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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 73. Drei Lieder von der Jungfrau vom Priester Wernher.

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düngen verlangt. Der Zweck seiner Umarbeitung ist eben der, die Assonanzendes Originals möglichst zu beseitigen, immerhin ist noch mancher Reim un-rein. Folgt der Bearbeiter D also in den Grundsätzen des Reimgebrauchsden neuen, strengeren Anforderungen, so ist es um so auffallender, daß erden Rhythmus freier, also archaistischer behandelt als das Original (O):dieses hatte verhältnismäßig regelmäßigen vierhebigen Bau, mit längerenVersen an Abschnitten, während D unbedenklich mehrsilbige Senkungenzuläßt. 1 ) Mit der Umwandlung der Reime waren auch mehr oder weniger ein-greifende inhaltliche Änderungen verbunden, aber auch ohne solche Gründehat der Bearbeiter den alten Text umgestaltet. So kommt es, daßD vom Original(O) bedeutend abweicht. Der Umfang solcher völlig anders lautenden Text-stellen kann 5 oder 10 oder auch mehr, etwa 30 Verse betragen. Auch ohnedurch Umreimung veranlaßt zu sein verfährt der Bearbeiter ziemlich selb-ständig mit dem Versbestand. Er macht Zusätze, umfangreicher aber sinddie Kürzungen, gegen den Schluß läßt er die ganze Partie von denWundern Jesu bis zu den letzten Dingen weg (= A 44694738) und gleichdarauf fehlt noch die Mitteilung über die Person des Dichters (= A 48094850). Der im Original poetisch gehobene und trostreiche Marienpreis O278290 (Bartsch, Ouellenk. S. 13 f.) ist in D 160, 28 f. auf anderthalbzusammengeflickte Verse beschränkt, ähnlich C b 10771085 gegen D 183,37 f., O 16991712 gegen D 196, 31; ganz abgeschwächt ist auch die Er-scheinung des Engels bei Joseph C b 13001314 gegen D 186, 34 f.; aus-gelassen sind ferner das Marienlob O 10101032 (nach D 182, 20), undgleich darauf C b 10441063 (nach D 183, 25), wo der Inhalt ähnlich ist wiein D 183, 2125. Seltener als die Streichungen sind die Erweiterungen,z. B. die religiös gewendeten Zusätze 166, 4 f. (nach C b 655), 184, 11 13(nach C b 1123 f.), 189, 2527 (nach C» 1402). Auch durch Verschiebungdes Inhalts ändert D: es läßt den Preis der Maria als der Himmels-kaiserin O 602611 weg (D 164, 21), erweitert dagegen ihre klöster-lichen Tugenden D 164, 2933 (nach C b 627). Ein bestimmtes durchgehen-des Prinzip liegt den Änderungen des Inhalts nicht zugrunde. Der poetischeWert des Gedichtes wird durch sie wenig berührt, zuweilen wird er etwasgehoben, zuweilen abgeschwächt. Solche Verschiebungen des seelischenGehalts ändern die Stimmung z. B. an folgenden Stellen: D 153, 1317gegen O 3845; D 159, 1017 gegen O 251275; D 185, 27186, 10gegen C b 12191255. Der Dichter trägt das erhabene Bild der Maria alsHimmelskaiserin in sich (O 863 ff.): die Himmlische thront im Gottessaal,umgeben von den lobsingenden Propheten, Engeln und heiligen Jungfrauen;wir aber, wir Armen, liegen in der Not und wissen nicht, wenn uns der Todungewarnt erfaßt (auch D 180, 26 f.), darum sollen wir aus der Tiefe des

J ) Vgl. Sievers S. 25. 33; S. zeigt auch,daß die Betonungsweise im O und D ver-schiedenist, indem O dipodischen, also volks-

tümlichen, DmonopodischenBau hat; s. auchMSD. II 3 , 161.