§ 75. Merigarto. 233
hörte sagan 2 a , 1) beruht der Bericht über den Fluß in Toskana, der denAbsatz IV = 2 ; >, 1—42 ausmacht. Die Quelle für dieses, wie es scheinthistorische Ereignis, ist unbekannt. — Der V. Absatz endlich = 2 a , 43—120enthält die Wunderkraft einer Anzahl von Brunnen (Quellen) nach IsidorsEt. XIII, 13.i)
Das Gedicht steht in seiner literarischen Umgebung vereinzelt da: Erd-kunde, in deutsche Verse gebracht, ein profaner Gegenstand aus dem Ge-biete der Schulwissenschaft der sieben freien Künste. Aber doch sind dieherrschenden Ideen der Zeit, die religiösen, hinein getragen, denn am Ein-gang steht Gott als Schöpfer, der die Dinge hervorgebracht hat, von denender Verfasser lehren will. Die Kenntnis derselben hat er dem populärenWissen entnommen, dazu auch einiges vom Hörensagen beigebracht. DiesenQuellen entsprechend besteht seine Naturkunde aus einer Reihe einzelnerNaturkuriositäten. Seinen naiven Standpunkt gegenüber den Erscheinungender Fremde zeigt er in der Wiedergabe dessen, was er über Island gehörthat: da interessieren ihn materielle Fragen über den Reichtum und dasWohlbehagen auf der Insel und über das tägliche Leben und daß man mitKrystall kocht und heizt und daß das Scheit Erlenholz einen Pfennig kostet.
Für die Bestimmung der Abfassungszeit geben die persönlichen An-deutungen über seine Flucht einen gewissen Anhalt: ein Bischofsstreitherrschte in Würzburg, wo im Jahr 1085 Bischof Adelbero von Heinrich IV.abgesetzt und Meginhart eingesetzt wurde. 2 ) Auch die Sprache paßt zudieser Annahme, so daß das Gedicht etwa um 1090 entstanden wäre. Siehat zum meisten bairische Merkmale, ostfränkisch dagegen sind die n-losenInfinitive wese:wese l b , 53 f. (substantiv. Inf.). Alemann! oder rhein- bezw.mittelfrk. Anzeichen sind keine darin, so daß als Heimat des Dichters dasbairische oder ostfrk. Sprachgebiet angesehen werden kann.
Als Q u e 11 e hat der Dichter wohl eine prosaische lat. Kosmographie benutzt,die er stellenweise, wie es scheint, sehr frei in seine deutschen Verse übertrug. 3 )
Dem didaktischen Inhalt entspricht der Stil, daher die Anrede des Lehrersim Vortrag Nu sage uuir zerist 1% 21, daz ist vone diu urJ ih sag iu 2 1 ',111 f. Häufig sind persönliche Formeln des Erzählers, Berufungen auf die
Randschrift De Reginperto epo lautet. Dieseist entweder überhaupt erst später abgefaßtoder epo allein wenigstens ist erst spätererSchreiberzusatz (s. MSD. II 3 , 195 f.).
r ) Siehe auch Hugos v. Trimberg Renner20151-20264.
2 ) MSD. II 3 , 196 f.
3 ) Die Erzählung von seiner Flucht undder Begegnung mit Reginpreht in Utrechtmacht den Eindruck des persönlich Erlebtenund kann deshalb wohl mit Recht, wie esMüLLENHOFF getan hat, zur Bestimmung derAbfassungszeit verwertet werden. Vielleichthat er in seiner Vorlage schon eine ähnlichepersönliche Mitteilung gefunden wie die von
Dicuil in seinem Liber De mensura orbisterrae beigebrachte und diese dann durchseine eigenen Erlebnisse ersetzt. —- Zweifel-haft ist auch, ob der Dichter ein abgeschlos-senes Lehrbüchlcin der Erdkunde geschriebenhat oder nur einen Teil, etwa über die Ge-wässer und Winde. Die ersten der uns er-haltenen Verse, l a , 1—20, die mit Gott alsSchöpfer einsetzen und die Einleitung zumFolgenden bilden, könnten annehmen lassen,daß hiermit überhaupt die ganze Arbeit desVerfassers beginnt. Aber sie können freilichauch nur der Anfang eines neuen Abschnittesgewesen sein.