§ 68. Melker Marienlied.
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In einer Fülle von Bildern wird Maria gepriesen als die jungfräulicheMutter des Gotteskindes und in vielen anderen Eigenschaften voll Herrlich-keit, so daß sie von großem Glanz umflossen ist. Es ist die typische Marien-darstellung dieser m.alterl. Lyrik: nicht ein Heiligenbild, in dem die einzelnenZüge zu einer schönen, erhabenen oder rührenden Menschengestalt zu-sammengefügt sind, sondern es ist eine Häufung von Motiven aus demallegorischen Bilderschatz, entsprechend der typologischen Behandlungs-weise der Kirche.
Eine durchgehende Ordnung 1 ) besteht nicht bei dieser Methode derAneinanderreihung einzelner gegebener Teile, doch schließen sich gewissedenkgemäße Assoziationsgruppen zusammen. In dem Melker Liede sind diedrei ersten Strophen inhaltlich und formal gleich: drei Szenen des altenTestamentes werden erzählt, Aarons Mandelstab, Moses' Feuerbusch, GideonsLammfell, und werden am Schluß jeder Strophe auf die jungfräuliche Ge-burt gedeutet. Str. 4 enthält nicht nur eines, sondern vier Bilder; Str. 5—8gehören zusammen: der Stamm, aus dem Maria erwuchs 2 ) und die Geburtdes Erlösers; Str. 9. 10 und 11, 1—4: wieder eine Bilderaufzählung und zwaraus dem hohen Lied und aus Sirach außer 9, 1 f. (Ezechiel 44, 1 f.); Str. 11,5—13, 2: Eva—Maria, Tod und Leben; 13, 3—14, 4 nochmals kurze Bilderund Preiswerk, die in der letzten Strophe (14) auf den Himmel deuten undübergehen in den Schluß mit der Bitte um Beistand am Ende 14, 5 f.
Der Inhalt des Melker Liedes steht dem Sermo in Annunciatione S. Mariaedes Honorius Aug. sehr nahe (Migne 172, 901—908), fast alle seine Motivefinden sich hier, so daß die Predigt wohl die Quelle des Liedes gewesensein kann. 3 )
Die Formung der Gedanken entspricht doch nichtvöllig dem knappenStil eines lat. Hymnus, 4 ) wo sie rasch, oft Zeile für Zeile, wechseln, sondernsie geht in der Mehrzahl der Strophen ins Breite, mehr episch und erklärendwie im Stil einer Predigt, was zumal in den drei ersten Strophen hervortritt,die ja in dem Sermo des Honorius wahrscheinlich ihren Ursprung haben.Das deutsche Melker Marienlied ist also in der Form nicht die genaueÜbertragung eines lat. Hymnus. Die Sätze allerdings sind kurz, in Parataxeaneinandergereiht, die sprachliche Architektonik also ist einfach und kraft-voll wie in den Hymnen und wie im Ezzolied. Mehrere der Sinnbildersind in ihrer lat. Form angeführt. 5 )
') Scherer, ZföG. aaO., QF. 12 aaO.;s. auch MSD. II 3 , 248; Steinmeyer, ZfdA.20, 127.
2 ) Sprenger, ZfdPh. 26, 285.
3 ) Die drei in dem Liede weiter ausgeführ-ten Beispiele Str. 1. 2. 3 sind die gleichenwie in der Predigt (Sp. 904 A—D), hier nurin der Reihenfolge Moses, Aaron, Gideon(außer diesen dreien hat Honorius nur nochdas Bild vom Manna); an die Erzählungschließt sich auch hier jeweils die Auslegung
an. Wie im Liede folgt dann auch in derPredigt die Abstammung der Maria und zwarentspricht Hon. 904 D der Str. 6 und 4, wäh-rend die Entsprechung von Str. 5 erst amSchluß der Mariensymbole Hon. 906 A an-gebracht ist. Von Str. 7 an kommen nur nocheinzelne auch in der Predigt enthaltene Mo-tive vor: Str. 9,'l =-- Hon. 905 A; Str. 11, 6 ff.vgl. Hon. 903 A B; Str. 13, 3 vgl. Hon. 903 D.
4 ) Vgl. Ehrismann, Beitr. 34, 177 ff.
5 ) Grünewald S. 8.
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