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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 63. Heinrich von Melk.

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einige andere kirchliche Schriftsteller sind nachzuweisen, 1 ) in der Bibel warder Verfasser wohl bewandert. Die ganze Tendenz seiner Dichtung beruhtauf jener Strömung der Weltverachtung, die seit der Mitte des 11. Jhs. auf-trat und besonders im 12. Jh. mächtig wurde. 2 ) Ein Unterschied in der Bei-ziehung der Autoritäten besteht zwischen Erinnerung und Priesterleben. DieZitate 3 ) in dem ersten Gedicht sind Lehrsätze, die den Inhalt leiten, 11 f.456482 aus den Psalmen, Hiob, Sirach, 840-842 aus Paulus' Brief andie Epheser 5, 5, bezw. an die Kolosser 3, 5. Im Priesterleben dagegennehmen die Berufungen auf die Bibel (bezw. auf Beda) eine bedeutsamereStellung ein. Gleich im Eingang des Gedichtes wird die Pflicht des Priestersvorangestellt nach Ezechiel 33, 28: er soll als Wartmann auf hoher Zinnestehen, um sein Volk gegen den Ansturm der Feinde in Bereitschaft zuhalten 17 ff. Weiterhin dienen die Zitate zu unterschiedlichen Zwecken:es sind Lehrsätze 136 ff. aus Sirach, 529 f. aus Malachias; Beispiele: Joel115117, Salomo 140-146, David und Urias 236-243, Judas 302315.355360, Susanna und David 445464, Balaam 469472, Noah, Daniel,Hiob 494-504 (nach Ezechiel 14, 14 bei Gregor, Beda, Honorius u.a.);Beweise für dogmatische Sätze: Paulus 172218. 286289, Beda 316-336, 1. Könige 2, 25. 341346; der Abschnitt über die Messe ist in derErinn. 161186 eine einfache Erklärung, im Priesterl. 367436 dagegeneine weitläufigere theologische Erörterung und Unterweisung.

Das Priesterleben hat also einen gelehrteren Charakter; das liegt in derBestimmung des Gedichtes, das auf die Geistlichen wirken soll, währenddie Erinnerung dasallgemeine" Leben und den Tod betrifft, also die Ge-sellschaft insgesamt.

Durch die starke Verwertung des wirklichen Lebens kommt den beidenGedichten große sittengeschichtliche Bedeutung 4 ) zu. Unmittelbar dieLiteraturgeschichte berührt die Zeichnung des höfischen Ritters (Erinn. 597 ff.),zu dessen feiner Bildung es gehört, die Frauen zu preisen und Liebeslieder(troutliet 612) wohlgefällig zu singen. Da die Abfassungszeit des Gedichtesum 1160 anzusetzen ist, so liegt hier der älteste historische Beleg für denmhd. Minnesang vor. 5 )

Metrik. 6 ) Die Erinnerung hat weniger als ein Viertel, das Priesterlebenetwa ein Siebtel unreine Reime, ohne schwere Assonanzen, hier auchkommen am Schluß von Abschnitten 16mal Dreireime vor. Die Verse haben

') Heinzel S. 20. Damit ist freilich nichterwiesen, daß er die betreffenden Quellenauch unmittelbar selbst benutzt habe, dieStellen gehören eben zu dem kirchlichenZitatenschatz, Lorenz S. 61 ff.

2 ) Diemer, Kl. Beitr. XV, 53 ff. u. Anm., XVIII,127 ff., HeinzelS. 42-49; KelleLG. 1,8284.91-96. 289293. 295301; Kelle, WienerSB. aaO.; Burdach, Ackermann S. 309 ff.

3 ) Siehe Heinzel zu den betr. Stellen.

*) Heinzel in der Einleitung, bes. S. 4 ff.;

Deutsche Literaturgeschichte. II.

Wilmanns S. 6 ff.; Baunack, ZfdA. 54,113 ff.

5 ) Ueber etwaige Beziehungen von VeldekesEneide und Heinrich v. Melk s. Behaghel,Eneide S. CLXXIX f.

G ) W. Grimm, ZGdR. Reg. S. 332. 334;Heinzel S. 14 f. Vogt, Beitr. 1, 142;-diger S. 283311; Schröder. AnegengeS. 20 ff. Wilmanns S. 4 f.; KochendörfferS. 197200; Baunack, ZfdA. 57, 80 ff.;Saran S. 252254.

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