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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 77. Das Alexanderlied des Ppaffen Lamprecht. 241

denn Stellen, wo B mit V übereinstimmt, können zur Verstärkung von Vdienen und werfen Licht auf die Beschaffenheit von S, Gleichheiten mit Sgestatten einen Schluß auf die Bearbeitung X. Da aber B ganz unzuverlässigist, so ergibt sich für die Herstellung von X im einzelnen nur wenig, dieGesamtanlage der Bearbeitung aber läßt sich durch Vergleichung ihrerbeiden Vertreter, B und S, mit V im allgemeinen beurteilen: der (hier alleinin Frage kommende) Lamprechtsche Teil erfuhr keine eingreifenden Wand-lungen, 1 ) die Haupttätigkeit für den Verfasser von X lag in der Vollendungdes Gedichtes, in der Fortsetzung von Lamprechts Torso.

Am Anfang und am Schluß hat B (= X) Zusätze gemacht.*) An Stelleder rechtmäßigen Geburt Al.s und seiner Erziehung (1236 V, 1269 S)wird seine Herkunft von Nektanebus erzählt (1 534 B, Werners Ausg.S. 726, Kinzels Ausg. S. 324), während Alberich und ihm folgend Lampr.entrüstet die lügenhafte Behauptung zurückweisen, daß AI. dieses ägyptischenGauklers Sohn sei (7177 V). B nimmt damit die seit dem alten griechi-schen Roman in der Al.literatur immer wiederkehrende Sage auf, wonach AI.der Sohn des Ägypterkönigs Nektanebus ist, der in Abwesenheit des Phi-lippus dessen Frau Olympias durch seine Zauberkünste berückt hatte. 3 ) Erstmit der Bändigung des Bucephalus trifft B wieder mit V und S zusammen.Das Vergnügen am Wunderbaren hat den Verfasser von B auch veranlaßt,einige ans Ende von Al.s Orientfahrt fallende Abenteuer zuzufügen. 4 ) Schondie Darstellung der Fahrt nach dem Paradiese weicht von der entsprechendenFassung in V und S ab (4118-4246 B), ganz neu aber sind die darauffolgenden vier Stücke (42474729 B): 1. Die Taucherglocke (AI. läßt sichvon seiner liebsten Freundin in einer Glasglocke an einer Kette ins Meersenken, um zu sehen, was Wunders darinnen sei. Da wirbt ein Mann umihre Minne und sie wirft die Kette ins Meer, aber AI. wird von den Wellenans Land getragen) 42474280 B. 2. Die Greifenfahrt 5 ) (AI. will wissen,

*) Sie scheinen sich auf einzelne Reim- ebda S. 103 ff.; Werner, WSB. S. 5560.und Versverbesserungen, auf einzelne Wort- i 117122; Christensen S. 6 f.; Paul Meyerund Stiländerungen und kleine Zusätze zu I Bd. 2^Kap ; V, dazu KiNZEL.Anz. 13, 226 f.beschränken, z. B. die Herstellung des reinenReimes vernomen : cotnen SB gegen geseit :nieht 279 f. V; häufig sind in SB (= X)Reime auf lat. Dat. Si. o wie Dario:. Ge-tilgt in X sind die Ausrufe ä wie usw (vgl.KiNZEL, ZfdPh. 10. 29. 73), die häufigen ein-leitenden Unt also (selten bloß Also) von Vsind in SB (in B soweit dessen Text überein-stimmt) durch das geläufigere D6 ersetzt: inV307 331. 337. 365. 387. 393. 429. 741. 755.839.881. 1071. 1195. 1307. 1343 1362 (Undealse ist in S erhalten in 145 S = 121 V,235 S = 205V, 297S = 258 V, 1578S = 1149 V,1645 S = 1195 V, 2036 S = 1497 V (vgl.1037 S). Eine abschließende Untersuchungüber die Beschaffenheit von X fehlt noch.

») Harczyk S. 146 -148; Kinzel, Ausg.S. XV f., ZfdPh. 10, 54 f. 86-89; Zacher

Deutsche Literaturgeschichte. II.

') Die Nektanebussage ist wie der älte-ste Alexanderroman (Pseudokallisthenes) inAegypten entstanden. AI. sollte damit alsNachkomme der ägyptischen Könige be-glaubigt und die makedonisch-griechischeHerrschaft in Aegypten als gesetzlich be-wiesen werden (Nektanabis II. regierte zurZeit der Geburt Al.s und starb 341 v.Chr. inder Verbannung in Aethiopien, vgl. 55 B). Vgl.A. Wiedemann. Wochenschr. f. klass. Phil. 34H. 25 26; Weinreich, Der Trug des Nekt.. 1911.

4 ) Teile in der Fortsetzung von Rudolfsv. Ems und Jansen Enikels Weltchronik,vgl. Zacher, ZfdPhil. 10, 104 ff.; Strauch,Ausg. von J Enikel S. 368 ff. Die Quellens. bei Werner. WSB. 93, 117 ff.

6 ) Auch im Seelentrost. Panzer, N. Jahrb.7(1904), 140; Burdach, Ackermann S.268-272.

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