178
A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.
(675). Berufung auf Christus (687—700). d) 701—732 Bekenntnis der Reue (703), Bitte umGnade (726). e) 733—768 Bitte um Sündenvergebung (735. 747), der gute Hirte (749—768),Reue (762). f) 769—864 Berufungen: auf die drei Junglinge 769—796, auf Daniel (dieserauch als Fürbitter angerufen 797—819, auf die Ehebrecherin 820—864.
Die Verse 642—668 und 769—864 sind auch im Rheinauer Paulus undzwar in einer ursprünglicheren Fassung enthalten (s. unten S. 180). Darausist zu schließen, daß die ganze Milst. Sündenkl. das Original in vielen Einzel-heiten geändert hat.
Ob der Verfasser das Gedicht, das nur aus bekannten Zügen besteht,in irgendeiner Quelle schon so verarbeitet vorgefunden hat oder ob eres selbst zusammenstellte, ist nicht zu entscheiden.
Im Stil 1 ) herrscht Parataxe vor, daher auch die vielen Weiterführungenmit so, nu und die häufigen Aufzählungen (32 ff. 113 f. 119 ff. 151 ff. 156 ff.165 f. 226 ff. 406 ff. 458 ff. 488 ff.). Lat. Ausdrücke 2 ) sind mehrfach ein-gestreut. Parallelen zu andern frühmhd. Gedichten begegnen natürlich auchhier, aber ohne Beweiskraft für gegenseitige Beeinflussung. 3 ) Mit der Vor.Sündenkl. trifft die Milst. schon wegen des gleichen Inhalts öfter zusammen. 4 )
Die Verse 5 ) sind ziemlich gleichmäßig gebaut und ohne überlangeSenkungen. Im Reimgebrauch treten starke Assonanzen auf und beschwerteFlexionsendungen. Dreireime sind öfters am Schlüsse von Abschnitten an-gebracht. 6 )
§ 57. Vorauer Sündenklage.
Kelle 2, 182—184. 373 f.; Piper, GD. 1, 83—85. 2, 294. — Ausg.: Diemer, D. Ged.S. 293—316 („Loblied auf die Jungfrau Maria"), Anm. S. 74—77, Einl. S. XL1V—XLVII, dazuKollation von Piper aaO.; Waag, Kl. d. Ged. 2 S. 141—167 u. Einl. S. XCI—CHI. — Schereh,QF. 7, 77—81. 12, 38, dazu Rödiger, Anz. 1, 71 f.; Schröder, Anegenge S. 73—76; Ant.Müller, Breslauer Diss. 1887, dazu Waag, Lit.Bl. 1889, 245—247; Schröder, Heimat undÜberlieferung der Vor. S., ZfdA. 35, 417—434.
Hss.: Vorauer Hs. Bl. 125 a —128b. Der Text leidet an oft schwer verständlichen Ent-stellungen.') Die ersten 13 Zeilen stehen auch auf dem letzten, aufgeklebten Blatt der Hs.Nr. 73 des Cisterzienserklosters Zwettl in Österreich. 8 )
Die Sprache 9 ) des Vor. Textes ist bair.-österreich., mit md., von einemrheinfrk. Schreiber herrührenden orthographischen Einmischungen (bes. dfür t). Der Verfasser war ein österreichischer Geistlicher, der etwa um dieMitte des 12. Jhs. dichtete.
denn mit 641 schließt die Bitte um Lösungvon Not (der Sünde) und 669 enthält diegleiche Bitte um Befreiung von Sünden (s.auch unten Rheinauer Paulus).
!) Rödiger S. 311—313.
a ) Grünewald S. 20.
3 ) Scherer, QF. 7, 21; Rödiger S. 282—302 und Anz. 1, 66 ff.; Kraus, Vom RechteS. 57.
4 ) Kelle aaO.; A. Müller, Vor. Sündenkl.S 8 f
B ) Zur Metrik s. Rödiger aaO., bes. S. 313—319.
G ) Rödiger S. 311.
') Textbesserungen von Diemer, D. Ged.Anmerk.; Kraus, Anz. 17, 29—31. 33 f.;Schröder, ZfdA. 35, 417 ff.; Waag, Einleit.zur 2. Aufl.
8 ) Hoffmann, Fundgr. 1, 260; Diemer,D. Ged. Einl. S. XLV; Schröder, ZfdA. 35,417 f.
'■>) Scherer, QF. 7, 78 f.; Waag, Beitr. 11,135—139; Schröder, Anegenge S. 74; A.Müller aaO. S. 32—58; Schröder, ZfdA.35, 417 ff.; John Meier, Beitr. 16,95.