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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, f) Naturwissenschaft.

Christus; Nachtrabe = die Juden; Bläßhuhn = die Gläubigen; Rebhuhn = Teufel; Strauß =wir sollen uns zu Gott kehren; Widehopf = die ihre Eltern nicht ehren; Charadrius (deutschals Lerche aufgefaßt) = Christus; Phoenix = Christus.

Da der ältere Physiologus das lat. Original stark ändert, ist die Darstellungin den beiden deutschen Werken sehr verschieden: das ältere ist knapp imAusdruck und beschränkt sich auf die Wiedergabe der hauptsächlichen undnotwendigen Tatsachen, das jüngere breiter und ausführlicher und kleidet,wie der lat. Pseudo-Chrysostomus, den Grundstoff in predigtartige Vortrags-form. Inhaltlich besteht der Unterschied besonders darin, daß im älteren Phys.fast alle erklärenden und ermahnenden Zitate aus der Bibel und den Kirchen-vätern ausgelassen sind. Eben durch diese, sowie durch Quellenberufungen{Physiologus zelllt, man lisit von deme selben tiere, bes. bei den Zitaten,z. B. §o chut däuid u. ä. und andere Formeln); endlich durch die verdeut-lichenden, oft unnötigen Erläuterungen, z. B. uolgint deme tiere, suar izferit Wilhelm S. 7, 10 gegen volgen im alt. Phys. MSD. 2, 6; der alte iacob5, 3 Jacob 1,3; unser trehtin der heilige christ 5, 12 unser trotin1, 7 erhält der Stil den Charakter einer Predigt. So läßt sich der Zweckder beiden Übersetzungen dahin zusammenfassen: die ältere ist einLehrbuch für die Geistlichen die Zitate sind lat. 1," 11 f. 2, 10 f. 8, 11,die jüngere ist zum Vortrag, auch vor Laien, bestimmt die Zitate sind deutsch.

Der ältere Physiologus wurde in Reime umgesetzt, das ist die drittedeutsche Fassung:

3. Der gereimte Physiologus.

Hs.: Milstäter Hs., der Physiologus steht zwischen Milst. Genesis undExodus. Die Beschreibungen sind durch Zeichnungen illustriert, die zumTeil dem Pseudo-Chrysostomus entnommen sind und entweder einzelneTiere oder ganze Tierszenen darstellen. Die Umreimung der ursprünglichenProsa mag zu dem Zwecke vorgenommen worden sein, um mit Genesis undExodus zusammen eine fortlaufend einheitliche poetische Form zu schaffen.Sie fällt etwa zwischen 1130 und 1150.

Der Versmacher nahm für seine Reimerei die Prosa Satz für Satz vor,benutzte auch den Wortlaut selbst wo immer nur möglich, stellte um oderfügte, wo es eben nicht anders zu machen war, eigene Reimworte ein.Ebenso unverständig ist die Behandlung der Verse. Ihr Umfang schwankt.Häufig sind sie zu kurz, z. B. do sprach er 79, 5; wir bim ein 79, 9; Derwilde esel 83, 1; Div affine 83, 14; der ir wirt 84, 12; egedehsa 89, 26. l )

') Man kann sein Verfahren Vers für Versnachprüfen. Ganze Perioden sind wörtlichaus dem prosaischen Physiol. aufgenommenworden, wie Karajan 81, 913 = Wilhelm11, 1114, wo die drei Reimpaare einfachauf folgende Weise gewonnen wurden: tiefal-lichen wurde als Bindung zu biswichin benutztund hinter tiefallichen also das Reimpaar be-endet, worauf mit dem zugehörigen Substantiv

Zierden ein neues Reimpaar begann; die zwei-maligen sint ergaben dann das zweite Reim-paar und das dritte stellte sich ohne viele Um-stände ein, indem dieletztenWorterfemetfeurtfeze robe zu dem rovbe des tiufils umgestelltwurden. Zum Reim genügten dem Bearbeiterdie entferntesten Anklänge, schon irgendeinschwaches e(i; z. B. iagent: chumet 74, 11 f.;magede: chunne 74, 19 f.; uolgint : ferit 76,