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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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186 A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.

Hauptsätzen, die Parataxe, wird hier besonders merkbar, da auch nebensätz-liche Gedankenteile, Bedingungs- und Einräumungssätze, parataktisch ge-gliedert sind: 1, 5. 7; 2, 5; 4, 7; 7, 7; 15, 3; 17, 8; 17, 11; 18, 5. Ein Bei-spiel für die einfachste Art der Erzählung ist Str. 16, wo die Entwicklungdes Vorgangs fast nur in einer Aneinanderreihung der sich folgenden Er-eignisse besteht. Charakteristisch für den Predigtstil ist die unmittelbareAnsprache an die Hörer durch die 2. Pers. plur., wozu auch die 1. Pers. plur.tritt als Zusammenfassung von Redner und Publikum. Rhetorisch berechnetsind die Ausrufe: 2, 8; 3, 5 f.; 10, 1 f.; 12, 1; 16, 8; 17, 13; 18, 1 f.; 19, 1 f.;Beteuerung 14, 8. Kräftig ist die Sprache nicht, nichts hat sie von einer zer-malmenden Bußpredigt, die dem verworfenen Menschen sein Sündenelendin diesem irdischen Jammertal vorhält. 1 ) Aber doch ist sie nicht unwirksam, 2 )eindringlich wird immer und immer wieder die eine Warnung wiederholt, sichvor der Eitelkeit der vergänglichen Welt zu hüten. Der I. Teil, 6 Strophen,bewegt sich um diesen einen Gedanken, oft nur in Variationen oder sogarmit den gleichen Worten: 1, 4 = 2, 2. 6, 1; 1, 3 = 2, 3; 1, 5 = 2, 5; ferner3, 3 f. = 11, 3 f.; 3, 7 f. = 17, 9 f.; 7, 2 = 8, 1; 10, 3 = 19, 6, auch 17, 2.Lat. Worte sind eingeflochten 18,1; 19, 2 (auch 4, 1 Hs!). 3 ) Überhaupt erfahrenSprache und Gedanken am Schluß, Str. 18. 19, eine fühlbare Steigerung.

Im Reimprinzip 4 ) (Assonanzen, volle Endsilbenvokale) steht Mementomori dem Ezzolied nahe und ist altertümlicher als die Summa Theologiae.Der Versbau in seinen Verhältnissen von Hebung und Senkung ist ziemlichebenmäßig, d. h. die Verse haben mittleren Umfang. Alle Strophen haben8 Zeilen außer Str. 8 der Hs. (8 u. 9 in MSD.) mit 10 Zeilen und Str. 17 5 )mit 14 Zeilen, die aber wohl beide entstellt sind. Demnach hat das Gedichtwohl nur 8zeilige Strophen gehabt. 6 )

§ 63. Heinrich von Melk.

Kelle 2, 8498. 293301; Piper, GD. 1, 235 Anm. Ausg.: Erinnerung an den Tod:Massmann, D. Ged. 2, 343357 u. Vorw. S. 159161, dazu J. Grimm, Gott. g. A. 1838,553559 u. Kl. Sehr. 5, 282286 (Nachtrag zu Massmann von 38 Versen); J. Diemer,Beitr. XVI, Wiener SB. 18 (1856), 271310; Einleitungs- u. Schlußverse bei Graff, Diut.3,401; Hoffmann, Fundgrl, 257259. Priesterleben: Haupt, Ad.Bl. 1,217238; Ein-leitungs- und Schlußverse bei Graff, Diut. 3, 403 f. Beide Gedichte: Heinzel, Heinrich

] ) Es mangelt an unmittelbar persönlicher ! Saran S. 252254; Habermann aaO.Wirkung, die das Gewissen des einzelnen J 6 ) 17, 8 f. dannan obinan i'Hs!) heißtHörers aufpeitscht. Im Temperament liegt der |von da nach oben', vgl. dannan hin obnen,Unterschied zwischen der Sprache dieses I DWb. 7, 1072, also: wenn ihr von da nachDichters und der Heinrichs v. Melk. I oben kommt, da müßt ihr ablassen. 17, 8 f.

ist die Erklärung zu der Parabel 16, 7wenner dann vom Schlaf sich erhebt" usw. undhat den Sinn: wenn ihr von euerm ver-schlafenen, gleichgültigen Hinzögern (vert-velit 17, 4; es ist die Todsünde der acedia)wieder obenauf kommt, so müßt ihr dableiben, könnt euern Weg nicht weiter fort-setzen.

6 ) Scherer u. Steinmeyer aaO.; BrauneLB. 8 S. 200; Leitzmann aaO.

') Die Rede gehört ihrem Zweck ent-sprechend zu der Stilart des Erregens, mo-vendi, und hier ist die Absicht, durch Vor-würfe und Beschwörung Erschütterung her-vorzubringen (Hrabanus Maurus, De Cleri-corum institutione Lib. 111 Cap. 28, Migne 107,406 C D).

3 ) Grunewald S. 7.

4 ) Zur Metrik s. Scherer u. Steinmeyer,MSD. II', 167 f.; Scherer, ZfdA. 24, 433 ff.;