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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, f) Naturwissenschaft.

gehörigkeit der Hss. zu einzelnen engeren Gruppen bestimmt sich nachder Anzahl und der Reihenfolge der Artikel.

Der griech. Grundtext, in dem auch einige Beschreibungen von Steinenvorkommen, fand bald durch Übersetzungen die weiteste Verbreitung in denchristlichen Literaturen und der lat. Physiologus wurde eines der bekanntestenWerke des MA.s, zumal er als Lehrbuch im Unterricht des Quadriviums ge-braucht wurde. 1 ) Sehr alt und wichtig sind die ältere syrische und dieäthiopische Übersetzung, denen andere syrische, die armenische, die arabischefolgten. Zahlreich sind dieiat. Hss., die in zwei verschiedene ÜbersetzungenAB und C zerfallen; eine spätere kürzende Bearbeitung von A B sind dieDicta Chrysostomi De naturis bestiarum (Pseudo-Chrysostomus), 2 ) die imälteren und jüngeren deutschen Physiologus benutzt ist.

Der lat. Physiologus ist zum erstenmal erwähnt im Decretum Gelasianumum 600, in welchem er dem Ambrosius, der häufig auf Stellen daraus Be-zug nimmt, zugeschrieben, aber als apokryph verworfen wird, welches Ver-bot jedoch nie zu praktischer Geltung kam. Entstanden ist er also jeden-falls nach dem Tode des Ambrosius (a. 397), wohl in der 1. Hälfte des5. Jhs. (etwa zwischen 397 und 431). Auf ihm beruhen dann die Über-setzungen in die abendländischen Sprachen, ins Angelsächsische und Alt-englische, ins Altfranzösische und Provenzalische, ins Deutsche und Isländische.Eine spätere lat. Bearbeitung (11. Jh.) mit 12 Artikeln in leoninischen Hexa-metern und andern Metren geht unter dem Namen des Theobaldus, derwohl italienischer Geistlicher war, und fand ebenfalls große Verbreitung. 3 )

Die symbolische Zoologie des Physiologus entspricht der sinnbildlichenDenkweise der christlichen Weltanschauung: Leicht ließen sich diese Tier-geschichten im einzelnen als Lehren verwenden und so ist das Werk seitden Zeiten der griechischen Kirchenschriftsteller für die Verfasser wissen-schaftlicher und erbaulicher Schriften eine Fundgrube gewesen, aus der ge-legene Zitate oder Beispiele entnommen werden konnten. Unter den lat.Kirchenvätern haben ihn besonders Tertullian und Ambrosius, auch Hierony-mus und Augustinus, mit Vorliebe dann wieder Gregor der Große benutzt.Für die deutsche Lit. ist zuerst Notker zu erwähnen, der für Ps. 101, 7. 8u. 103, 17 Bilder aus dem Tierleben einem Psalmenkommentar (dem ver-

) Griech. u. lat. Texte s. bei Lauchert u.Wilhelm; bes. zu berücksichtigen sind Pitra,Spicilegium Solesmense Bd. III, Paris 1885;Martin und Cahier, Melanges d'archeologieBd. IIIV und Nouveaux Melanges 1874;Fritz Hommel, Die äthiop. Uebersetzung desPhysiol, Leipz. 1877; E. Peters, Der griech.Physiol. und seine oriental. Uebersetzungen,Berlin 1898; Mann, Franz. Stud. VI (1888),H. 2; Reinsch, Guill. le Cl., Le Best., 1890;E. Walberg, Le Bestiaire de Philipe de Thaün,Lund et Paris 1900; Mann, Anglia 7, 420 ff.

Der Physiol. als Lehrbuch s. Specht, Unter-richtswesen S. 148 f.; Voigt aaO.

z ) G. Heider, Physiologus nach einer Hs.des XI. Jhs., Arch. f. Kunde Österreich. Ge-schichts-Quellenö (1850), 541582 (vgl. auch583 ff.); die Hs., mit Bildern versehen, be-findet sich im Kloster Göttweih: sie enthält27 Tiere, andere lat. Redaktionen führt Mann,Beitr. 11, 310329 an; krit. Ausg. des lat.Textes von Wilhelm, Komm. S. 1744.

3 ) Mignel71,12171224unterden Werkendes Hildebertus Cenomanensis.