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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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180 A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.

den Stoff, während jenes mit Bitten, Klagen und Betrachtungen überfüllt ist;hier ist der Gesamtton mehr episch, dort mehr lyrisch. Auch in der Aus-wahl der religiösen Gegenstände unterscheiden sie sich: der Dichter derMilst. Klage wendet sich ganz an Gott, der der Vor. ist durchdrungen vondem Marienideal; in dem Sündenbekenntnis hält sich jener nicht an dieoffiziellen Beichtformulare, denen dieser, stellenweise fast wörtlich, folgt.Eigentümlich aber ist der Vor. Sündenkl. die Hereinziehung des Teufels, 1 )dessen in den Beichten nicht gedacht wird: mit einem langen Gebet umSchutz gegen den verwünschten Hund schließt das Gedicht, das mit dem Preisder Jungfrau begonnen hatte. So steht der Mensch zwischen den Mächtendes Glaubens und des Unglaubens.

§ 58. Rheinauer Paulus.

Kelle 2, 186 f. 375 f.; Piper, QD. 2, 117 f. Ausg.: Qraff, Diut. 2, 297301 (vomAnfang bis 137), s. dazu Hoffmann, Fundgr. 1, 260; Haupt, ZfdA. 3, 518523, dazu Stein-meyer, Anz. 6,11); Piper, Höf. Ep. 3, 726 f.; Kraus, D. Ged. S. 712. 77101. Lach-manns Briefe an Haupt, hgb. von J. Vahlen, Berlin 1892, S. 124; Scherer, QF. 7, 20 f.;Rödiger, ZfdA. 20, 203 ff.; Baechtold S. 79 u. Anm. S. 23; Sprockhoff S. 79.

Hs.: 2 ) Kantonsbibl in Zürich Nr. 77, 10. Jh., aus dem Kloster Rheinau, nur Bruchstücke,nachträglich von einer Hand des 12. Jhs. eingeschrieben auf dem ersten und letzten Blatt,Bl. l a u. 53 b . Die Sprache der Hs. ist alemann. 3 )

Das Fragment umfaßt den Schlußteil des ganzen Gedichtes und bestehtaus zwei verschiedenen Stücken: 1. 1 129 sind die Berufungen der Milst.Sündenkl. (= Milst. 769-796. 642668. 797864). Beide Fassungen, dieMilst. und die Rhein., sind, obgleich sie stellenweise sehr auseinandergehen,doch nur als zwei Hss. ein und desselben Werkes anzusehen (M = Milst.,RP = Rhein. Paul.). Der Text von RP ist altertümlicher 4 ) und lebensvollerals der von M, andrerseits sind in RP die -beiden ersten Berufungen 1 31u. 3258 fälschlicherweise umgestellt, 5 ) es entsprechen sich RP 1 31 =M769796, RP 32- 58 = M 642668, RP 59129 = M 797864). 2. Daszweite Stück, das Ende des Gedichtes, umfaßt nur 26 Verse, also ein Sechsteldes ganzen Fragments. Nur sie enthalten etwas über Paulus: es wird erzählt,daß 'er nach Aufsagung von Glauben und Beichte getauft und sein frühererName Saulus in Paulus geändert wurde; er hat die Stelle des Judas unterden Aposteln eingenommen und ist Lehrer der Heiden geworden.

Über die Beschaffenheit des ganzen Gedichtes können bei dem geringenUmfang des Rhein. Bruchstücks nur Vermutungen geäußert werden. Da dieErzählung des Schlußteils nur kurz ist, das zur Sündenklage Gehörende, dieBerufungen, dagegen einen großen Raum einnimmt, so ist es wahrscheinlich,daß alles über Paulus Gesagte in dem verlorenen Teile nur knapp dar-

') Sprockhoff S. 81. an die Höllenstrafe M 664 f. = RP 51 schließt

2 ) Kraus S. 77 f. sich unmittelbar die hizze der Hölle M 772,

3 ) Kraus S. 79-81. RP 4 an; auch gehört in der Reihenfolge der*) Rödiger, ZfdA. 20, 303 ff. Berufungen zuerst die auf Christus M 6425 ) Mit dem lat Zitat [O] rex angelorum 668, RP 3258 und dann erst die auf die

M642, RP32 und der Bitte um Erhörung drei Jünglinge M 769-796, RP 131.setzt der Schlußabschnitt der Berufungen ein;