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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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244 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.

Der vorhöfische Stil von S und somit von Y ist, wenn man das Urteilzusammenfassen will, zwar fließender als der volkstümliche von V, aberweniger kraftvoll. Der Verfasser beherrscht die Sprache nicht unbehindert,er hat, weil er mehr Eigenes bietet als Lampr., auch noch schwerer mit derFormung zu ringen und nimmt allzuoft Flickverse zu Hilfe oder wieder-holt leicht in kurzen Abständen den gleichen Ausdruck und die gleichenReime. Allerdings erlangt er im Verlaufe seiner Arbeit größere Gewandtheit.

Der ungenannte Verfasser von Y war Geistlicher. Seine Heimat warRheinfranken, seine Tätigkeit am Al.lied fällt um 1160. Er zeigt Vertrautheitmit den lat. Sprachformen und gelehrte Kenntnisse, 1 ) indem er theologische,schon in V vorkommende Stellen wie S 23 f. 69 ff. 1413 ff. 2005 ff. er-weitert sowie eigene Zitierungen 2 ) wie 2305 ff. 4024 ff. neu bringt.

Der Vor. AI. schließt mit 1533, die letzten 4 Verse 15301533 rührenvon einem Schreiber her, nicht von Lampr. selbst, denn der Abfasser redetvon diesem als von einer andern Persönlichkeit: nach der Ansicht Alberichsund Lampr.s habe hiermit der Stoff seine richtig zugemessene Abgrenzung(mäze) gefunden. Aber auch der vorhergehende Ausgang des Vor. Textes14971529 fällt, durch seine Kürze, aus dem Ton der Gesamterzählungheraus, es ist ein nur durch äußeren Zwang gebotener, eilig zusammen-geraffter, überstürzter Abschluß, in welchem die auf die vorhergehende Er-zählung von Al.s Leben und Taten folgenden weiteren Ereignisse, das Zu-sammentreffen der beiden Heere in Mesopotamien (14971510), die großeSchlacht (15111517) und die Erschlagung des Darius») durch AI. (1518-1528) summarisch berichtet werden. Die Frage ist nun: hat Lampr. seine Arbeitmit 1496 abgebrochen und selbst diesen gewaltsamen Schluß 14971529 andie vorher ungehemmt verlaufene Erzählung angehängt oder hat Lampr. dieganze Al.geschichte bis zu ihrem tatsächlichen Ausgang gedichtet, wie sie in Svorliegt, und nur ein Schreiber hat mit 1496 das Weiterschreiben aufgegebenund den viel größeren folgenden Teil durch die notdürftige Schlußübersicht14971529 ersetzt? Mit andern Worten: ist Lampr.s Arbeit Fragment ge-blieben oder ist nur der Text der Vor. Hs. fragmentarisch? Es läßt sich nach-weisen, daß Lampr. das zusammenfassende Schlußstück 14971529 selbstverfertigt und also den Text nur bis hierher geführt hat [Lampr. =11528 V] und daß umgekehrt die darauf beginnende Fortsetzungin S (2038 ff. S) von einem andern Verfasser stammt. Jenes Schlußstückvon V ist nämlich großenteils zusammengesetzt aus Versen, die in demechten Text Lampr.s vorkommen. 4 )

Die abgekürzte Schilderung dieses Völkerkampfes am Schluß von V hatder Fortsetzer S benutzt bei seiner Darstellung der Schlacht von Arbela,

') Reblin S 35f.; Zacher, ZfdPh. 11,414.Indessen ist nicht sicher zu entscheiden, wievieles dem Bearbeiter X zuzuschreiben ist.

s ) Zacher ebda 11, 399 ff.

3 ) Alw. Schmidt S. 81 f.; Ausfeld, Lit.Bl.1887, 315: Ottmann S. XXXIX A.im. 72.

4 ) Vgl. Werner, WSB. S. 5154; Kinzel,Ausg. S. 464.