240 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Vieles aber hemmt den epischen Verlauf und schwächt die Wirkung ab.Aber er hat doch den Charakter des Originals nicht völlig verwischt undauch bei ihm tritt an vielen Stellen das Reckenhafte wuchtig hervor. Immernoch schreitet die Erzählung ohne längeres Verweilen vorwärts. Der Satz-bau ist parataktisch, häufig unter fortführenden unde, temporale Nebensätzewerden oft mit unde also eingeleitet. Die Gliederung ist noch starr, dieeinzelnen Szenen werden häufig ohne Übergänge durch formelhafte Ein-sätze aneinandergereiht, z. B. 103. 381. 411. 703. Belebt wird der Vortragdurch Ausrufe mit ä wie, ä waz, ö we und Fragesätze, schleppend dagegensind die vielen indirekten Reden und störend die blutleeren Flickverse. 1 )Zweigliedrige Ausdrücke sind mäßig gebraucht, die Epitheta spärlich undwirkungslos. Zu besonderem Schmuck dienen die Bilder und Vergleiche,zumal in den Schlachtschilderungen, in welchen überhaupt dieser epischeStil seinen charakteristischen Ausdruck findet. Frei sprach- und stilschöpferischist Lamprecht nicht, er steht ganz im Banne der Tradition.
Die metrische Form 2 ) ist mit maßvoller Freiheit behandelt. Der Prozent-satz der unreinen Reime ist nicht groß, die Assonanzen sind leicht. DieVerse sind ungleich gebaut, mehrsilbige Senkung gehört zum rhythmischenStil, weshalb lange Verse recht häufig sind.
Für den höfisch gebildeten Geschmack war Lamprechts Werk veraltet.Rud. v. Em s tadelt ihn in seinem AI. wegen der Ungewandtheit der Form: Verseund Reime, wohl auch die Worte, sind ungelenk und nicht gut zugeschnitten. 3 )
V ist eine getreue Wiedergabe des Lamprecht'schen Originals, jedochhat der Schreiber durch Verlesen oder Verschreiben einzelner Wörter, durchAuslassungen von Wörtern und ganzen Zeilen ziemlich viele Fehler gemacht.Einiges ist auch, wohl in einem der Vor. Hs. schon vorausgehenden Exem-plar, neu hinzugekommen.
Der Basler Alexander.
Bist das Machwerk eines poesielosen Chronikschreibers, in dem der heroischeTon'des Originals verroht und in die platte Alltagssprache herunter gezogenist. Der ursprüngliche Text ist ganz willkürlich behandelt und stark gekürzt,alte epische Worte und Ausdrücke sind getilgt, die Assonanzen sind in reineReime gebracht, wobei nach Belieben die Mundart mithelfen mußte; einzelneVerse fehlen, so daß ca. 330 Zeilen reimlos stehen. Die Regel der vier bezw.drei Hebungen wird angestrebt, überlange Verse werden meist durch Aus-lassung von Wörtern gekürzt, aber es blieben doch noch viele übrig. 4 ) Dergrößte Teil der Änderungen fällt wohl dem Schreiber zur Last, dessen Vor-lage, eine alemann. Handschrift aus der zweiten Hälfte des 13. Jhs., mög-licherweise gar nicht schlecht war. Textkritisch ist B immerhin von Bedeutung,
1 ) Harczyk, ZfdPh. 4,15—18; Ehrismann 1918, 425 f. 428.
aaO.; Zwierzina, ZfdA. 45, 281. 3 ) Zacher, ZfdPh. 10, 96—98.
2 ) Kuhnt S. 3—47; Vorstius, Reimbrech- 4 ) Ueber die Reime: Werner, Wiener SB.ung; Saran S. 253. 263; Zwierzina, ZfdA. 93, 56 ff.; Kinzel, ZfdPh. 10, 50—52.
44,43 Anm. u. S. 94; Schröder, Gott. Nachr.