194 A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.
verhältnismäßig ebenen Rhythmus, doch ist im Priesterleben eine Neigungzur Längung zu beobachten.
§ 64. Die Wahrheit.
Kelle 2, 98-101. 301—304; Piper, GD. 2, 94 f. — Ausg.: Diemer, D. Ged. S. 85-90,Anm. S. 31 f.; Waag, Kl. d. Ged. 2 S. 135-141 u. Einl. S. LXXXI1I—XC; Eduard Weede,Kieler Diss. 1891, dazu Rödiger, Archiv 88, 408 f., Kraus, Anz. 18, 399—401; Wunderlich,ZfdPh. 25, 402 f.; Scherer, QF. 7,51—54. 12, 63 f.; Piper, ZfdPh. 20, 480 f. (Kollation);Schröder, ZfdA. 46, 392 (Textkritisches); Münscher, Bücher Mosis, passim.
Hs.: Vorauer Hs. Bl. 96»—96<U) Der Dialekt ist bairisch. 2 ) Das Gedicht betitelt sichselbst diu wärheit (Daz liet heizet diu wärheit Waag 151). Es ist in Österreich verfaßt,etwa um 1150.
Inhalt. Das Gedicht ist eine Bußpredigt, beruhend auf dem Dualismus zwischendem gegenwärtigen Leben, der Verbannung, und der Zukunft, dem Himmelreich, unsererHeimat, zwischen dem ewigen Tod der Hölle und der Gnade des Paradieses 1—26. DerTeufel führt zur Hölle 45—58, Christus in das Heimatland 59—78. Aufforderung zur Be-kehrung, sie führt zum ewigen Leben 79—134. Höhepunkt der Bußpredigt: Warnung vorder Verzweiflung, keine Sünde ist so schwer, daß sie nicht durch Buße gesühnt weidenkönnte 135—150. Gott vergütet uns unsere Reue 151—170. Wir aber sündigen fortwährendan unserm Leibe 3 ) und viele müssen zur Hölle fahren 171—183.
Der Dichter faßt im Predigtstil seine Zuhörer 4 ) zusammen als „wiralle", als die Menschheit gegenüber Gott und dem Teufel und spricht auchunmittelbar zu seinem Publikum in der üblichen Anredeformel (nüne) villieben 27. 93. 121. 157, in leicht faßlichen Gleichnissen (62 ff. 94 ff. 103 ff.141 ff.), in volkstümlicher Anschauung (das Treuverhältnis mit Dienst undLohn zwischen Christus und den Menschen 86—102). In kunstloser Redeohne lat. Floskeln, mit vielen bequemen Formeln und ohne starke Gedanken-ausprägung entfaltet er sein Predigtthema. Oft berührt er sich mit andernGedichten, 6 ) er ist weder in der Form noch im Stoff originell.
Assonanz gehört noch zum Reimstil, Flexionssilben können noch aufhaupttonige Silben gebunden werden. Die Verse haben ungleiche Länge. 11 )
§ 65. Trost in Verzweiflung.
Piper, GD. 2, 126 f. — Ausg.: Docen in Maßmanns Denkm. S. 80—82; Wackernagel,LB. 5 S. 429—432; Meyer-Benfey Nr. 4 S. 19—21; Leitzmann, Kl. geistl. Ged. S. 27-30. -
x ) In Diemers Abdruck von den vorher-gehenden Büchern Moses nicht getrennt, erstvon Wackernagel, LG. I 1 S. 273 (1», 349),als selbständiges Gedicht unter dem Titel„Himmel und Hölle" behandelt. Die'Be-nennung 'diu wärheit' stammt von Müllen-hoff, Denkm. l.Aufl. S.390 (MSD. II 3 , 248f.);dagegen Schwietering, Singen u. Sagen
(viell. auch in ubergivazzide unter SuperbiaZ. 123), ebenso in der Wess'obrunner Beichte 1,MSD. Nr. 90, 106 (96).—In desrätes 180 heißträt 'Vorrat', = von einem solchen Gerät,Aufwand (wie vorher, 171 ff., in Gewandund Schuhwerk getadelt wurde), will ich fürmeine Person Abstand nehmen.4 ) Es ist wohl ein gemischtes Laienpubli-
S. 12 f. 35 (vgl. Schröder, Gott. Nachr. 1917 i kum vorauszusetzen, dafür spricht die Art
der Formeln: arme unde riche 5, junge jolialte 7, wip unde man 173, auch das Fehlenlat. Wörter.
b ) Parallelen bei Diemer, Anm.; MSD. II 3 ,183; Scherer, QF. 7 aaO.; Weede S. 16—28;Kraus aaO.; Kelle aaO.
6 ) Weede S. 44—59; über Dreireim s.Weede S. 50—52; Waag S. LXXXV.
S. 162)
2 ) Weede S. 29-43; Waag,» Beitr. 11,105—109.
3 ) Putzsucht und Kleiderluxus sind Aus-wüchse der Hauptsünde Luxuria; in der Bam-berger Beichte sind sie unter dieVana gloria,eine Abart der Superbia, gebracht: in löserubercieride, in wätliuride MSD. Nr. 91, 134