§ 74. Physiologus.
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der Artikel über den Panther (2) lehrreich: „Ein Tier heißt Panlher und istsanftmütig und ist buntgestaltig und ist sehr schön und ist dem DrachenFeind. Dessen Lebensweise ist so beschaffen, wenn es satt ist, so legt essich in seine Höhle und schläft drei Tage. Dann so steht es auf und läßtunmäßiges Gebrüll erschallen und bringt so süßen Geruch hervor, daß eralle Gewürze überduftet. Dann, wenn die Tiere fern und nahe die Stimmehören, so versammeln sie sich und folgen ihm wegen der Süßigkeit desWohlgeruchs und* der Drache wird so erschreckt, daß er für tot unter derErde liegt. — Der Panther bezeichnet unsern Herrn, der alles Menschen-geschlecht zu sich lud durch die Süßigkeit seiner Gnade. Er war sanftmütig,wie Jesaias sagte: Gaude et laetare, Hierusalem, quia rex tuus venit tibimansuetus. Er war, wie der Panther, buntgebildet durch seine große Weis-heit und durch die Wunder, die er vollbrachte. Er war schöner als je irgendjemand. Nachdem er gesättigt war mit der Pein und mit dem Spott undmit der Geisselung durch die Juden und er gekreuzigt war, da ruhte er indem Grabe drei Tage, wie der Panther tat, und an dem dritten Tage daerstand er von den Toten und wurde das so offenbar gehört über alle dieseWelt, und er überwand den Drachen, den großen Teufel." Abgebildet istalso im Panther das Dogma von der Gnade, der Lehre und den WundernChristi, von der Überwindung des Teufels durch Leiden, Kreuzestod und Auf-erstehung. Auf diese Weise ist der Physiologus eine in Symbolen ausgedrückteSammlung von Glaubenssätzen, welche das kirchliche Dogma bilden.
2. Der jüngere Physiologus.
Hs: Wien 2721, steht zwischen Wien. Genesis und Exodus, auf die Urgeschichte derMenschen also folgt die Geschichte der Tiere.
Der Dialekt der Hs. ist bair.-österreich. Die Heimat des Originals istnicht näher zu bestimmen, doch wird es in Oberdeutschland um 1120 oder1130 entstanden sein. 1 ) Die Endungen sind in der Hs. schon fast ganz ab-geschwächt.
Der jüngere Physiologus entspricht genau dem Pseudo-Chrysostomus,mit wenigen Ausnahmen Satz für Satz, enthält auch alle Tiere (in der Ein-leitung wird der Inhalt angegeben: das Buch erzählt aon tieren unde uonfogilen), nämlich 29 Nummern.
Die Fulica, Wilhelm S. 13, Komm. S. 24 f, gehört mit der vorhergehenden Hyaena zu-sammen, 6 u. 6a; Onager und Simia sind zusammengefaßt, Wilhelm S. 13, Komm. S. 25(7 u. 7 a ). 2 ) Die im älteren Phys. fehlenden Stücke, die auf Lacerta folgen, sind: Hirsch, be-zeichnet die Bußfertigen, ermahnt, daß wir dem Teufel nicht folgen und zu Christus fliehen;Dorcas, Caprea (Steingeiß), liebt die hohen Berge, d. i. Christus, der die Heiligen liebt ;Fuchs =Teufel und Weltleute; Biber = Keuschheit; Ameise = die zehn klugen und törichten Jung-frauen, dann die, welche Geistliches und Weltliches unterscheiden können, endlich die,welche Irrlehrer meiden; Igel = Teufel; Adler = Wiedergeburt durch die Taufe; Pelikan =
') Nach Wilhelm, Komm. S. 45 f. „Schwä-bische Arbeit in bayrischer Umschrift".3 ) Vgl. Mann, Beitr. 11, 324. 327 f.;
Lauchert S. 36 f.; Onager u. Simia sindschon im griech. Urtext vereinigt.