238 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Der Vorauer Alexander.
Als Verfasser 1 ) des alten Werkes, das in der Vor. Hs. enthalten ist,nennt sich v. 4 der phaffe Lambret (= Lambrecht), der Schreiber der Schluß-notiz in Vfügt dazu ein ehrendes Beiwort der gute phaffe Lampret 1530.Er war also Geistlicher, von ihm rührt auch die Bearbeitung des Tobiasher (s. oben § 24). Seine Heimat war, wie sich aus dem Reimgebrauch er-schließen läßt, das mittelfrk. (moselfrk.) Sprachgebiet. Gewissenhaft gibtLampr. an drei Stellen seine Quelle an: es ist das welsche Lied des Alberichvon Besangon {Alberich von Bislnzo 13 V, Eiberich von Bisenzun 13 S;Alberich 19 V, Eiberich 19 S), und auf diesen Gewährsmann verläßt er sichvertrauensvoll 13—18 V Beim Beginn der Erzählung von der Schlacht amGranicus nennt er ihn wieder und zwar als maister 1220 und seine Arbeitschließt er ab mit der Berufung auf die Darstellung des maister Albrich1529. Dieses altfranzösische Alexanderlied ist am Ende des 11. Jhs. inTiraden (einreimigen, ungleichlangen Strophen) mit achtsilbigen Versen ver-faßt. Erhalten ist uns nur der Eingang mit 105 Versen, 2 ) die etwa den Versen20—214 des deutschen Gedichtes in V entsprechen.
Kinzel, ZfdPh. 16,118 ff.; Reblin aaO.; Ott-mann S. XXIV ff. Die Bestimmung des Hs.ver-hältnisses hängt aufs engste zusammen mit derFrage: hat Lamprecht nur so viel gedichtet als inder Vor. Hs. steht oder hat er das ganze Al.liedverfaßt, bezw. hat Lamprechtselbst denVorauerSchluß gemacht oder ist er die Abfertigungeines Schreibers. Die ältere Ansicht, derSchreiber von V habe gekürzt, vertratenHoltzmann, Germ. 2, 32 ff.; Scherer, QF.7, 60 und ihnen folgend Harczyk S. 1 ff.;Werner, Wiener SB. 93, 50 f.; Kinzel, Ausg.S. XIV f„ ZfdPh. 10,46 f. 20, 88-97. 24,255—258; Rödiger, Anz. 11, 275 f.; Schröder,DLZ. 1885, 786 (vgl. dazu ZfdPh. 33, 427);Waag, Beitr. 11, 127 f.; Becker S. 5; Ott-mann S. XXX ff.; Singer, Anz. 17, 197 ff.;Paul Meyer 2, 130 f. und Kap. VII. Wil-manns hat, nachdem Diemer, D. Ged. S. XLIIV für den echten Lamprecht erklärte, zuerstBeweise dafür aufgestellt, daß „das kurzeAl.lied der Vor.Hs. uns die ursprünglicheDichtung Lamprechts repräsentiert" (Gott,gel. Anz. 1885, 298 ff.) und später, ZfdA. 50(1908) 144 f.; von ihm wurden angeregt seineSchüler Alw. Schmidt, Hampe und Kuhnt;Ausfeld schloß sich nach einigem Schwankenan (LitBl. 1887, 314 f. 1892, 7. 1899, 370);Zwierzina aaO. (dem Schröder zustimmt,s. Anz. 39, 88) und Ehrismann aaO. brachteneinzelne Merkmale für den Unterschiedzwischen V und dem darauf in S folgendenTeile bei, Vorstius aaO. weist Verschieden-heit in der Reimbrechung nach; vgl. auchWallner, Beitr. 43, 208 ff.; Vogt, Grundr.S. 172. — In der Auffassung des Verwandt-schaftsverhältnisses gehen die Meinungen
auseinander, je nach der Stellung, die B zu-gewiesen wird. B V gegen S nehmen anWerner, Wiener SB. 93, 7—60, Ausg. S. 1 ff.;Rödiger, Anz. 5, 416 ff. 11, 257. 268. 276,dazuBEHAGHEL,Germ.31,121 f.; Christensen,Beitr. S. 18 ff.; Schröder aaO.; Becker S. 9.B S gegen V: Kinzel, ZfdPh. 10, 48—50. 11,385—395. 14, 379 ff. 16. 121—123, Anz. 13,229 ff., Ausg. S. XIII—XVI; Behaghel, Lit.-Bl. 1884, 174 f.; Wilmanns aaO.; Behaghel,Germ. 31, 121 f. läßt die Möglichkeit offen,daß alle drei Hss. auf die gleiche Vor-lage zurückgehen, ihm folgt Reblin S. 2.27. — Das oben im Text gegebene Schemaunterscheidet sich von dem von Kinzel undWilmanns, mit denen es in der Gruppierungder Hss. übereinstimmt, dadurch daß einezweite Bearbeitung, Y, eingeführt ist und diebeiden Hss. B und S damit scharf vonein-ander abgehoben sind.
') Verfasser: Holtzmann, Germ. 2, 29 ff.;Scherer, QF. 7,60 ff., Schröder, DLZ. aaO.;Ottmann S. XVII ff. XXIII. XXV.
2 ) Das Fragment, auf zwei leer gebliebenenSeiten einer Hs. des Curtius, wurde auf-gefunden von Paul Heyse und von ihm hgb.in,RomanischeIneditaausitalienischenBibho-theken', Berlin 1856, S. 3 ff. Textkrit. Ausg.von Edm. Stengel, Marburg 1882. — Wieweit Alberichs Werk reichte, ist noch nichtsicher festgestellt. Trotz einigem was dagegenspricht, scheint es doch am wahrscheinlichsten,daß Lampr. von dem afrz. Original nicht mehrgekannt hat, als er selbst bis zum Abbruchseiner fortlaufenden Erzählung bietet, d. h.daß es mit der Heeressammlung des Dariusabschloß (1496 V), worauf er dann seinen