Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

246 B- Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

schieden gegen ihre Vorlagen: Alberich behandelt sie sehr frei, der Ver-fasser der Fortsetzung dagegen schließt sich ihr enge an.

Fast die gesamte Alexanderliteratur des Mittelalters entstammt demgriechischen Al.roman, dem sog. Pseudokallisthenes,') der um 200vor Christus in Alexandria entstand und dem Philosophen Kallisthenes zu-geschrieben wird, einem der Begleiter Al.s auf seinem Zuge in den Orient. Derwirkliche Verfasser, dessen Name nicht bekannt ist, war ein Grieche ausAlexandrien, 2 ) der mit geringer eigener Bildung und ohne geschichtlicheKenntnisse das Leben Al.s dem Volke darstellte, auf Grund historischer undmündlicher, sagenhafter Überlieferung und mit eigener bloß aufs Unter-haltende und Abenteuerliche gerichteten Erfindung.

Der historische AI., dessen Taten schon die Zeitgenossen fabelhaft aus-schmückten, ist hier zu dem Helden eines Volksbuches geworden und indiesem Bilde dauerte er fort als Lieblingsgestalt der Erzählungsliteratur imMorgen- und im Abendlande.

Dem MA. wurde wie alle griechische Literatur so auch die Geschichte Al.s in lat. Über-setzung zugänglich gemacht. Zwei lat. Al.romane sind die hauptsächlichen Vermittler gewesen:

1. Die älteste lat. Übeisetzungist die nur in drei Hss. überlieferte des Julius Valerius, 3 )Julii Valerii Res gestae Alexandri Macedonis, um 300 n. Chr. Ein kürzerer Auszug ausdem vollständigen Julius Valerius, Julii Valerii Epitome, vor dem 9. Jh., ist in einergrößeren Anzahl von Hss. erhalten. 4 )

.2. Die für die abendländischen Bearbeitungen der AI.sage wichtigste Quelle -- nochmehr als Julius Valerius ist die Historia de preliis des Archipresbyter Leo(Neapel, 950, schrieb 941 u. 944 im Auftrage seiner Herren, zweier Herzöge von Capua,in Konstantinopel den griech. Text ab), in vielen Hss., auch noch in Drucken des 15. Jhs.verbreitet (zwei stark verschiedene Hauptgruppen: I ursprüngl. Text, bes. Bamberger Hs. B,Münchener Hs. M; II bedeutend erweitert), die ziemlich freie Übersetzung eines den älteren

') Seitdem 15. Jh dem Kall, zugeschrieben, j sage, Roman. Forsch. 29, 130; Ders., Jahres-vorher unter Aesops Namen oder anonym. | ber. d. schles. Gesellsch. f. vaterld. Kultur 1907Ausg.: C. Müller, Paris 1846; H. Meusel, I (dazu Strecker, Anz. 33, 96), Progr. desLeipzig 1871; die grundlegende Untersuch- Gymn. zu Breslau 1909, Festschr. d. schles.ung ist: Jul. Zacher, Pseudokallisthenes, ( Gesellsch. f. Volksk. 1911. 188 ff., Mitteil. d.Halle 1867; Ausfeld, Zur.Kritik des griech. \ schles. Gesellsch f. Volksk. 1914, 80 ff., Arch.Al.romans, Progr. Bruchsal 1894, dazu Becker, 1918, 319 ff., vgl. Festschr. d. schles. Philo-ZfdPh. 28, 379-382; Ausfeld, Der griech. I logenvereins 1911, 151 ff.; Bolte-PolivkaAl.roman, nach des Verfassers Tode hgb. von 1, 510 ff. 2, 394 ff. (Wasser des Lebens);Wilh. Kroll, Leipzig 1907. Uebersetzung ] Martin Schanz, Gesch. d. röm. Lit. 4. Teilbei Weismann, 2, 1224 und Ausfeld, AI.- ' S. 4751, Handbuch d. klass. Altertums-roman S. 30213. Vgl. ferner Wilh. Hertz, ' Wissenschaft 4 8. Bd., 4. Teil, 1. Hälfte.Aristoteles in den Al.dichtungen des MA.s; ; a ) Ausfeld S. 237 ff.; früher wurde alsdie Sage vom Giftmädchen, Ges.Abh. S. 1 Entstehungszeit ca. das Jahr 200 nachChristus155. 156277 (aus den Abhandl. d. Münch. angenommen.

Akad. d.Wissensch. 19 (1890) H 1 u. 20(1893) i 3 ) Ausg.: Bernh.Kübler. Leipzig(Teubner)

H..1; Erwin Rohde, Der griech. Roman, j 1888; Zacher, Pseudokall. S.3248; Aus-

2. Aufl Leipz. 1900 S. 197 ff.; Eduard | feld, Griech. Al.roman S. 1012; Weismann

Schwartz, Fünf Vorträge über den griech. ' 2, 225284 (Inhaltsangaben und Auszüge),

Roman, Berlin 1896 (bes S. 65 -102); R. I s. Schanz aaO.Reitzenstein, Hellenist. Wundererzänlungen, 4 ) Ausg.: Zacher, Halle 1867; O. Wagner,

Leipzig 1906 (u. a. S. 16); J. Strzygowski,Byzantin. Archiv H. 2, 107. 109; Kroll, Dergriech. AI roman, Augsburger (Münchener)Allgem. Zeit 1901, Beil. 74; BURDACH, Ber-liner SB. 1918, 1016; Hilka, Studien zur Al.-

Leipz. 1901; vgl. Zacher, Pseudokall. S. 105-107; G. G. Cillie, De Julii Valerii Epitomeoxoniensi, Diss. Straßburg 1904, vollständigDe duabus Julii Valerii epitomis.