218 A. Geistliche Literatur, e) Mariendichtung.
von Büchern, die sich einst im Katharinenkloster in Nürnberg befanden. Der Dialekt vonC ist thüring., aber die Vorlage war bair.
G. Drittes Münchener truchst., 2 Pergamentstückchen, Ende d. 13. Jhs., vgl. Keinz aaO.S. 305—307, Ausg.: Bartsch, Quellenkunde S. 58 f. Der Dialekt ist bair. Die 3 MünchenerBruchstücke B C 3 G sind vereinigt unter Cgm. 5249 Nr. 2.
Die Hss. zerfallen in 3 Klassen: die Bruchstücke BCEF, die Berl. Hs. D und die WienerHs. A 1 ). Die 3 Gruppen stellen 3 Textstufen dar, BCEF enthalten die ursprüngliche Fas-sung des Gedichtes, also den Text des Originals, = O.
Inhalt (nach D, Hoffmann). Erstes Lied. Joachim und Anna 147,1 — 162,32.Einleitung 147, 1—149, 40: Anrufung der Mutter Gottes (147,1—24). Persönliches Bitt-gebet an Maria (147, 25—148, 6). Angabe der Quelle (148, 7—149, 21). Gegen die übel-wollenden Kritiker (149, 22—40). — Die Erzählung: Joachim, sein Geschlecht (149, 41—151, 14). Verlobung mit Anna (151, 15—152, 5). Wegen ihrer Kinderlosigkeit werden sieaus dem Tempel verbannt; Joachim flieht wegen der Kränkung in die Einöde (152, 6—153, 6). Annas Kummer und Gebet (153, 7—154, 24). Ein Engel verkündigt ihr die Geburteiner Tochter, von der der heilige Christ kommen werde; die Magd, die sie pflegen sollte,verläßt sie unter Beschimpfung (154, 25 — 156, 5). Ein Engel verkündigt Joachim die Geburteiner Tochter und mahnt ihn zur Heimkehr (256, 6—158, 40). Der Engel befiehlt Anna,ihren Gatten zu empfangen; das Wiedersehen (158, 41—159, 35). Die Geburt Mariae (159,36 — 160,36). Darstellung der dreijährigen Maria im Tempel; Lobgesang ihrer Mutter Anna(160, 37—161, 29). Wir sollen die Frommen des alten Testaments anrufen, denn sie sind imHimmelreich den Engeln gleich (161, 30—162, 32).
Zweites Lied. Von der Jugend der Maria bis zur Heimsuchung 162, 33—182,44. Einleitung 162, 34—163, 24: Mariengebet, Verfasser der Lieder 163, 1 f.; dieQuelle: Matheus 163, 5. — Die Erzählung: Maria als Klosterschiilerin im Tempel (163,25—165, 29). Der Bischof Abiatar wirbt um sie für seinen Sohn, sie aber will GottesBraut bleiben (165, 30—167, 20). Die Gertenprobe: Josephs Stab entschwingt sich die Taube,er lehnt die Vermählung mit Maria ab, nimmt sie aber in sein Haus auf (167, 21—172, 24).Maria gehorcht Gottes Willen (172,25—173,39). Die Vermählung (173,40—175,7). Josephmuß eine Reise machen, Maria und die Mägde arbeiten zu Hause, Spott der Mägde; Er-scheinung eines Engels (175, 8—177, 17). Erscheinung Gabriels, Maria empfängt das Kind;Menschwerdung Christi; die Weissagungen auf Christus. Der Dichter ist aber nicht fähig,die Herrlichkeit der Himmelskönigin in Worten auszusprechen. Gabriel zeigt Maria an, daßElisabeth ein Kind gebären wird (177, 18—181, 4). Die Heimsuchung (181, 5—182, 44).
Drittes Lied. Von der Heimsuchung bis zur Heimkehr aus Ägypten 182,45—212,20. Einleitung 182,45—184,23: Inhaltsangabe: Heilkraft der drei Lieder; Gebetan die Jungfrau. — Mit 184, 6 beginnt nach nochmaliger Aufforderung an die Gläubigen undWiederholung des Inhalts vom vorhergehenden Liede (184, 6—23) die Erzählung: Josephkehrt nach Haus zurück; er ist betrübt über den Zustand Marias; er will fliehen; ein Engelklärt ihn auf (184, 24—187, 31). Sie werden vor Gericht geladen, Maria soll als Ehebrecheringesteinigt werden, sie reinigen sich durch die Wasserprobe (187, 32—191, 17). Das Ediktdes Augustus (191, 18—192, 34). Joseph und Maria ziehen nach Bethlehem; Vision derMaria; die traurige und die freudige Schar (192, 35—195, 8). Die bibl. Geschichte bis zurHeimkehr aus Ägypten mit symbolischen Erklärungen (195, 9—211, 4). — Schluß: Warnungvor der Welt. Gebet zu Maria mit dem Ausblick auf die himmlische Seligkeit (211, 5—212, 6).Erzählung von den Wundern, Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und dem jüngsten Gericht(A 4469—4738, fehlt D). Angabe der Abfassungszeit (A 4809-4850, fehlt D). Inhaltsübersichtüber die drei Lieder (212, 7—20).
Der Dichter bringt mit Vorliebe literarische Angaben über sich und
sein Werk. Im Prolog 148, 7 ff. gibt er einen kurzen Überblick' über die
] ) Das Bruchst. G gehört jedenfalls nicht zu der Bearbeitung, die durch A vertreten ist.