250 B- Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Anspielung auf die Candacis-Episode, vgl. Anm. Vogts in MSF.; FrauenlobSpr. 141 (Ettmüller S. 102). 1 ) Das Giftmädchen: Frauenlob Spr. 46 (Ett-müller S. 54). Als Vorbild für Tapferkeit wird AI. zitiert im Rolandslied141, 10 (Bartsch 3974—76); Strickers Karl 4902—4 (= Rolandslied);Virqinal868, 10 ff. 936, 9ff.; Heidin, GSA. 1,419,34f. (Pfannmüller 1134f.);für Freigebigkeit: von Hartmann im Erec 2821, von Walther v. d. Vogel-weide 17, 9 f., in der Erzählung vom Junker und dem treuen Heinrich, GSA.3, 221, 922 (Kinzels Ausgabe dieses Ged. S. 64, 922); für Fürstentugend:Frauenlob Spr.329,17f. (Ettmüller S. 189); als Muster für junge Ritter: vonThomasin im Wälschen Gast 1050; hier auch für die Pflicht, daß man Gelehrteund weise Männer ehren soll 6413—17. 6493—99, ähnlich 9209—16. AlsMuster für letztere Lehre stellt ihn auch Hugo v. Trimberg in seinem Rennerhin 16413 ff.; aber in der Strafpredigt, die er der Welt hält, ist Al.s Macht,Reichtum, Ehre, Kühnheit nur ein vergängliches Nichts gegen die Armutdes Petrus oder gegen die wahre Liebe 1441. 19001. 19082 ff. 19647 ff.21021; und lieber wollen die Leute von weltlichen Rittern und Reckenerzählen hören, auch von Wundern Al.s, als von Gott 16198. Selbst Al.sangeblicher Vater, der zauberkundige Betrüger Nectanebus, hat es zuhohen Ehren gebracht: der Dichter der Minneburg (um 1350) preist Nep-tanaus als der hcehsten meister ein . . ., der kilnste ein kern für alle dieda lebendic wem, der ihm allein die allegorische Auslegung der Wunderin der Minneburg geben konnte. 2 )
Malerei und Plastik, die im MA. so eng mit der Literatur verbundenwaren, fanden auch in der AI.sage dankbare Gegenstände sowohl für geist-liche Symbolik als für weltlichen Schmuck. 3 .)
An die Al.literatur schließen sich die dem Aristoteles zugeschriebenenSecreta Secretorum oder De regimine principum an. 4 )
Der Stricker hat in der Einleitung zu seinem Ritterroman Daniel vonBlumental 7—14 mit wörtlichen Anklängen an 13—18 V Meister Albrichvon Bisenze als Verfasser seiner französischen Quelle vorgetäuscht, umseiner frei erfundenen Erzählung stärkere Glaubwürdigkeit und ein höheresAnsehen zu verleihen. 5 )
Beziehungen zu andern Dichtungen. Der Dichter des Rolandsliedshat das Al.lied gekannt, und zwar im ganzen Umfang von V und S. Dasgeht aus mehreren anklingenden Stellen hervor, in denen ersichtlich der
') Hertz aaO. S. 156—277 u. dessen Spiel-manns-Buch S. 293 f.; Roethe, ReinmarS. 243 Anm. 301; Hugos Renner 14565—14599; K. Janicke, Archiv 32, 172.
') Minneburg Kap. II, vgl. Ehrismann,Beitr. 22, 304.
Münsterbl. 2. Jahrg. H. 1; v. D. Leyen, Ab-handl. z. deutschen LG. Franz Munckerdargebr. SA. S. 1—20; Zingerle S. 5 f.
4 ) Siehe LG. II, 2. — Aristoteles war dievulgäre Form des Namens im MA. In derKirchenliteratur wurde Aristoteles kurzweg
A. L. Meissner, Arch. 68, 177—190; : Philosophus oder Magister genannt.
Panzer, N. Jahrb. 7 (1904), 140; Ders., Der 6 ) Holtzmann, Germ.2,29f.; Rosenhagen,
roman. Bilderfries am südl. Choreingang des I Untersuchungen üb. Daniel v. Blühenden Tal
Freiburger Münsters u. seine Deutung, Freib. ! vom Stricker, S.47 ff.; Wilhelm, Beitr. 33,336.