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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, e) Mariendichtung.

Anschaulichkeit und Kraft zeichnen die Darstellungsweise aus. Der Stilist reich an Bildern und Vergleichen, 1 ) die die Erzählung beleben. Schondie Verherrlichung der Maria bot deren eine Fülle. Andere sind dem Kriegs-leben entnommen: die Gläubigen sind Gottesstreiter, die Heerscharen, diemit fliegenden Fahnen gegen den Lindwurm ziehen 148, 25 ff.; die dienenunter der Fahne der Jungfrau 160, 26. Wie die Ritter in den Volkskämpfenzu der Fahne strömen, so sollen wir zu dem Stern unsere Zuflucht haben,der das christliche Heer über der Sorgen Meer bringt aus des TeufelsBanden zu dem freudenreichen Lande, wo Gott selber ist, die Sonne, derTag, die Wonne 184, 6 ff. (der Stern ist Maria, maris Stella, die Sonne istChristus, vgl. 147, 10. 1618). Auch der in Sorgen lebt, ist ein Kämpfer:ihr (Anna) war als wie einem Manne, der unter einem Baum schlafend inschwerem Traum befangen liegt, der mit Mühe seinen Feinden entronnenist und erwachend.erkennt, daß alle seine Not verschwunden ist 155, 21 ff.

Der sprachliche Ausdruck ist gewandt, der Satzbau einfach, dochauch untermischt mit Perioden. Unter den stilistischen Mitteln treten diezweigliedrigen Formeln stark hervor, häufig sind auch parallele Ausdrückeund Sätze, 2 ) nicht selten finden sich lat. Worte, 3 ) Zitate, die manchmal ausder Vorlage stammen. Formelhafte Anreden an die Hörer sind maßvoll ver-wendet. Sie beweisen, daß die drei Lieder zum Vortrag bestimmt waren,besonders wohl zum Fest von Maria Geburt, vgl. 160, 24 ff., dazu 161, 30 ff. 4 )Zugleich aber sollten diese auch der Privaterbauung dienen und ihre heil-same Kraft bei Schwangerschaft ausüben 183, 12 ff.

Auffallend Sind die Grundsätze der Metrik: während in der Reimtechnikdie ältere Freiheit unreiner Reime herrscht wobei die Assonanzen nichtmehr sehr stark sind, ist der Versbau ziemlich regelmäßig wie in derklassischen Zeit. Die Schlußzeilen von Absätzen sind oft verlängert. 5 )

D, der Berliner, und A, der Wiener Text, sind Bearbeitungen desOriginals (O), und zwar fällt D, die ältere Redaktion, um 1190, A, die jüngere,ins 13. Jh. 6 ) Für das ursprüngliche Gedicht (O) liegt die Überlieferung 7 )insofern nicht günstig, als die umfangreichsten Bruchstücke, die von C, rechtfehlerhaft sind, auch E, F und G sind nicht zuverlässig, dagegen ist B gut.

Die ältere Bearbeitung ist durch D gut vertreten, da diese Hs. rechtsorgfältig ist, A dagegen, die jüngere Bearbeitung, ist sehr nachlässig. DerVerfasser von D steht auf dem Boden der neuen Reimkunst, die reine Bin-

') Bruinier S. 194 ff.

a ) Zwierzina, ZfdA. 45, 281 Anm.

3 ) Grunewald S. 30 f.

4 ) In der Predigt De Nativitate S. Mariaewurde die Geschichte von Joachim und Annaerzählt, vgl. Honorius Aug. Speculum Eccl.,Migne 172, 999 ff.; Kelle, Speculum Eccl.S. 106 ff.

6 ) W. Grimm, ZGdR., Kl. Sehr. 4, 172;Sievers, r.-m. Stud. S. 23 ff.; Bruinier S. 4181. 235 f.; Steinhäuser S. 5367; Saran

S. 254; Schröder, Gott. Nachr. 1918, 407.424. 428; Bethmann, Palaestr 30, 112.

6 ) Ueber das Verhältnis von Original, Dund A untereinander s. bes. Bruinier, Stein-häuser, Sievers. Ueber das Verhältnis vonKonrad v. Fußesbrunnens Kindheit Jesu zuWernhers Marienliedern s. Kochendörfferin 'seiner Ausgabe S. 36 ff. und Schönbach,ZfdA. 27, 65 ff.

7 ) Bruinier S. 1240.