlauheit (2944 ff. 4386 ff.) die zum Ziel führenden praktischen Mittel auf-findet, aber auch in hohem sittlichen Sinne als Weisheit, die die Bedeutungdes menschlichen Lebens und seiner Aufgaben erkennt (bes. 4873 ff.). Aberdiesen Merkmalen des Übermenschen sind rein menschliche Empfindungenbeigegeben, die dem überragenden Geist ein schönes Gemütsleben verleihen:Mitleid mit dem Unglücklichen (3575 ff. 3769 ff.), Kindesliebe (401 ff. 529 ff.2079 ff. 4899 ff.), Verehrung für den alten Lehrer (4899 ff.).

Doch fehlen diesem harten Kriegerleben nicht die zarten Freuden derLiebe. Candace, eine zweite Circe, fesselt den Weltbeherrscher in die Bandeder Minne. Ebenso ist das liebliche Natur- und Seelenbild von den Blumen-mädchen antiken Ursprungs: wie die Blumen in der sengenden Sonnen-glut welken müssen, so vergeht Frauenschönheit und Liebesglück. Dochmacht sich in der Auffassung der Frau auch die spezifisch m.alterlicheEmpfindungsweise geltend: beim Fortsetzer zeigen sich Spuren der gesell-schaftlichen Stellung, die die Frau später im höfischen Minnewesen einnahm,vgl: 275371. 2788 f. 62356260' (tougen mmne);») 2918 f. (wiben dienen);336269 (amts-trüf).

Ist nun das Charakterbild des Helden auch im MA. in seinen Grund-zügen bewahrt geblieben, so ist doch der antike Stoff in der Anschauungs-weise des MA.s aufgefaßt, wie das immer bei der Übertragung fremder

') Durch Beiziehung der Schlacht auf demWolfenwerde (Wulpinwerde S) aus der Hilde-sage (1321-1328) wird dem schwersten Kampf,den AI. zu bestehen hatte, ein nationaler Zugbeigemischt, der das Interesse der Hörer nochbesonders verstärken mußte,.vgl. Erdmann,ZfdPh. 17,223- 226; Wolfgang Meyer, Beitr.

Hilde-Gudrun S. 184 ff. 426 Anm.; Droege,ZfdA. 54,159 ff.; Martin, Kudrun Einl. XLIIXL1V; Symons, Kudrun, 2. Aufl. S.XLIff., woweitere Lit.; Baesecke, ZfdPh. 48, 135 f.

2 ) Gervinus S. 323 ff.; Alw. Schmidt S. 3182; Hampe S. 100102, dazu Ausfeld,Lit.-Bl. 1892 S. 6.

16,523ff.; Schröder, ZfdA.43,303f.; Panzer, ' ») Vgl. Zingerle, Germ. 17,306309.