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A. Geistliche Literatur, e) Mariendichtung.
Die Verse 1 ) sind ziemlich regelmäßig, die Strophen hatten immer diegleiche Melodie, denn sie sind gleichförmig gebaut. Unter den Reimenfinden sich noch einige stärkere Assonanzen.
§ 69. Arnsteiner Marienlied.
Kelle 2, 75—77. 286 f.; Piper, GD. 1,821 Nachtr. S. 245-250, Höf. Ep. 3, 721. —-Ausg.: Benecke, ZfdA. 2,193—199; MSD. 3 Nr.38, II 3 , 237—244; Piper, Nachtr. aaO.; Waag,Kl. d. Ged. 2 S. 124—134 u. Einl. S. LXXIX—LXXXIII. — Scherer, ZföG. 19 (1868), 736 u. Kl.Sehr. 589 f., QF. 12, 37f.; Jellinghaus, ZfdPh. 15, 345—358; Schröder, ZfdA. 47,124; v. D.Leyen, Kl. Beilr. S. 62 ff.; Wolffskehl u. v. d. Leyen S. 120—123. 221 f.; Beissel S. 114ff. 213.
Hs.: 2 ) Staatsarchiv zu Wiesbaden, vorher im Zentralarchiv zu Idstein, aus dem ehemaligenMarienkloster (Prämonstratenserabtei) Arnstein an der Lahn stammend, Ende des 12. Jhs.,ein Psalterium, enthält Bl. 129 b —135 b unser Gedicht.
Das Lied ist gedichtet von einer Frau (123. 219, vgl. auch 156 ff.), einerNonne, ist also in einem Nonnenkloster für geistliche Frauen entstanden.Der Dialekt paßt zu Arnstein, wo sich die Hs. einst befand. Er ist rheinfrk., 8 )Arnstein liegt an der Grenze des Rheinfrk. und Mittelfrk., aber entstanden istdas Gedicht nicht in Arnstein selbst, denn dieses war ein Mönchkloster,, GrafLudwig von Arnstein hatte seine Burg im Jahre 1139 in ein Kloster zu Ehrender Maria und des heiligen Nikolaus umgewandelt, das er selbst mit einer An-zahl seiner Ritter bezog und mit Prämonstratensermönchen besiedelte. 4 ) Viel-leicht war die Verfasserin Insassin eines der Nonnenklöster, die von Arnsteinaus gestiftet wurden. 5 ) Um 1150 wird das Gedicht verfaßt worden sein. 6 )
Inhalt. Das Gedicht zerfällt in zwei Teile: A. Die Mariensymbolik 1—77, erzählend-belehrend, enthält sechs Bilder für die Magdgeburt. — B. Der zweite Teil, das Mariengebet78-325, beginnt und schließt mit einer Lobpreisung der Maria 78—119 u. 292 bis Schluß.Zwischenhinein fallen die Bitten 120—291. Diese spricht die Betende zuerst für sich selbst120—225 (Ich-Gebet, ich, mig artnez wlf), die persönliche Bitte beginnt und schließtmit der Eigenschaft der Mutter Maria als Fürsprecherin 7 ) bei ihrem Sohn (124—131. 222—225), dann für alle armen lüde (reuigen Sünder 262) 226—279 (Wir-gebet, uns), zum Schlußfür die ihr persönlich Nahestehenden {die mine sunderholden 281) 280—291.
Gegen den Schluß steigert sich die seelische Ergriffenheit der betendenFrau, gehobener werden die Worte der Verehrung für die himmlische Gnaden-mutter von der Stelle an, wo sie um Erbarmen fleht für alle die Armen,die in der Verbannung der Trösterin dienen und sie von Herzen lieben (226 ff.),und der Schluß (292 ff.) klingt aus in ein hymnisches Preislied der Königin,der milden, der süßen, der gnädigen Maria. In planmäßigem Aufbau ent-wickeln sich die großen Gedankenzüge, während die Einzelmotive nicht instrenger Ordnung gebunden sind. 8 ) Die Verse der Symbolik bis 63, eben
») Saran S 257.
2 ) MSD.1I 3 , 237 f.; Jellinghaus S.345-347.
3 ) K. Wagner, ZfdM. 1921, 137 f.
4 ) MSD. II , 241; Wattenbach, GQ. Reg.unter Arnstein. K. Roth, Kl. Beitr. I H. 1S. 38, H. 8 S. 152.
5 ) Kelle 2, 76 f.
6 ) MSD. S. XL.
7 ) Vgl. die Marienbitte der Vor. Sündenkl.
11—290 (14 ff. 283 ff.).
8 ) Eine ähnliche Anlage wie das ArnsteinerMarienlied hat das gereimte Officium De con-ceptione s. Mariae virg (Hs. 12. Jh.) Mone2, 8—12, vgl auch ebda S. 355-357 (12. Jh.).— In der allgemeinen Bitte und dem Lob-gebet am Schluß 226—325 kehren Gedankendes Salve regina wieder: ad te suspiramusgementes et flentes in hac lacrimarum valle —