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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Quelle ist eine lateinische Julianalegende, die uns in der genau ent-sprechenden Gestalt nicht vorliegt. Der Stil ist nicht ungewandt, Hypotaxeist dem Verfasser ganz geläufig. Der Sprachgebrauch ist der stereotypeder geistlichen Dichtung der Zeit, daher viele Parallelen mit andern Werkenzu finden sind. 1 ) Die Verse sind ungleich lang (ungleicher Typus). Etwa•ein Sechstel der Reime sind unrein. 2 ) Mehrmals kommen Dreireime vor. 3 )
Über die Legende von der Veronica vom Wilden Mann s. oben S. 128 f.
III. Jenseitsvisionen. 4 )Während die zahlreichen Darstellungen von Himmel und Hölle dasLeben der Seligen und der Verworfenen nur in allgemeinen Zügen geben,schildern die Jenseitsvisionen die Freuden und Peinen der einzelnen Seele,und zwar in dem Rahmen einer Fahrt, die ein Sterblicher in die beidenWelten macht. Die ältesten dieser phantasievollen, in die Tiefen der Qualund die Höhen der Wonnen dringenden Zukunftsausmalungen sind ge-knüpft an die Namen von Aposteln, die erste und zugleich wohl das Musterfür die folgenden ist die griechische Petrusapokalypse aus der ersten Hälftedes 2. Jhs. n. Chr.; später, erst am Ende des 4. Jhs., entstand, von ihr be-einflußt, die ebenfalls ursprünglich griechische Paulusapokalypse, die fürdie abendländischen Literaturen weitgreifende Bedeutung erlangte: sie wurdeins Syr., Lat., Altfranz., Mittelengl. und Mhd. übertragen. Im 12. Jh. ent-
') Schönbach S. 75—94.
•) In der Siebenzahl nicht ganz ein Zehntel.
3 ) Schönbach S. 456; Bartsch aaO. —Das Gedicht von der Siebenzahl kennt keineDreireime.
*) Die christliche Auffassung von demWesen und den Arten der Visionen hatAugustinus festgesetzt im 12. Buch von DeGenesi ad Litteram. Zwei ältere m.alterl. lat.Jenseitsvisionen finden sich in Gregors Dia-logen IV Kap. 36 und in Bedas Kirchen-gesch. V, 12. Die wichtigste ist die VisioWettini von Walhfrid Strabo, Wattenbach,GQ. unter Walahfr., andere Visionen s. ebdaim Register Bd. 2; Ebert 2,148 ff.; Manitius1, 308 f. — Lit.: Realencyklop. 6, 568 ff.;Wetzer u.Welte 1,917 ff.; Bernheim, M.alterl.Zeitanschauungen S. 63 ff.; Kampers, Ale-xander d. Gr. u. die Idee des Weltimperiums;,R. Knopf, Die Zukunftshoffnungen des Ur-christentums, Religionsgesch. Volksbücher1.Reihe 13. Heft; Vossler, Danteil, 1,743ff.;G. v. Zezschwitz, Das m.alterl. Drama vomEnde des röm. Kaisertums, Leipz. (1877); C.Fritzsche, Die lat. Visionen des MA.s bis zurMitte des 12. Jhs., Roman. Forsch. 2,247—279.3,337—369; Emil Peters, ebda 8,361—364;G. Neckel, Studien zu den germ. Dichtungenvom Weltuntergang, Heidelberger SB. 1918,7. Abh.; G. Grau, Quellen usw. des jüngstenGerichtes; Schönbach, Ueb. Hartmann v.Aue S. 149 ff.; Vogt, Ueb. Sibyllen Weis-
sagung, Beitr. 4,48—100; Reuschel, Welt-gerichtsdichtungen; Caroline Michaelis,Quindecim Signa ante Judicium, Arch. 46(1870), 33—60; G. Nölle, Die Legende vonden 15 Zeichen vor dem jüngsten Gerichte,Beitr. 6, 413—476 (vgl. Zwierzina, Anz. 23,200); Elisabeth Peters, Quellen der Para-diesesvorstellungen usw.; Friedr. Ranke, DerErlöserinderWiege,Münchenl911; Wilhelm,Thomaslegenden S. 40*—42*; Georg Voss,Das jüngste Gericht in der bildenden Kunstdes früheren MA.s, Leipz. Diss. 1884; KarlW. Chr. Schmidt, Die Darstellung von ChristiHöllenfahrt in den deutschen und den ihnenverwandten Spielen des MA.s, MarburgerDiss. 1915; Burdach, Ackermann S. 316 f.;Poeschel, Das Märchen vom Schlaraffen-land, Beitr. 5, 389 ff.; Erich Schmidt,Charakteristiken 2 2 , 53—73; Bolte-PolivkaNr. 158, Bd. 3, 244-258; Wagner, VisioTnugdali S. Vif.; Langguth, Ava passim,bes. S. 130—133. — Visionen der frühmhd.Lit. sind die Visio S. Pauli, Visio Tundali,ein Abschnitt in der Patriciuslegende, dazudie kurze Erwähnung der Jenseitsfahrt desirischen Königs Echu in der Patric.-Leg.; s.ferner El. Peters aaO.; die Hölle auch beiH. v. Melk (Heinzel S. 43. 48 f. 126 f.), imMünch.Oswald2958-3021,Wien.Osw.l272—1309; vgl. Visio Fulberti, Du Meril, Poes,pop. ant. bes. S. 217 ff.