§ 53. Sanct Brandan.
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Eine Bußfahrt an gefährliche Schreckensörter und bei gequälten Sündernist auch das deutsche Gedicht von S. Brandans Seefahrt. Insofern istes dem Ideenkreise des Tundalus verwandt, jedoch mit dem Unterschied,daß der Schauplatz nicht das Jenseits ist, sondern das Weltmeer. Zugleichaber entspricht der Stoff auch der Wanderlust der Kreuzzugszeit, dem roman-tischen Zug nach der Ferne, nach fremden Menschen und Ländern. Indieser Hinsicht folgt es der gleichen Zeitströmung, welche die fabelhaftenOrientfahrten Alexanders und des Herzogs Ernst zum Ausdruck bringen.§ 53. Sanct Brandan.
Piper, GD. 2,13—18, Nachtr. S. 267, Höf. Ep. 3, 724. — Ausg.: Carl Schröder, SanctBrandan, Ein lat. und drei deutsche Texte, Erlangen 1871. — Mone, Anz. f. K. d. t. Vorz.1839, 255—258; Karl Schröder, Germ. 16, 60—74; H. Suchier, Böhmers Roman. Stud. 1,559—563; G. Schirmer, Leipz. Habil.Schrift 1888; Wilh. Meyer, Die Überlieferung derdeutschen Brandanlegende I. Der Prosatext, Gott. Diss. 1918 (mit vollst. LiteraturangabeS. 10—18), dazu Götze, LitBl. 1919, 82 f.; Elis. Peters S. 146 ff.
Hs.: Berlin Ms. Germ. Oct. 56, Perg., 14. Jh. Nach 607 ist eine größere Lücke.Der Dialekt der Hs. ist ein temperiertes Mitteldeutsch, stark ausgeprägtelokale md. Formen begegnen nicht. Der Dialekt des Gedichtes ist eben-falls md. 1 ) Es ist erst im 13./14. Jh. abgefaßt, aber die deutsche Brahdan-legende darf doch schon der frühmhd. Periode zugeteilt werden, weil diesesmd. Gedicht auf ein älteres Original von ca. 1150 zurückgeht.
Inhalt. I.Einleitung, Prolog 1—16: Anrufung Gottes. II. Hauptteil 17—1924: Brandanliest ein Buch mit seltsamen Wundern, findet sie unglaublich und wirft es ins Feuer. ZurStrafe gebietet ihm Gott, daß er neun Jahr die Wunder des Meeres suchen solle (17—72).Er rüstet ein Schiff aus, fährt ab (73—138). Nun beginnt die Abenteuerfahrt zu den Meeres-wundern: Drache (139—164). Fisch, auf dessen Rücken ein Wald wächst (165—226). DasMeerweib; die Insel der gepeinigten Unbarmherzigen (227—290). Lebermeer; Magnetberg;Kloster der von einer Taube aus dem Paradies gespeisten Mönche (291—355). Der aufeiner Felsenklippe büßende König (356—426). Der glühende Berg, die Pein der Sünder(427—454). Die finstere Insel mit dem goldenen Saal; einer seiner Mönche stiehlt darineinen Zaum (455—514). Insel der Seligen (515—556). Das finstere Land (557—616).Magnetberg; die Teufel streiten mit S. Michael um die Seelen der mit dem Tode Kämpfen-den (617—660). Ein Siren singt sie in Schlaf; Brandan holt seine Kapuze, die ins Meergefallen, unter Anfechtung vieler Teufel (661—806). Burg mit zwölf Chören; Wunder derMeerestiefe (807—849). Der Mönch auf dem schwimmenden Rasen (850—935). Judas aufdem glühenden Stein (936—1092). Das Land „multum bona terra" (1093—1244). Dieneutralen Engel, verwandelt in Menschen mit Schweinskopf, Kranichhals usw. (1245—1417).Ein schrecklicher Fisch hält sie gefangen (1418—1455). Sie werden aus der Festankerungvon dem Zwerg Botewart befreit (1456—1630). Der getaufte Heidenkönig Johannes (1631—1694). Der kleine Mann auf dem Blatt im Meer (1695—1758). Der alte Richter in der präch-tigen Kleidung (1759—1814). Die Rückkehr (1815—1924). — III. Schlußgebet (1925—1934).In Irland waren im 7./8. Jh. Seefahrtsgeschichten, 2 ) Imrama (Imram, dasUmherrudern, die Seefahrt), sehr beliebt und gehörten zu den wichtigstenVortragsstoffen der Erzähler. Die Sagenbestandteile waren zum Teil irische
nanzen-Typus", s. oben S. 159 Anm. — Zwier-zina, ZfdA. 45, 407 f.; Schröder, Gott.Nachr. 1918, 424.
') Zur genaueren Bestimmung der Heimatdes Gedichtes s. W. Meyer S. 122 f.2 ) Zimmer, ZfdA. 33, 144—220. 257—338.