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A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.
deutsche Gedicht ist ein weiterer Fortschritt: aus bloßen einzelnen Rufen derGemeinde wurde ein erbauliches in einzelne in sich abgeschlossene Gebetegegliedertes Gedicht, das schließlich in das allgemeine Gebet übergeht.
Der Inhalt ist in G durch lat. Überschriften gegliedert. Er zerfällt inA. Anrufungen 1 — 1290 (Massmann), B. Bitten 1291—1468.
Die ältere Litanei in G enthält weniger Heilige als die jüngere in S undzwar nur solche der römischen Litanei, während die neuzugekommenenvon S in die röm. Litanei nicht aufgenommen waren, aber in der PassauerDiözese verehrt werden, besonders der heil. Coloman, ein irischer Pilger,der auf der Wallfahrt nach den heiligen Orten in Niederrösterreich erschlagen(13. Okt. 1012) 1 ) und' später als Landespatron Österreichs verehrt wurde.InS sind dazugekommen die Anrufung derTrinität (173—196), des ApostelsJohannes (618—661), des heil. Blasius (746—805), Columban — Coloman(806—897), Nicolaus (898—947), Egidius (948—977), der heil. Margarete(1005-1035), Maria von Magdala (Maria Magdalena, 1096—1242). 2 )
In der ursprünglichen Anlage, die in G erhalten ist, sind bei den Heiligen-gruppen immer zwei Vertreter ausgewählt, für die Apostel: Petrus undPaulus, für die Märtyrer: Stephanus und Laurentius, für die Jungfrauen:Agnes und Cäcilie, nur bei den Bekennern tritt zu Gregor und Martin nochals Führer Hieronymus. Am Schluß der einzelnen Gruppen werden danndie betreffenden zwei Heiligen zusammen angerufen.
Die Schlüsse von Abschnitten werden meistens durch lat. Zeilen oderWorte 3 ) ausgezeichnet, die dem Gebrauch der lat. Litaneien entnommen sind(wo es Responsorien, gemeinsame Anrufungen des Volks oder des Priester-chores an die vorher berufenen Personen sind): kyrie eleison 216, 36 amSchluß der Anrufung Gottes und pater de celis 217, 25, ferner 218, 43. 223,21. 224, 27. 227, 17. 228, 25. 229, 13 (deutsch); von da an nur Bittformelnohne Namen: 230, 21. 232, 4 (deutsch). 235, 37. 237, 32.
Der Stil 4 ) ist der eines Gebetes, der unmittelbare Ausdruck innerer Er-hebung, manchmal recht lebhaft durch Fragen oder Anrufe; und selbst dieaus den lat. Litaneien oder aus den Beichten stammenden Aufzählungenwirken hier wie Ausströmungen einer erregten Seele, die sich in dem Aus-druck ihrer Empfindungen nicht genug tun kann. Ganz erfüllt ist derFlehende von seiner Verworfenheit und seiner Heils- und Hilfsbedürftigkeit.Aber diese ergreifenden Worte kommen nicht aus der Redekunst des Dichters,sondern sie sind ihm nur eingegeben durch die Sprache der Kirche.
hier auch Predigten über die Litanei). Ge-reimte Litaneien: Hrabanus Maurus, Migne112, 1629—1632. St. Gallener Litaneien vonHartmann, Migne 87,32, Ratpert ebda S.39L,Notker Balbulus ebda S. 42; aus dem 10. Jh.auch die Litanei bei Migne 138, 1081—1090.In der liturgischen Litanei sind die Bestand-teile getrennt, zuerst die Namen der An-gerufenen, dann die Bitten und Begründungen.
') Vogt S. 139f.; Kelle S. 179. 372 f. Erist mit dem älteren und berühmteren heiligenColumban (f 618) verwechselt, der unter denFürbittern der röm. Litanei steht.
2 ) Heinzel, H. v. Melk S. 104 f.
3 ) Vogt S. 131 ff.; alle lat. Worte beiGrunewald S. 21.
*) Vogt S. 126 f.; Rödiger S. 311—324.