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A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.
1. Diemer 379, 1—380, 28 (Wilhelm 96, 1—98, 47), ein Meßgebet, ist eine Übersetzungdes Schlusses von Anselms v. Canterbury Oratio XXIX 1 ) (Migne 158, 924 f.), im lat. Text derHs. von Muri bei Piper, Nachtr. S. 349 Sp. a [S. 84v Z. 9] bis Sp. b [S. 86' Z. 11]; 2. Diemer380, 29-383, 19 (Wilhelm 98, 49—102, 122 bezw. 103, 131, bei Piper S. 349 Sp. b [S. 86'Z. 12]—351 Sp. b [S. 91' Z. 17]. Im deutschen Text fehlt ein Stück des Innern, der Schlußweicht ab. Dieses 2. Stück ist ein Frauengebet für die Messe. Es zerfällt in drei Teile, diein der Hs. B und im lat. Text durch Überschriften bezeichnet sind. — Eingestreut sindReime, bes. in B.
Eine größere Anzahl von Gebeten enthält das Gebetbuch von Muri (Kelle 2, 46.270; 188. 377; Diemer, D. Ged. Einl. S. XXVIII; Waag, Kl. d. Ged. 2 S. CX. — Ausg.: Graff,Diut. 2,291—297; Wackernagel, Ad.Pred. Nr.76—90, S.216—228.285—288; Piper, Nachtr.S. 318—352 [Abdruck der ganzen Hs.], dazu Steinmeyer, Anz. 24,323—325.— MSD. II 3 , 253 f.286. 288; Scherer, QF. 12, 1151; Langguth aaO.; Wilhelm S. 73-96, Komm. S. 159—173). Die Hs., 12. Jh., gehörte dem Kloster Muri in der Schweiz (Kant. Aargau), seit 1841im Kloster Muri-Gries bei Bozen. 2 ) Sie enthält auch die Mariensequenz von Muri(s. unten). Der Dialekt ist alemannisch. Die 16 Stücke sind für Frauen bestimmt. 3 ) Dasletzte Stück besteht aus zwei Morgensegen, deren erster auch sonst in Variationen vor-kommt, worunter der Kölner Morgensegen. 4 ) Die Engelberger Gebete sind Marien-gebete in einem lat. Gebetbuch des Klosters Engelberg, 12. Jh. Sie entsprechen den imGebetbuch von Muri enthaltenen Mariengebeten (Stück 15). Kelle 2, 188. 377. — Ausg.:Graff, Diut. 2, 288—291; Wackernagel Nr. 73. 74 S. 213—216. 284 f; Wilhelm S. 87—93, Komm. S. 177—179. — Diemer, D. Ged. Einl. S. XXVIII; Bartsch, Germ. 18, 71; Steph.Beissel, Gesch. d. Verehrung Marias S. 131 f.
Nur wenige Zeilen umfaßt das Züricher Gebet einer Frau (Nonne) an Gott um Be-hütung der Keuschheit des Leibes und der Seele (Wack. Nr. 75 S. 216. 253—255; WilhelmS. 64, Komm. S. 153 f.).
Inhaltreich, besonders wegen des auf die Gebete folgenden gereimten Meßgebetes, dessog. Messegesanges (s. unten) ist die Benediktbeurer Sammlung geistlicher Rat-schläge und Gebete. Hs.: München Clm. 4616, 12./13. Jh. (s. MSD. II 3 , 271). Ausg. derGebete und des Messegesanges: Schmeller, ZfdA. 8, 114—119; Piper, GD. 2, 122—126;Wilhelm S. 104—107, Komm. 193—196 (ohne den Messegesang). Zunächst werden derReihe nach zehn Engel mit Namen aufgezählt, die man bei gewissen Gelegenheiten desTages im Gedächtnis haben soll (Wilh. 3—26), dann folgen Ratschläge über gute Werke;darauf Anweisung zu einem Bittakt um Erlösung aus Sorgen mit Kerzenstiftung und mitGebeten zu den Gliedmaßen des Gekreuzigten.
Dem 12. Jh. gehören noch an die rheinfrk. Vatikanischen Gebete einer Frau ineinem lat. Breviarium, Cod. Vat. lat. 4763 (Greith, Spicilegium Vaticanum (1838) S. 68—71;Wilhelm S. 69-73, Komm. S. 156—159): 1. 2. 3. drei Gebete an Gott und Maria, lat. u.deutsch, Variationen ein und desselben Gebetsformulars (Wilhelm Z. 1—55);"4. ein Marien-gebet (56—70); 5. ein lat. Gebet vor dem Kreuz, mit deutschen Anweisungen an die leiden-den Gliedmaßen Christi: 5 ) der Betende wendet sich zu dem Antlitz des Gekreuzigten, zuder Brust, zur rechten Hand, zur linken Hand, zu den Füßen (91—129); 6. Anweisung beider Kerzenweihe (130—150) mit lat. Preisgedicht auf Christus mit lat.-deutscher Anweisung.
*) Diemer, Wiener SB. 28 (1858), 135—138.
2 ) Kelle, Anz. 23, 114; Steinmeyer aaO.
3 ) Die einzelnen Stücke s. bei Wilhelm(Text u. Komm.).
4 ) Zum zweiten Segen vgl. MSD. II 3 , 286—288.
5 ) Bestimmend für die Gebete und Hymnen,die in der Folgezeit Anflehung der Glieder
des Gekreuzigten zum Gegenstand hatten,ist der mit Unrecht dem heil. Bernhard zu-geschriebene Liederzyklus des „Passions-Salve" (Migne 184, 1319 ff.), dessen letztesStück, „Salve Caput cruentatum", die Quellefür Paul Gerhardts „O Haupt voll Blut undWunden' wurde (vgl. Herm. Petrich, PaulGerhardt, Gütersloh 1914, S. 209—211).