§ 73. Drei Lieder von der Jungfrau vom Priester Wernher.
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Geschichte des Textes mit Angabe der Quellen, Matthäus als Verfasser deshebräischen Originals, Hieronymus als Übersetzer, um dann wieder auf sichals den Verdeutscher überzugehen. Seinen Namen nennt er am Eingang deszweiten Liedes: der pfäffe heizet Wernhere, der des lides began 163, 1 f.,ausführlich spricht er über die Entstehung seines Werkes im Epilog (A,Feifalik 4809—4850, fehlt D). Er nennt sich hier nochmals: ein priester,Wernher geheizen; ein Priester namens Manigolt hat ihn auf den Stoffverwiesen und ihn in sein Haus aufgenommen, bis das Gedicht fertig war.Auch die Zeit gibt er an und zwar genau das Jahr 1172; und kurz daraufnochmals, unter chronikartiger Zitierung wichtiger Ereignisse (D 212, 7—13und ausführlicher A 4851—4871). Der Dichter war demnach ein Welt-geistlicher, der um 1170 in Baiern, oder vielleicht in Augsburg, dichtete,und sein Gönner Manigolt kann Domgeistlicher gewesen sein. 1 )
Die 3 Lieder 2 ) sind genau abgegrenzt, das 2. und 3. haben eigene Ein-leitung und eigenen Schluß, das 1. endet mit einer Bitte um die ewigeSeligkeit. Der Dichter scheidet sie nochmals am Ende des Ganzen mitkurzer Inhaltsangabe eines jeden Liedes: Geburt der Jungfrau, ihre Ver-mählung, Geburt ihres Sohnes 212, 14—20.
Die von dem Dichter selbst in der Einleitung angegebene Quelle istdas apokryphe Pseudo-Evangelium Matthaei, Liber de ortu BeataeMariae et infantia Salvatoris, a beato Matthaeo evangelista hebraice scriptuset a beato Jeronimo presbytero in latinum translatus. 3 ) Doch hat er eine
') Vgl. Schröder, Gott. g. A. 1884, 569;Kochendörffer S. 144
') Liet nennt er das ganze Gedicht gleichin der ersten Zeile: Eines liedes ich beginne147, 1, und dann noch 3mal in der Ein-leitung: 148, 5. 15. 149, 29, ferner am Anfangund am Schluß des 2. Abschnitts 163, 2. 182,43; am Anfang des 3. Teils, 182, 45, be-zieht sich liet nur auf den einzelnen Ab-schnitt, nicht auf das Ganze, und desgl.ausdrücklich in A 2552 (fehlt D), 184 D, 6 =2579 A und am Schluß 212, 15. 17. 19 = 4872.4878. 4881 A. Genauer faßt er alle 3 Ab-schnitte als diu driu liet zusammen in derEinleitung zum dritten 183, 12 D, 2505 u.2540 A {diu buchet driv 183, 21 D, 4816 A(fehlt D); 212, 14 D = 4870 A, diu geistlichenliet 4830 A (fehlt D). Vgl. Schwietering,Singen und Sagen S. 6 f. 13.
3 )DieApokryphendes neuenTestamentessind Jesuslegenden, Dichtungen über Lebens-verhältnisse des Herrn aus den Zeitabschnitten,die in den neutestamentlichen Schriften nichtoder nur kurz behandelt sind. Sie sind ent-standen aus dem frommen Bedürfnis, denLebensgang des Heilands ganz und möglichstlückenlos zu besitzen. Das älteste apokrypheEvangelium über die Vorgeschichte und dieJugend Jesu ist das griechische Protevange-lium Jacobi, dem Bruder des Herrn zu-
geschrieben, das schon ins 2. Jh. fällt undweit verbreitet war. Das gnostische griechischeEv. Thomae ist nach dem Protevangeliumdas älteste; jünger ist das dem EvangelistenMatthaeus beigelegte lat. Ev. Pseudo-Matthaei (5. Jh.), ferner das ursprünglichkoptische Ev. De nativitale Mariae und dasursprünglich arabische Ev. infantiae arabicum.Sie alle wurden ins Lat. übersetzt. Vgl. Real-encyklop. I 3 , 653 ff. Ausgaben der apokr.Evangelien: Thilo, Codex apocryphus noviTestamenti, 1832; Constantinus de Tischen-dorf, Evangelia apocrypha, 2. Aufl. 1876;Rob. Reinsch, Die Pseudo-Evangelien vonJesu und Maria's Kindheit in der roman. u.germ. Literatur, 1879. DasEv.Pseudo-Matthaeiist hgb. von Schade, Liber de infantia Mariaeet Christi salvatoris ex codice Stutgart.,Univ.schrift Königsberg 1869; bei ThiloS. 339—400, Tischendorf S. 51—112; vgl.auch Steinhäuser aaO. Die Hss. des Pseudo-Matth. weichen oft sehr voneinander ab. —Das Ev. Pseudo-Matthaei wurde von Hrots-vitha in lat. Hexameter umgearbeitet (ed. Paulv. Winterfeld, Hrotsvithae Opera S. 5—29,vgl. LG. I, 379), sie selbst allerdings nenntin der Ueberschrift als Quelle fälschlich dieHistoria rtativitatis . . . quam scriptam repperisub nomine Sancti Iacobi fratris Domini(vgl. Schade S. 6 f.).