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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.

handelten (165 Scheidung der guten und unrechten Knechte Vom Rechte11 f.) in die Hölle verstoßen (162 189); er ist der rechte Meister (Herr)des Feindes, den er in den Abgrund verstieß (1000 ff.); Gott ist der ge-rechte Richter (734). Die Braut erlangt das Recht, das am jüngsten Tagbesteht (1075 f.).

Wie im Rechte kommt auch in unserm Gedicht der soziale Sinn desChristentums zur Geltung: die Menschen sind gleich vor Gott, über Armeund Reiche kommt das Gericht (383394); alle wollen gleicherweise zuder himmlischen Pforte (421430. 431436); alle will Gott erhöhen (840853); dem Reichen werden besonders die Lehren der Barmherzigkeit undchristliches Leben eingeschärft (482509); der Arme soll beten, arbeitenund zu Gott guten Willen haben (562569). Der Reiche kümmert sichnicht um den Armen, freilich fügt sich auch der Arme, nicht dem Reichen,aber der Reiche hat auch mehr Verantwortung: er soll sich des Armen er-barmen (860877); ein langer Kampf geht durch die Welt, der der Hoch-mütigen gegen die Armen, aber am jüngsten Tag wird Gott den Hochmutzu Fall bringen (740753). Wie alle Prediger, und wie das Evangeliumselbst, steht auch unserer auf Seite der Armen.

Die Bedeutung des Priesters für das Heil des Laien hebt auch der Dichterder Hochzeit hervor: hier ist er der Beichtvater, im Recht ist er Lehrer undVorbild. Bilder aus dem Bauernleben bringt auch der Dichter der Hochzeit:sie sehen sich vor in der Ernte und richten sich ein nach der Witterung(417 ff.), sie helfen den früheren Tagelöhnern reuten (423 ff., vgl. VomRechte 98 ff.). Andere gleiche Vorstellungen in beiden Gedichten: Gott alsgerechter Richter (Vom Rechte 3 f., Hochz. 734); Bestrafung Lucifers (VomRechte 206 ff., Hochz. 162 ff. 812 ff. 1007 ff.), die Menschen sind GottesKinder (303. 538 = 411 f. 1069), Gottes Knechte (5. 12. 6695. 96146.380 = 10431050); Adam als der erste Mensch (460 f. = 850852. 1019 f.);das Weib schmückt sich (411 f. = 15 ff., als Braut 251 ff. 280 ff.), die Ver-wandten geben es dem Manne (413 = 222 f.) mit rechtsgültiger Vermäh-lung (395 f. = 226 f.).

Die Sprache erinnert auf Schritt und Tritt an das Gedicht Vom Rechtedurch gleiche Wendungen, Verse, Reime, der Stil bewegt sich in ähnlichenFormen. 1 ) Da auch Versbau und Reimkunst 2 ) übereinstimmen (dieHoch-zeit" hat etwas mehr unreine Reime), so wird man beide Gedichte einund demselben Verfasser zuschreiben müssen.

Unser Gedicht von der Hochzeit gehört mit der Allegorie vom Seelen-bräutigam zur m.alterl. Literatur des Hohen Liedes, 3 ) die in Deutschland

') Kraus S. 1922. 23-38; Beziehungenzur Deutung der Meßgebräuche wie im Ge-dicht Vom Rechte und zufällige Ueberein-stimmungen mit andern Gedichten ebdaS. 4257. 105126. Lat. Worte s. Grüne-wald S. 26.

2 ) W. Grimm, ZGdR. Kl. Sehr. 4, 165;Kraus S. 6 f. 40-42. 55.

3 ) Die Quellen: Raab, Allegor. MotiveS. 15 f.; Löbner S. 28; Kraus S. 6285.Aus dem Vorstellungskreise des Physiologusstammen 580 ff. 818 ff.