§ 77. Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht.
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Bei der Übertragung der französischen Quelle 1 ) hat Lampr. die übliche deutsche Methodeangewendet, deren Grundzüge E rweiterung und Ve rdeutlichung sind. Sein Erweiterungs.verfahren ist sehr einfach und es ist nicht schwierig, seine Mittel zu durchschauen. Eskönnen rein äußerliche Gründe vorliegen: oft werden Zeilen des Reimes wegen eingeschaltetoder darum, weil sich ein Vers des französischen Originals nicht leicht in einen deutschenpressen ließ, z. B. die Quelle enthielt das Wort Olimpias (Alb. 44), darauf stellte sich demÜbersetzer bequem der Reim was ein 91 f.; sie die Mutter Al.s, war sor Alexandre, dieSchwester Al.s von Epirus (Alb. 41): leicht fand sich dafür das Reimpaar müter: brüder 93 f.Ähnliche Dehnungen liegen in 44. 46. 53. 75. 77 f. 86. 96. 115. 117. 120. 122. 125. 140. 146.151. 160, von 163 und 177 die zweite Hälfte. Das sind zum großen Teil formelhafte Flick-verse, zu denen noch die Übergänge 103 f. 131. 155 kommen, wie auch 110 oder 128 f.Einige unter ihnen bringen zugleich eine kleine, aber unnötige stoffliche Zugabe. Oft istnicht zu unterscheiden, ob die Zusätze aus rein formellen oder aus inhaltlichen Gründengemacht werden. Auch bei dieser zweiten Art, den eigenen Erfindungen, die neue Motivezufügen, läßt sich Lampr.s Arbeitsweise zumeist erkennen. Aus drei Vorstellungskreisenentnimmt er vornehmlich diese Erweiterungen: aus dem geistlichen Gebiete: 11 f. 24 (Zitat),62—70 (Salomo); 2 ) aus dem Kriegswesen: 85. 86. 88.99—102 und innerhalb 199—214;aus der Technik der Personenschilderung: 48—50 (unde was der allerherste man), 57 f.97—102 (zugleich aus dem Kriegswesen), 168—170; dazu kommen verdeutlichende Er-klärungen: 25—28. 105—107. 134—137 und die persönliche Bemerkung 31— 34. 3 ) Seltentrifft der umgekehrte Fall ein, daß Lampr. Verse Alberichs ausläßt: z.B. 64 f. 91 bei Alb.Einiges hat er falsch wiedergegeben. 4 )
Auf Grund der stilistischen Ergebnisse muß man Lamprechts Verfahrenhandwerksmäßig nennen.
Alberichs Darstellung läßt ohne alles störende Beiwerk schlicht undeinfach die Tatsachen sprechen gleichsam wie einen historischen Bericht,Lampr. hat durch die Methode der geistlichen Übertragungsweise demknappen Ausdruck seines Vorgängers größere Fülle, eine gewisse, aber dochnur mäßige epische Breite verliehen. Wesentliches hat er nicht hinzugetan. 5 )
zusammenfassenden Schluß anfügte. Vgl. bes.Alw. Schmidt S. 76 ff.; Ausfeld, Lit.-Bl.1887, 313 ff.; Singer aaO.
*) Paul Meyer, Alexandre le Grand 1,1—15. 2, 69—101; Stengel, Wörterbuchzu seiner Ausgabe S. 81—230. 254—256;Förster u. Koschwitz, Afrz. Uebungsbuch 2S. 237 ff. Vergleichung von Lampr.s Text mitdem afrz. Bruchstück: Alfr. Rochat, Germ.1, 273—290; Harczyk S. 146 ff.; OttmannAnm. 97 auf S.L—LH; Wilmanns, Gott. gel.Anz. 1885,292-298 ;Kinzel, Ausg. S. XXIX—XXXII. — Die Sprache istfranz -provenzalisch,d. h. aus dem Grenzgebiet des Provenzalischen.Vielleicht ist also nicht Besancon sond. Briancon in d. Dauphine Alberichs Heimat gewesen.
2 ) Alberich verleiht AI. die höchste Stelleunter allen Königen, demgegenüber nimmtLamprecht in ängstlicher Bibelgläubigkeit,indem er auf das Zeugnis der Regina austriverweist, Salomo als den unbestritten vor-züglichsten aus dem Vergleich mit den andernHerrschern aus. Dem Salomo aber stellt erAI. schon deshalb nach, weil er ein Heide ist.
s ) Zu 134-137vgl.KiNZEL,Ausg.S.XXXf.;
Wilmanns, Gott. gel. Anz. 1885, 295 f.
*) Bezeichnend für Lampr. Stellung zurklassischen Lit. ist es, daß er die Empfehlungder antiquitas, der Altertumsstudien, Alb. 7,unterdrückt (Singer aaO. u. in „Mittelalt. u.Renaissance", Sprache u. Dichtg. H.2S. 46f.).Auch die Hist. de preliis bringt in ihremProlog eine Anpreisung der Lektüre klassi-scher Werke (ed. Landgraf S. 25 f.). Wie derErzpriester Leo so gehört auch Alberich zuden Philosophen, die die Literatur des klassi-schen Altertums pflegten, im Gegensatz zuden dem weltlichen Wissen feindseligen Theo-logen (s. oben S. 5). Auch mit der Hochschät-zung der septem artes zeigt sich Alberichals Anhänger der klassizierenden Richtung.
5 ) Es ist anzunehmen, daß sich Lampr.s Ver-halten gegen seine Quelle im weiteren Ver-lauf, nach dem Abbruch des afrz. Fragments,nicht wesentlich geändert hat. Die voraus-zusetzenden Erweiterungen mögen besondersdie Kampfschilderungen betroffen haben.Geistliche und gelehrte Zusätze sind ein-geschaltet 473 ff. 601.687 ff. 693.797 ff. 1010 ff.1015 ff. 1262 ff. [1321 ff.] 1396ff. 1461 f. 1470ff.