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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 67. Die Hochzeit. 203

Geiste in Symbolen verständlich gemacht wird, das spricht im Schlußgebetdas Herz aus in schlichten, aber aus der Tiefe quellenden Worten:Be-schirme uns Gott vor der kranken Hölle und mache unsere Seele gesund,daß er unser Vater werde und wir als Kinder in sein Reich kommen." DerIdee des Erlösungswerkes, das sich in jenen Grundgedanken entwickelt,entspricht auch die Erzählung in ihren Hauptlinien: der Bräutigam imGebirge ist Gott im Himmel, die Braut im Tale die menschliche Seele(später die Jungfrau Maria 790799. 880891); er sendet seine Leute zuihr auf die Fahrt: Gott sendet die Menschen zum jüngsten Gericht; dieBraut badet und schmückt sich, so reinigt sich die Seele von Sünden inder Beichte; er führt die Braut zur Hochzeit in sein Reich wie Gott dieSeele in den Himmel.

Nun aber steht-die Hochzeit" in engem Zusammenhang mit dem Ge-dicht Vom Rechte, sowohl formal in Einzelheiten des sprachlichen Ausdrucksals inhaltlich, und hier zwar eben hauptsächlich durch die Betonung desRechtsbegriffs, denn auch hier werden die menschlichen Handlungenunter den Gesichtspunkt des Rechts gestellt. Das Recht aber ist hier ganzausgesprochen der Wille Gottes, der rechte Glaube, das rechte Christentum,das christliche Leben. Die Gerechten sind die, die immer Gottes Willentaten, sie werden aus der Hölle erlöst (10371040); 1 ) der gute Knecht istder Christ (91), der den neuen Bund hält (95100), der das (Gottes) Rechtliebt und gegen die Hölle kämpft, der Gottesknecht, der Gottesstreiter (101144); unter seine Knechte, die ihm mit Recht (mit dem Glauben) dienen,verteilt der Herr seinen Reichtum (510513); die guten Knechte bringtGott zu ihrem Recht, in die himmlische Zelle (10431050); wir sollen dierechten Wege gehen (522557); der rehte und der guote bessert seinensündigenden Nächsten (395397); der Reiche soll dem Unrecht wehren(504); wenn wir recht wandeln, werden wir erhabener als die Engel (846849); der Demütige, der sich um das Recht (den Glauben) erniedrigt, wirderhöht werden (943 f.). Auch der Bräutigam in der Parabel ist der guotekneht, der gute Ritter: er heiratet umbe daz reht einen Erben zu gewinnen(210212), einen Rechtsnachfolger (vgl. daz chint daz ist daz dritte rehtVom Rechte 399); er vermählt sich die Braut nach Sitte und Recht (224 f.);der herre hat die ungetreuen Knechte (173), die nicht dem Rechte gemäß

unter einer Konzeption begriffen sind. Auch i Elucidarium III, 2, Migne 172, 1157; Luci-die formellen Kriterien, Sprache und Vers- j darius ed. Heidlauf S. 59 f.; Ehrismann,

kunst, lassen keine fremde Hand erkennen(Interpolationen nehmen an Scherer, QF.aaO., Löbner S. 2140, Kraus S. 1838,Schröder aaO., dagegen Vogt, Lit.Bl. aaO.).') Es gibt drei Arten von Gerechten; 1. diemehr tun als Gottes Gebote vorschreiben,die perfecti, das sind Märtyrer, Mönche,Jungfrauen; 2. die Gottes Gebote erfüllenohne Klage, die justi, dazu auch die justiaber imperfecti, die Eheleute, Honorius Aug.

ZfdA. 56,152 ff. Diese Ordnung der Gerechtenschließt sich unmittelbar an die unten zitierteStelle über das Brautgeleite an; hier ist alsoschon das Gerechtsein mit unserer Parabelverbunden. Und in dem Eingang des zweitenPrologs zur Expositio in Cantica Cant. desHonorius ist der höchste Schmuck der Seeleder Gehorsam gegen das göttliche Gebot,also wiederum eine Verbindung des Gerecht-seins mit der Sponsusparabel.