§72. Marienlob. §73. Drei Lieder von der Jungfrau vom Priester Wernher. 217
eigentliche Marienlob, der Hauptteil, ist eine Erklärung des Jesaiasspruches.Der Stil ist, außer in der letzten Strophe, didaktisch, nicht lyrisch, daskommt besonders zum Ausdruck in der Aufzählung 3, 11—24 und in denFormeln 1, 21. 2, 4. 8. 3, 12. 17. 20.')
Metrik. 2 ) Das Gedicht ist kein Lied, die Rhythmik ist nicht musikalisch,es sind Sprechverse, sie bewegen sich im mittleren Längenmaß. Die inhalt-lich gehobene eigentliche Lobpreisung (Str. 5) ist ziemlich regelmäßig ge-baut. Die Reime sind großenteils unrein, aber die Assonanzen sind nicht schwer.
§ 73. Drei Lieder von der Jungfrau vom Priester Wernher.
Kelle 2, 200—204. 382—384; Piper, QD. 1,249—260, Höf.Ep.3, 723. —Ausg.: Oetter,Nürnb. und Altdorf 1802 (Berl. Hs.); Hoffmann, Fundgr. 2, 145—212 (Berl. Hs., s. auch 1,242—244); Jul. Feifalik, 3 ) Wien 1860, dazu Bartsch, Germ. 6, 117—123, auch Bartsch,Herzog Ernst S. XXXII. — Scherer, QF. 12, 95—100, D. Stud. 1, 14; J. W. Bruinier, Diss.Greifsw. 1890, dazu Karl Kochendörffer, Anz. 19, 137—150, John Meier, LitBl. 1892,147—152; Paul Steinhäuser, Wernhers Marienleben in seinem Verhältnisse zum „Liberde infanlia sanctae Mariae et Christi salvatoris" nebst einem metr. Anhange, Diss. Rostocko. J. (1890), dazu Kochendörffer aaO.; Sievers, Forsch, z. d.Philol, Festgabe f. HildebrandS. 11—33 und Rhythmisch-melodische Studien S. 9—35; Beissel S. 117 ff.
Hss.: 4 ) D. Berliner Hs., 5 ) Ms. germ. oct. 109, Perg. kl. 4°, 91 Bl. mit 85 Miniaturen, vomEnde des 12. Jhs. Hgb. von Oetter aaO. und Hoffmann aaO. Der Dialekt ist bair.-österreich.
A. Wiener Hs. Nr. 2743,°) Perg. kl. 4°, 103 BL, von der Mitte des 13. Jhs., enthält:Die Manunge Marien (Mariengebete) Bl. 2a—7a, Wernhers Marienlieder Bl. 9 a —74 b , dieKindheit Jesu von Konrad v. Fussesbrunnen 74 b —101 b , die fünf Manunge Marien lat. 101 b —102 b . Hgb. von Feifalik aaO. Der Dialekt ist bair.-österreich.
Bruchstücke: B. Docens Bruchst. (erstes Münchener Bruchst, Perg.blatt kl. 8°, 2. Hälftedes 13. Jhs., Ausg.: Docen, Aretins Beitr. z. Gesch. u. Lit. 7, 119—124; Docens Miscellaneen2, 103—108; Hoffmann, Fundgr. 2,213 f.; Wackernagel, LB. 5 S. 405—408; Keinz, MünchenerSB. 1869, 296—298 (302 f.). Der Dialekt ist bair. oder alemann.
E. Nürnberg, Germ. Mus., 7 ) Perg.blatt kl. 8°, Ende des 12. Jhs., Ausg.: Bartsch, Mones,Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 1862, 112—115.
F. Augsburg, Stadtbibl., 4 Perg.blätter gr. 4°, 12./13. Jh., Ausg.: Bened. Greiff, Germ. 7,305—330. 8 ) Der Dialekt ist bair. oder alemann.
C. Bruchstücke (ein Codex Diseissus), zusammen 24 Bl. und 21 Streifen, Perg. 8°, Anf.d. 14. Jhs.: C 1 Hofbibl. Karlsruhe, 4 Bl., Ausg.: Mone, Anz. f. Kunde d. d. MA.s 7 (1837),156—164; Bartsch, Germ. 12, 85 f. — C 2 Berlin, Kgl. Bibl. qu. 1303, 18 Bl. und 14 Streifen,Ausg.: Bartsch, Quellenk. S. 6—57. — C 3 München (Zweites Münchener Bruchstück)1 Doppelbl., Ausg.: Keinz aaO. S. 298—305. — C 4 Universitätsbibl. zu Breslau, 5 Streifen,Ausg.: Jos. Klapper, ZfdA. 50, 167—172, als zu Wernhers Marienliedern gehörig erkanntvon Vogt, ebda 53, 381—384. — Die Bruchstücke C 1 und C 4 stammen aus Einbänden
») Lat. Wörter s. Grünewald S. 8.
2 ) Münscher S. 75 ff. — MOllenhoff hatin MSD. 5 gleiche Strophen zu 24 Zeilenabgeteilt, eine solche Regelung wird durchden Inhalt nicht erfordert und widersprichtden durch die großen Buchstaben bezeich-neten Abschnitten der Hs.
3 ) Eine krit. Ausgabe mit Zugrundelegungvon D und Beiziehung aller Fragmente fehltnoch.
4 ) Feifalik S.VII ff., dazu Bartsch, Germ.6, 117 ff.; Schade, Liber de Infantia S. 7 f.;
Bartsch, Beitr. z. Quellenkunde S. 1 ff.;Bruinier S. 1—35; zur Berl. Hs. s. außerdemHoffmann aaO. S. 145 f.
5 ) Ueber die Miniaturen: Franz Kugler,De Werinhero saec. XII monacho Tegern-seensi usw., Berol. 1831 u. KI. Sehr. 1,12—37.
6 ) Pfeiffer, Germ. 5,247; Kochendörffer,Kindheit Jesu, QF. 43 S. 4 u. S. VII; BruinierS 3.
'')' Vgl. Vogt, ZfdA. 53, 382.8 ) Vgl. Leitzmann, Beitr. 41, 378.