248 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Als eine der großen historischen Persönlichkeiten, als Stifter eines Weltreichs hat AI.auch in der Weltgeschichtsschreibung seinen gebührenden Platz gefunden, so in Ekkehardsvon Aura Weltchronik, um 1110 (nach der Bamberger Hs. der Historia); 1 ) in Gotfrids vonViterbo Pantheon (um 1185), in Vincenz' von Beauvais (f 1264) Speculum historiale. 2 )
So war AI. der gefeiertste Held der Weltliteratur des MA.s und so ziemlichjedes literarische Volk besaß eine oder mehrere Al.dichtungen. 3 ) Besondersim Orient lebte und lebt noch jetzt AI. in Sage und Literatur weiter,wobei ebenfalls der griechische Roman des Pseudokallisthenes Vermittlerwar. Und so besaß auch Deutschland eine reiche Al.literatur. 4 ) SchonOtfrid erhöht den Ruhm der Franken dadurch, daß er ihre Verwandtschaftmit dem Welteroberer AI. hervorhebt. 5 ) Auf dieselbe Sage spielt das Anno-lied an in der historischen Einleitung 321—334 (= Kehr. 325—334); hierauch Als Eroberungszug, sein Ende in Babylon und die darauf folgendeDiadochenherrschaft. An der anderen Stelle, 207—236 (= Kehr. 536—564),ist AI. historisch gefaßt als Gründer des dritten Weltreiches, dargestellt aberals der sagenhafte Wundermann. 6 ) Mit Lampr. beginnt die Reihe der selb-ständigen Al.dichtungen. 7 )
In höfischem Geiste waren die, verlorenen, uns nur durch Rudolfs v. EmsNachricht bekannten Al.romane des Berthold v. Herbolzheim (bei Frei-burg, um 1210) und des Biterolf, 8 ) seines Freundes, gehalten. RudolfsAlexander (um 1230—40, s. oben S. 240) hat, der gelehrten Richtung desVerfassers entsprechend, stark historisch-chronikalischen und moralisch-didak-tischen Gehalt. Einen fein höfischen Al.roman dichtete Ulrich v. Eschenbachfür den König Wenzel v. Böhmen (um 1280). Im 14. Jh. (um 1352) schriebSeifrid, 9 ) ein sonst unbekannter Dichter, einen AI., und nach 1390 ent-stand der große Alexander, der Alexander magnus (Wernigeroder Hs.) reine Übersetzung des Quilichinus. Dann treten im 15. Jh. an Stelle derVersübersetzungen die Al.prosen mit lehrhafter, historischer und moralisie-render Absicht: die viel gelesene Al.chronik des Meister Babiloth 10 ) unddas in einer größeren Anzahl von Drucken verbreitete AI.buch des Viel-schreibers Johann Hartlieb (erster Druck 1472), dieses speziell mit derBestimmung als Fürstenspiegel. 11 )
') Ausfeld, ZfdPh. 18,385—405; Werner, ') Ueber die mhd. Al.literatur s. Bd. II, 2.
WSB S. 82 ff. s ) Zacher, ZfdPh. 10,93—112; JuNK.Beitr.
2 ) Paul Meyer 2, 330-34. | 29, 460 ff.
3 ) Die AI.sage war der erste antike Stoff,der in eine der abendländ. Volkssprachenaufgenommen wurde, und zwar zuerst imFranzösischen, in Alberichs v. Besancon Werk.
4 ) Zingerle S. 3 ff.; Strauch, Enikel
9 ) F. Wolf, Wiener SB. 1832, Anzeigebl.S. 19 ff.; v. Karajan, ZfdA. 4, 248; HertzS. 123-25.
10 ) Herzog, Die Alexanderchr. des MeisterBabiloth, Progr. Stuttgart 1896—97, wo die
S. 360 ff. , übrige Literatur angegeben ist.
6 ) Otfr. I, 1, 87—92, nach Fredegar, vgl. ' n ) Siegm. Hirsch. DasAlexanderbuch Joh.
Erdmann, Ausgabe S. 341 f.
6 ) Siehe Massmann, Kehr. 3, 464. 477 ff.;Wilmanns, Ueber d. Annol. S.21—24. 30 ff.;Zacher, ZfdPh. 10. 108 ff.; Kinzel ebda 15,222—229; Christensen, Beitr. S. 8: ZingerleS. 5; Strauch S. 360. 368.
Hartliebs, Pal 82; Hans Poppen, Das Ale-xanderbuch Johann Hartliebs u. seine Quelle,Heidelberg. Diss. 1914; Eugen TRAVNiK.Uebereine Raaber Hs. des Harlliebschen Alexander-buches. Münch. Mus. 2, 211—221.