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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.

einhielt, liegt an dem Mangel an systematischer Methode, die er so wenigwie die meisten seiner Zeitgenossen beherrschte. In viel höherem Maßetritt die Freiheit oder Nachlässigkeit in der ungleichen Ausdehnung dereinzelnen Teile hervor. Man kann in dieser Beziehung zwei Arten von Aus-legungen unterscheiden, kurze und einheitliche, dagegen lange mit Ab-schweifungen. Danach gliedert sich die Allegorie folgendermaßen. 1. KurzeAuslegungen innerhalb 325378: die Macht Gottes (325338); der heil.Geist und die Seele (339346); die Taufe (347358); Priester (359-374);Sakramente (375378). 2. Auslegung mit Abschweifung innerhalb 379509:der jüngste Gerichtstag (379406), das Himmelreich (407-509). 3. Ab-schweifung 510707: die 5 Sinne (510569 ohne Anschluß an die Er-zählung), 1 ) Sündenreinigung (570616), die 3 Beichten (617694), Reueund Abschluß der Beichte (705707); die 4 Punkte gehören alle zur Beichte.4. Auslegung mit Abschweifung 708775: jüngster Gerichtstag. 2 ) 5. KurzeAuslegungen 776811: Sündenreinigung (776785), Jungfrau Maria (786799), Priester (800805), die heimwarten Hute (806811). 6. Abschweifung:Erlösungsgeschichte 8121078, ist durch vorübergehende Anklänge mit derErzählung verbunden (812817. 878891) und lenkt am Schluß in dieseein (1043-1078). 3 )

Die erklärenden Partien gehen demnach weit über den Inhalt der Er-zählung hinaus. Der Verfasser hatte die Absicht, der Allegorie einen um-fassenderen, aber doch ganz bestimmten Lehrgehalt zu geben: es ist derErlösungsgedanke der alle Deutungen durchzieht, denn sie handeln vomjüngsten Gericht und vom Himmelreich (von der Hölle 162 ff. 536 ff. 612 ff.760 ff. 806 ff. 812 ff. 960-1050), von der Beichte als Heilsmittel zur Selig-keit (durch sie gelangt man in den Himmel: 508 f. 560. 705. 780, der Priesterist der Helfer in der Beichte: 359 f. 607 ff. 631 ff. 655 ff. 680 ff. 800 ff.; Gottals ewarte 730); das letzte Viertel des ganzen Gedichtes bringt überhauptdie gesamte Erlösungsgeschichte vom Sturz der abtrünnigen Engel bis zumEingang der Seele in die ewige Herrlichkeit; 4 ) und was dem denkenden

') An die Erzählung 158161 erinnern dieVerse 510513. Die Prüfung der 5 Sinnedes Leibes und der 5 Sinne der Seele ge-hört zur Vorbereitung auf die Beichte, vgl.Parzival 488, 26 f. u. ZfdA. 49, 442.

2 ) Also werden zwei Ereignisse auf dasjüngste Gericht bezogen, einmal die Sendungder Leute zur Braut unter 2 und hier unter 4die Einholung der Braut.

3 ) Die langen Auslegungen mit Abschwei-fungen enthalten also ganz bestimmte Themata,nämlich einmal das jüngste Gericht und dasHimmelreich (Abschw. 2 u. 4), diese Teile ge-hören zur Geschichte der Erlösung, gehenalso mit Abschw. 6 zusammen; und dann dieBeichte (Abschw. 3), unter welche aber auchTeile der Erlösungsabschnitte fallen, nämlich482509 (Werke der Barmherzigkeit und

Pflichten gegen die Kirche), 776785 (Sünden-reinigung), 740753. 912944 (Hochmut-Demut); auch der Priester ist als Beicht-vater und Seelenrat aufgefaßt (359 ff. 631 ff.659 ff. 688 ff., vgl. auch 730). Die kurzenAuslegungen umgekehrt betreffen solcheThemata, die in einer Erlösungsgeschichtezurücktreten können und nicht notwendigzur Beichte gehören.

4 ) Die einzelnen auf die Erlösung gerich-teten Gedanken sind durch das ganze Ge-dicht verwoben, die Heilsgeschichte, jüngstesGericht, Himmel, Beichte und Priester, Glaubeund Recht, und stehen in greifbarer Ver-bindung mit der Erzählung von der Hochzeitdes himmlischen Herrn mit der erlösten Seele,so daß Interpolationen nicht auszulösen sind.Es ist eine Sammlung einzelner Motive, die