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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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164 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

1160 abgefaßt, ist in sehr vielen Hss. und auch in Drucken erhalten.Von ihrer großen Beliebtheit zeugt ihre Verbreitung: sie wurde in vieleVolkssprachen übersetzt. 1 )

Inhält. I. Einleitung 1178: Prolog mit Angabe der Quelle und deiVeranlasserinnen derselben (174); Bericht über Irland und" über Patricius(75-178). II. Haupteil, Die Vision 1792146: Person des der Welt-lust ergebenen Ritters Tnugdalus, sein Scheintod, Wiedererwachen nachdrei Tagen, er wird Mönch (179342). Die Erlebnisse seiner vom Leibgetrennten Seele a) in der Hölle (3431444); b) im Himmel (1445-2130);c) Aufforderung zur Buße (21312146). III. Schluß 21472192: Ver-anlasser und Verfasser des deutschen Gedichtes.

Vom Grauen in der Tiefe zur höchsten Wonne führen die Zukunfts-bilder der Verdammten und der Seligen, vom Sündenreich der mit denHauptlastern Beladenen in die Hierarchie der Heiligen. Hier hatte die irischePhantastik einen geeigneten Stoff gefunden und die christlichen Jenseits-vorstellungen ließen sich leicht vereinigen mit den irischen Volksmärchenvom Totenreich. Im mhd. Roman von Lanzelot wird eine düstere Land-schaft geschildert, der verworrene Tann, das Land ohne Wiederkehr: werdahin gelangen will, muß gefahrvolle Proben bestehen; die Geschichte desKönigs Cormac, die in der Visio Tundali erzählt wird, ist sehr ähnlich dervom Gralskönig Anfortas in Wolframs Parzival: 2 ) so berühren sich dieirischen Visionen mit den Artusepen, deren Grundbestandteile ebenfallsgroßenteils irisch4celtischen Ursprungs sind.

In der Visio Tundali hat die Seelenreise ins Jenseits noch eine ganzbesondere Tendenz erhalten: ein leichtsinniger Ritter ist es, der die furcht-baren Gesichte hat, und die Wanderung ins Höllenreich ist ihm als Strafeauferlegt, wie in der Patriciuslegende die Seele des Adeligen tatsächlichdie Pein des Fegefeuers durchkostet. Hier ist also die Schilderung dernach dem Tode drohenden Schrecknisse als Bußmittel für die vornehmenHerren benutzt.

In der Behandlung des Stoffes verfährt Alber ziemlich selbständig, 3 )d. h. er überträgt frei, aber mit den üblichen Grundsätzen: er macht ver-deutlichende Zusätze und wird dadurch ausführlicher, seltener läßt er Vor-handenes aus. Die starke, oft fürchterliche Phantasie seines Vordermannessucht er zu mildern; er ist umständlicher und zahmer als jener; auch mußer sich oft mit Flickversen behelfen, um eine reimende Zeile zu gewinnen.Ist also das deutsche Gedicht eine Abschwächung gegenüber der lat. Quelle,so ist es doch auch in seiner einfacheren Sprache noch wirksam. 4 )

Die Verse 5 ) sind normal gebaut. Assonanzen sind häufig, aber nichtschwer. 6 )

3 ) Wagner S. LILXXI.

) Lat. Worte im Text s. Grunewald S. 32

5 ) Sprenger, Diss. S. 3236.

6 ) Sie fallen unter denjüngeren Asso-

') V. D. Hagen, Mus. f. ad. Lit. u. Kunst 1,561 f.; Wagner S. VVII, Anglia 22, 452462; Voigt S. 367.

2 ) Ehrismann, Beitr. 30, 19 f. 26. 48 f.