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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, e) Mariendichtung.

S. 937939). Man muß sich immer vergegenwärtigen, daß das lat. Kirchen-lied zum Gesang bestimmt war. Gesungen wurde das Lob Gottes und derHeiligen und von Instrumenten begleitet, mit der Musik findet der DienstGottes die höchste Weihe. Eine reiche, großartige Formensprache wurdegeschaffen und entwickelte sich besonders seit dem Aufkommen der Se-quenzen. 1 )

Unterschieden werden die lat. Kirchenlieder der Form nach als Hymnenund Sequenzen, 2 ) jene mit gleichgebauten, diese mit ungleichen Strophen,die oft in zwei gleiche Hälften zerfallen, und sehr künstlichen Verssystemen.Danach teilen sich auch die Marienlieder ein in Marienhymnen undMariensequenzen.

Der Stil der Marienlieder ist in der Hauptsache hymnisch, d. h. es sindPreisgesänge zur Verherrlichung der Mutter Gottes. Die Motive sind überausmannigfaltig, aber sie wiederholen sich immer und bewegen sich in einigenwenigen Gedankenkreisen: Eigenschaften der Mutter des Erlösers und derHimmelskönigin, Ereignisse ihres Lebens, besonders die jungfräuliche Geburtund die Verkündigung durch Gabriel und hiermit die Fülle der Sinnbilderund Beiwörter, in denen das Marienwunder verkleidet dargestellt ist. Meistmacht eine Bitte an die heilige Jungfrau den Abschluß. Aber das kirchlicheLied ist zur Ehre der heiligen Personen bestimmt und darum nehmen dieTeile, welche die Bitte enthalten, einen bei weitem geringeren Raum ein alsdie dem Lobpreis dienenden. Der Stil ist gedrängt, die Gedanken sindknapp ausgedrückt und folgen sich rasch, so daß viel Vorstellungsgehaltmit geringem, aber bedeutungsvollem sprachlichem Material ausgedrücktwird. Unter dem Einfluß der Marienverehrung bei den Cisterziensern undPrämonstratensern entstand etwa seit dem 3. oder 4. Jahrzehnt des 12. Jhs.nach dem Vorbild der lat. eine deutsche Marienlyrik. Die uns erhaltenenDenkmäler sind nicht unmittelbar Nachahmungen lat. Vorbilder, sondern siehaben in Stil und Inhalt manches Eigentümliche.

§ 68. Melker Marienlied.

Kelle 2, 78. 287; Piper, GD. 1, 290293, Höf. Ep. 3, 723. Ausg.: B. Pez, Thesaurusanecdot. nov. tom. I pars 1, 415 f.; Hoffmann, Fundgr. 2, 142144; W. Wackernagel, Ad.Lesebuch 3. Ausg. (1859), 163166; Jos. Strobl, Wien 1870, dazu Scherer, ZföG. 21 (1870),187-193u. Kl. Sehr. 1, 597-603; MSD. Nr.39 u. II 3 , 244248; Waag, Kl. d.Ged. 2 S. 173176u. Einl. S. CVICVIII; V. D. Leyen, Kl. Beitr. S. 62 ff.; Wolfskehl u. v. d. Leyen S. 110119.221. Scherer, QF. 12, 55 f.; Kraus, ZföG. 45 (1894), 139; Beissel S. 114 ff.

Hs.: Bibl. des Klosters Melk Cod. J 1. Das Marienlied wurde um 11401150 eingetragen.Rechts neben dem Liede stehen Noten, wohl erst aus dem 15. Jh., die wahrscheinlich nichtsmit ihm zu tun haben.

Das Lied ist um 1140 in einem Kloster des Österreich. Donautals ent-standen. 8 ) Es ist ein Chorgesang in 14 sechszeiligen Strophen, deren jededurch den Refrain Sancta Maria abgeschlossen wird.

s ) Wilhelm Meyer, Fragmenta BuranaS. 166 ff.2 ) Siehe LG. I, Reg. unter Hymnen, Se-

quenzen, u. bes. S. 84.

3 I MSD. I' S. XXXIX; Vogt, Beitr. 45,459 ff.