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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 63. Heinrich von Melk.

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v. Melk, 1867 (Hauptwerk über H. v. M.), dazu Scherer, ZföG. 19 (1868), 564579 u. Kl.Sehr. 1, 604-620. Diemer, Beitr. XIV. XV. XVI, Wiener SB. 18 (1856), XVIII. XIX, ebda28 (1858); Scherer, QF. 12, 6466; Rödiger, ZfdA. 19, 241 ff.; Wilmanns, Der sogen.Heinr. v. Melk, Bonn 1885, dazu Schröder, DLZ. 1886,885 ff., Seemüller. ZfdPh. 19,369378u. ZföG. 38 (1887), 372 ff.; Ottomar Lorenz, H. v. M., der Juvenal der Ritterzeit, Halle1886, dazu Seemüller, ZfdPh. 20, 123126, Kochendörffer, ZfdA. 35, 187204. 281315; Schröder, ZfdA. 45, 217223. 419; Kelle, Untersuchungen über das Offendiculumdes Honorius, sein Verhältn. zu . . . den deutschen Gedichten Gehugede u. Pfaffenleben,Wiener SB. 148 (1905) Nr. 4; Th. Baunack, Xenia Nicolaitana, Festschrift, Leipz. 1912,S. 109-128; Ders. ZfdA. 54, 99116 u. 57, 4994.

Hs. Wien 2696 (s. oben S. 17). Es sind zwei Gedichte, beide in der Hs. ohne Über-schrift. Im ersten (Bl. 165 a178b) gibt der Dichter selbst sein Thema an: daz ich vondes tödes gehugde eine rede für bringe 2 f. (vgl. V. 444), wonach das GedichtErinnerungan den Tod" genannt wird. 1 ) Innerhalb des Textes, Bl. 170 b , steht eine neue Inhaltsangabevon dem gemäinem lebene (V. 450), womit ein neuer Teil derErinnerung" beginnt.Im zweiten Gedicht fehlt der Eingang, nach seinem Inhalt wird es genanntPriester-leben" oderPfaffenleben" (Bl. 303a307b). 2 ) Am Schluß dieses zweiten Gedichtes stehtdaz buch heiztet daz gemeine leben?)

Die Sprache ist österreichisch. 4 ) Der Dichter nennt sich am Ende derErinnerung in der Anrufung Gottes Häinrichen dlnen armen chnecht undschließt in sein Gebet ein den abt Erchennenfride 990 f. Nirgends ist einsicherer Anhalt gegeben, um des Dichters Persönlichkeit näher zu bestimmen,die Verskunst aber ist noch die freiere der frühmhd. Zeit, etwa um die Mittedes 12. Jhs. Damals war ein Erkenfried Abt des Klosters Melk(l 1221163).s)Ihn wird also wohl der Dichter gemeint und zu seinem Kloster zu Melkwird er gehört haben. 6 )

') Schröder, Gott. Nachr. 1917, 162.

2 ) Graff, Diut. 3, 401. 403 f.; HoffmannsVerzeichnis S. 26 f. 31; Hoffmann, Fundgr.1, 257259; Scherer, Kl Sehr. 1, 617-620;Hugo Herzog, Anz. 15. 217; Schröder,ZfdA. 45, 217223. 419. Daß beide Gedichtevon ein und demselben Verfasser herrühren,ergibt sich aus der Uebereinstimmung in In-halt und Form; im Priesterl. 386393 zitierter außerdem unter Berufung auf eigene Ver-fasserschaft seine Verse aus derErinn. 181186 (zwei verschiedene Verfasser nehmenan Kochendörffer, ZfdA. 35, 1872C4,Kelle 2, 95 f., Grünewald S. 26; dagegenBaunack, ZfdA. 54, 99 ff. 57, 80 ff.). Heinzelhielt die 42 Verse nach 884 in der Erinn.und die 9 Verse nach 315 im Priesterl. füreingeschaltet (S. 135 f. u. 153).

3 ) Vgl. Scherer, Kl. Sehr. 1, 618.

4 ) Rödiger aaO. S. 279283; Zwierzina,ZfdA. 43, 79.

5 ) Lachmann, Kl. Sehr. S. 331; WilmannsS. 2 ff.; Kelle 2, 88. 294.

6 ) Das lebensvolle Bild, das Heinzel vonihm entworfen hat, ist von der nachfolgen-den Forschung in den Hauptzügen anerkanntworden (vgl. auch DlEMtR, Kl. Beitr. XIV;Scherer aaO.; O. Lorenz aaO., bes.S.34ff.;Baunack, ZfdA. 54,113 ff.). Erinn. 225 rechnet

sich Heinrich zu den Laien: Dar üf hab wirläien ein archwän. Kochendörffer S. 308 ff.hält diese Stelle für einefingierte Aeuße-rung der Gemeinde" (S. 312), aber es ist ausdem Zusammenhang nicht sicher nachzu-weisen, daß hier die Gemeinde redend odereinwerfend gedacht ist. Er war also wohlLaienbruder im Kloster Melk. Er mußschon vorher eine umfassendere Bildung be-sessen haben, was so viel heißt als: er mußhöherem Stande angehört haben, denn nurals Adliger oder Ritter konnte er ein solchesWissen erreichen. Ein gewöhnlicher fraterconversus, ein ursprünglicher Arbeiter, Bauer,Handwerker, der nach seinem Eintritt insKloster die profanen Geschäfte verrichtete,war er nicht (vgl. Du Cange-Favre 2, 547unterConversio"; Buch der Rügen, ZfdA.2, 25 f.). Vielmehr gehörte er wohl zur Klasseder Oblati oder Donati, jener Laien, besondersAdliger, die sich und das Ihrige oder einengrößeren Teil ihrer Güter einem Kloster über-gaben, jedoch noch in der Welt leben konnten(Du Cange-Favre 6, 1113). Im Priesterl.452477 stellt er sich als Verkündiger vonGottes Wort den Priestern, also den Weltgeist-lichen, gegenüber unter Berufung auf dieBibel:Der junge Daniel hat die alten jüdi-schen Priester überführt, also sollen die