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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur. Anhang : f) Naturwissenschaft.

Herzens um Gnade flehen zu der Getreuen, daß sie alle Sachen aus demAbgrund befreie durch die Ehre ihres Sohnes. Dem Bearbeiter dagegen(179, 26 ff.) ist die Sorge um sich selbst das Nächste, ihm ist Maria vorallem die Mutter des Sohnes, durch dessen Gnade die büßenden Sünderdem Teufel entrissen werden, er schließt daran die ganz persönliche Hoff-nung auf sein eigenes Seelenheil. Und nun stellt er sich selbst in Gegen-satz zu seinem Vorgänger: er scheut sich, seine Sinne zu lenken auf dieGeheimnisse vom Himmelreich, vom Hofstaat der Gottesmutter und vonihrer endlosen Erhabenheit 180, 1 ff. Damit hat er seine Grenzen selbst er-kannt: dem Seelenaufschwung des alten Dichters hat er nicht folgen können,das zeigt auch die matte Nachahmung in den Schlußversen 180, 21 ff.

Bei weitem geringwertiger aber als D ist die jüngere Bearbeitung A.Auch sie besteht in der Hauptsache in einer Glättung der Reime, die aber,wie in D, nicht völlig durchgeführt ist. Das Versmaß erlitt, ebenso wie in D,weniger Eingriffe, jedoch wurden die langen Verse beseitigt. 1 ) Der Text istöfter gekürzt, meist infolge der Assonanzentilgung. Die Änderungen sindweniger durchdringend als in D, dazu mechanisch und ohne Geschick vor-genommen. Der Bearbeiter hat kein poetisches Verständnis, und nicht dasselbständige Urteil wie der von D.

Anhang: f) Naturwissenschaft.

§ 74. Physiologus.

Kelle 2, 60-62. 280 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 460-467 (der alt. Ph.), GD. 1, 200-204(der jüngere pros. und der gereimte Ph.), 2, 294, Nachtr. S. 260 f., Höf. Ep. 3, 721 f. Ausg.:1. Der ältere Ph.: MSD. Nr. 82, II 3 , 408-411; v. Steinmeyer, Kl. ahd. Spr. S. 124134, dazuSeemüller, Gott. gel. Anz. 1918, 53 f., Ehrismann, Anz. 39, 30 f.; v. d. Hagen, Denkmale d.MA.s (1824) S. 5056, dazu Kollation von Graff, Diut. 3, 197 f.; Hoffmann, Fundgr. 1,1722; Piper, Alt. d. Lit. aaO.; Braune, LB. 8 Nr. 25 u. S. 180; Wilhelm, Denkm. S. 420,Komm. S. 1352. 2. Der jüngere Ph.: Graff, Diut. 3, 2239; Hoffmann, Fundgr. 1, 2237; Massmann, D. Ged. S. 311325 u. 158 f.; Lauchert S. 280299. 3. Der gereimte (Mil-stäter) Ph.: Karajan, Spr. D. S. 73106 u. 32 Tafeln, dazu Kollation von Piper, Nachtr.S. 260 f., Wilhelm S.528, Komm. aaO. Scherer, QF. 1,1 f. 7,4-6.12,50; Karl Ahrens,Gesch. d. sog. Physiologus, Progr. Plön 1885; M. Fr. Mann, Beitr. 11, 31032b; Friedr.Lauchert, Gesch. d. Physiologus, Straßburg 1889 (der Ph. im Deutschen bes. S. 116120.155207. 280299) u. Nachtr., Engl. Stud. 14,127 f., dazu Ernst Voigt, ZfdPhil. 22,236242,Mann, Lit.Bl. 1890, 53-55 u. Engl. Stud. 14, 123127 (s. auch 16, 296 f. 297299), GastonParis, Revue crit., nouv. serie XXVII Nr. 24 p. 464468, LC. 1890, 249; Mann, Zur Biblio-graphie des Ph., Anglia Beibl. 10, 274 ff. 12, 13 ff. 13, 18. ff.; A. L. Jelinek, ebda 13, 236 ff.

Der Physiologus 2 ) ist das m.alterliche Lehrbuch der Zoologie. An keinemandern Werke offenbart sich der Begriff der Naturgeschichte, wie ihn dasMittelalter hatte, so schlagend wie hier: nicht das Wirkliche interessiert,sondern das Seltsame, das Wunderbare, aufgefaßt als Bild der Wunder des

') Bruinier S. 4281.

2 ) Zur Physiologus-Literatur s. besondersLaucherts Buch, Piper, GD. und Höf. EpikaaO., Ahrens S. 2, Mann aaO., Wilhelm,Komm. S. 13 f. Einzelnes zur Gesch. des Ph.:

J. Victor Carus, Gesch. d.Zoologie, München1872; Zöckler, Gesch. d. Beziehungen zwisch.Theologie u. Naturwissenschaft, Abt. I, Güters-loh 1877; Eduard Kolloff, Raumers Histor.Taschenb. 4. Folge, 8. Jahrg. (1867), 177269.