§ 77. Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. 243
Überlieferung noch viel stärker umgestaltet und erweitert hat. Damit hat erden volkstümlichen epischen Stil zu dem der vorhöfischen Zeit entwickelt.Schon äußerlich ist diese Verbreiterung der Darstellung an dem größerenUmfang des in S mit V gemeinsamen ersten Teiles ersichtlich.
Solche Zusätze sind angebracht in Reden, z. B. 967—977. 1013—1022. 1635—1638.1663—1666; in Kampfschilderungen u. dgl., z. B. 1035—1042. 1045—1048. 1169—1176.1251 f. 1311—1314. 1320—1324. 1357—1360. 1428 f. 1740-1749; bei Vorgängen des innerenLebens, z. B. 330—333. 1029-1032 (oder hat hier V ausgelassen? vgl. B zur Stelle) 1073—1077. 1667—1670. 1695; als Belehrungen, z. B. 69—77. 1418—1421 (Bibel), 2005—2010(über Armenien).
Zur Ausdehnung des Umfangs tragen auch jene Zerteilungen von längerenVersen in Versgruppen bei, die wegen Regelung des Rhythmus vorgenommenwurden. Wie dem Inhalt, so strebte der neue Stil auch der sprachlichenForm Abrundung zu verleihen. Statt einfacher Nebeneinanderstellung derSätze werden verbindende Übergänge gewählt.
Oft tritt die vermittelnde und weiterführende Konjunktion dö mit Inversion des Subjektsein, z. B. Man hiez daz ros thün 261 V — Dö hxz man daz selbe ros leiten 300 f. S; Ale-xander steich 887 V — dö steich Alexander 1235 S; Mennes der stach Alexandern 1266 V —dö slüch doh Alexandren Mennes 1738 f. S, vgl. 291 V — 341 f. S, 323 V — 378 S, 357 V —421 f. S, 777 V— 1073 f. S, 837 V— 1159 S (1187 S). 1159 V— 1593 S, 1247 V— 1724 S;Haupt- und Nebensatz durch dö eingeleitet in S 1612 (1175 V). Umgekehrt hat auch S ein-leitendes dö von V fallen lassen, aus bestimmten stilistischen Gründen und bei stärkerenSatzänderungen, so z. B. 383 S — 328 V, 492 S — 417 V (zwei Hauptsätze von V in einenzusammengezogen), 1232 S — 884 V (zur Vermeidung der Häufung von dö, das auch in S1229 und 1235 steht, 1648 S — 1198 V (Satzänderungen wegen des Reimes), 1695 S —1225 V (ebenso). Ein weiterer Schritt über die Syntax von V hinaus ist die Bildung voneingeschalteten Nebensätzen, z. B. unt nam die coröne, die er mit samt ime da hete,sinem fater ers üf sazlhe 395 f. V — er sazte di crimen dö, die er Nicolad hete geroubit,sinem vater üf daz houbit 462—465 S; vgl. 417—420 V und 493—495 S; 1477—1479 Vund 2017—202C S. In der Deklination der fremden Eigennamen 1 ) weicht der Verfasser vonS insofern oft von V ab, als er die lat. Kasusendungen statt der deutschen wählt: oft Dat. Si.Alexandra in S statt Alexander in V; Tyre 1015. 1025 V — Tyrus 1412. 1430 S (1015 auch inB); Dat. Tyrin 806 V, Tyre 1006 V — Tyro 1110. 1400 S; die Panfilien 1455 V—Pß/n-philienser 1989 S; Acc. Philippus (wie Nom.) 257 V — Philippum 296 S; wie V 1478 überFrigiam, aber mit falscher Konstruktion hat S 2018 säzen in Frigiam (Reim: man); Gen.Si. auf is: Alexanders in V, Alexandris in S (mehrmals), Salemones 20 V — Salemonis20 S, Gen. Philippus 237 V — Philippis 270 S>)
Die aus dem ersten, mit V gemeinsamen Teile von S erschlossenenStilmerkmale finden sich ebenso im 2. Teile, wo S unmittelbar aus den lat.Quellen übersetzt, nur daß bei dem viel größeren Umfang und dem ver-änderten Stoff gewisse Ausdrucksmittel neu oder stärker auftreten können. 3 ) —
] ) Kinzel, Beitr. z. d. Phil. S. 65—67; Ott- Ottmann S. XX f. Anrn., Grünewald S. 33.mann S. XLI f. Anm. 77. j Ueber die Anredeformen (Du und Ihr im
*) Weitere Lit zum Stil von V und S: zumWortschatz: Harczyk, ZfdPh. 4, 25 ff.; Flick-verse: Werner, WSB. S. 10 f. (in V), HampeS. 79 ff (in S). Wiederholung: Behaghel,Beitr.30,431 ff.; Parallelen zum ganzen Lied gibtKinzel in den Anm. seiner Ausg. Lateinisches:
Lamprechtschen Teil, Du in der Fortsetzung)s. ZfdW. 2, 142—145. Konjunktiv im AI lied:Heynisch aaO.; zu Sim allgemeinen: ReblinS. 35 ff.
3 ) z. B. Formeln, zweigliedrige Ausdrücke;auch hierüber fehlen noch Untersuchungen.
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